Kreisentwicklungsausschuss

Auswirkungen der Corona-Pandemie im Nürnberger Land

Was ändert sich nach dem Corona-Gipfel
Symbolfoto | Foto: [email protected] /stock.adobe2020/07/AdobeStock-330524636.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Die Corona-Pandemie hat auch das Nürnberger Land seit Mitte März voll im Griff. Die Infektionszahlen hielten sich im Vergleich zu anderen Städten und Kreisen zwar in Grenzen, die Folgen für Unternehmen, Kommunen, Vereine, Einrichtungen, Organisationen und die Menschen aber waren deutlich zu spüren.

Was die Zahl der Menschen angeht, die in der Krise ihre Arbeitsstelle verloren haben, sei der Landkreis „ganz glimpflich weggekommen“, sagte die Geschäftsstellenleiterin der Arbeitsagentur Lauf, Sieglinde Mahnel – die Arbeitslosenquote stieg zwischen März und Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr „nur“ um 0,9 auf derzeit 3,1 Prozent.Lediglich der Kreis Erlangen-Höchstadt stehe da in Mittelfranken besser da.

Viele Jobs weg

Vor allem im verarbeitenden Gewerbe (Metall/ Elektro), wo Corona bereits bestehende Probleme verschärfte, im Handel und in der Gastronomie gingen viele Jobs verloren. Bei den Neueinstellungen registrierte Mahnel ein Minus von 22 Prozent, unter anderem weil im letzten Quartal kaum Fortbildungen angeboten wurden. Immerhin: „Der Juni war ein erster Lichtblick“, sagte sie, vor allem in Verwaltungen, Verkaufs- und Verkehrsbetrieben sowie im medizinischen Sektor würden neue Mitarbeiter gesucht.

„Aufhorchen“ lasse dagegen der sehr deutliche Zuwachs an jungen Menschen ohne Arbeit. 341 Personen seien das im Juni gewesen, sagte sie, und damit fast 70 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt vor zwölf Monaten. Als Gründe nannte Mahnel, dass viele Auszubildende nicht übernommen wurden oder Studenten keine Stelle gefunden hätten. „Ein Trend, der überall zu beobachten ist“, sagte sie. „Corona traf die ältere Bevölkerung gesundheitlich, die junge bei der Arbeit – das ist das Gemeine“, ergänzte Landrat Armin Kroder, vor allem auch mit Blick auf die stark rückläufigen Ausbildungsstellen.

Die eklatantesten Verwerfungen zeitigte die Corona-Krise bei der Kurzarbeit. Machten zwischen April und Juni 2019 nur elf Unternehmen für insgesamt 84 Personen davon Gebrauch, waren es heuer 1815 Firmen für 31 124 Mitarbeiter – die „Anzeigen von Kurzarbeit sind im März und April explodiert“, sagte Mahnel, vor allem in der Gastronomie, im Handel, im Gesundheitswesen (insbesondere Zahnärzte und Therapeuten) sowie „prinzipiell“ im verarbeitenden Gewerbe. Wie drastisch der Anstieg war, belegte sie mit den entsprechenden Prozentzahlen (Firmen: plus 16 500, Personen: plus 36 952). Bei der Arbeitsagentur kümmerten sich statt der sonst üblichen 24 Mitarbeiter seit März gut 300 um dieses Thema. Inzwischen hätten sie bis auf ganz wenige Ausnahmen alle Anträge bearbeitet.

Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg gab zu bedenken, dass die Bundesregierung im Zuge der Corona-Pandemie die Insolvenzantragspflicht bis Ende September aussetzte – nicht nur er fürchte, dass wir „dann im Herbst über ‚echte‘ Arbeitslosigkeit diskutieren“. Deshalb regte er an, auch für diesen Bereich Zahlen präsentiert zu bekommen.

„Halb-blaues Auge“

Der Landkreis sei beim ersten Lockdown „möglicherweise mit einem halb-blauen Auge davon gekommen“, sagte Landrat Kroder, bei einem zweiten würde es hinsichtlich Arbeitslosenzahlen und Firmenpleiten wohl „ganz schlecht bis düster aussehen“. Deshalb mahnte er, alles dafür zu tun, einen zweiten Lockdown zu verhindern. „Man muss nicht alles machen, was erlaubt ist“, sagte er, „man kann, aber man muss nicht unbedingt…“

„Wir wurden von Corona eiskalt erwischt“, sagte Bernd Hölzel von der Regionalentwicklung, schließlich sei die Arbeit seines Ressorts davon geprägt „in Prozessen mit Menschen etwas zu entwickeln“ – und genau das sei bei einem strikten Kontaktverbot unmöglich. Mit einem selbstkritischen Augenzwinkern fügte er hinzu, mit neuen, corona-kompatiblen Arbeitsmitteln bis heute zu fremdeln, gleiches gelte für viele Kooperationspartner aus der Wirtschaft.

Zeit für Klimawandel

Einen echten Boom erlebte dagegen beispielsweise die Energieberatung der ENA. Viele Menschen hätten wegen Kurzarbeit oder „Zwangsurlaub“ endlich Zeit gehabt, sich für neue, dem Klimawandel geschuldete Gesetzesvorgaben zu interessieren und sich über entsprechende Lösungen zu informieren, so Hölzel.


„Wir waren zunächst in einer Schockstarre“, sagte Frank Richartz von der Wirtschaftsförderung. Allerdings sei es sehr schnell gelungen, die Kommunikation mit den Unternehmen zu beleben – über teils tägliche Sonder-Newsletter, in denen die Firmen Informationen über Corona-Soforthilfen, Passierscheine, Förderprogramme oder Überbrückungshilfen bekamen. Ein Erfolg war die über dieses Medium angestoßene Suche nach gebrauchten Laptops, um auch Kindern aus finanziell nicht so gut gestellten Familien Homeschooling zu ermöglichen.

E-Mails statt Treffen

Petra Hoffmann sagte, dass auch der Nürnberger Land Tourismus von der Pandemie „ziemlich eiskalt erwischt“ worden sei – nicht nur weil eine kurz zuvor gebildete Arbeitsgemeinschaft, die Nürnberg bei der Bewerbung zur „Kulturhauptstadt 2025“ unterstützt, längere Zeit die Hände in den Schoß legen musste. Auch hier ersetzten E-Mails persönliche Kontakte, etwa mit Tipps für die von der Krise besonders gebeutelten Gastronomen und Beherbergungsbetriebe, dazu kam telefonische Beratung zu individuellen Fragen.

Positiv vermerkte Hoffmann, dass sich die Anfragen von Urlaubsgästen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt hätten, vor allem die Campingplätze und Ferienwohnungen seien „ganz gut voll“, sagte sie. In der Gastronomie dagegen mache sich dieses gestiegene Interesse an Ferien im Landkreis „noch nicht so bemerkbar“. Auch Pauschalangebote seien gut nachgefragt.
Zudem aktualisierten die Landkreistouristiker laufend die Informationen auf ihrer Website (Veranstaltungen, Verhaltensregeln beim Wandern, erlaubte Freizeitaktivitäten und ähnliches) oder gaben Gastronomen Tipps. wie sie einen Abhol- und Lieferservice online organisieren können.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren