Hauptverwaltungsausschuss

Corona-Krise reißt ein tiefes Loch in den Hersbrucker Stadtsäckel

Hohe Investitionen wie für die neue Kuhpegnitzbrücke und Einnahmenverluste wegen Corona veranlassten den für die Finanzen zuständigen Ausschuss des Hersbrucker Stadtrates zu einer hohen Kreditaufnahme. | Foto: J. Ruppert2020/07/Stadtrat-Heb-HVA.jpg

HERSBRUCK – Wegen hoher Investitionen stehen 2,455 Millionen Euro an neuen Krediten im aktuellen Etat. Corona hat die Einnahmen einbrechen lassen und so gab der für die Finanzen zuständige Hauptverwaltungsausschuss des Hersbrucker Stadtrates grünes Licht, die eingeplanten Darlehen aufzunehmen. Einigkeit herrschte beim Aufbau eines „Defibrillator-Netzes“.

Auf Wunsch des zweiten Bürgermeisters Peter Uschalt erläuterte Kämmerer Hubert Seidler die aktuelle Entwicklung im laufenden Hersbrucker Haushalt. Der „Herr der Zahlen“ sagte, dass es keine weiteren „Einschläge“ wegen der Pandemie seit seinem Bericht im Juni gegeben habe. Allein bei der Gewerbesteuer rechnen Fachleute mit einem Fehlbetrag von 2,7 Millionen Euro. Zusammen mit anderen Posten beläuft sich das Minus allein im Jahr 2020 auf insgesamt rund vier Millionen Euro.

Bekanntlich wollen Bund und Land den Kommunen großzügig unter die Arme greifen und Ausfälle ersetzen. Von diesem Ausgleich hängt ab, wie sich die Situation entwickelt, sagte der Kämmerer. Außerdem habe die Stadt einen Sicherheitspuffer durch Schieben von Maßnahmen aufgebaut.

Brücke sichert Kredit

Hubert Seidler stellte mehrere Möglichkeiten einer Kreditaufnahme über 2,455 Millionen Euro vor. Die Kämmerei tendiert dazu, einen Vertrag mit 20-jähriger Zinsbindung und drei tilgungsfreien Jahren aufzunehmen. Je nach Bank sind Investitionen Voraussetzung für das Darlehen, was aber zum Beispiel wegen des Baus der Kuhpegnitzbrücke und anderer Projekte machbar ist.

Jürgen Amann sagte, dass sich der Zinssatz täglich ändere. Die Spanne umfasse zwar nur einen Bereich zwischen 0,08 und 0,12 Prozent, was aber angesichts der Laufzeit und der hohen Summe einen Unterschied bedeute. Eventuell sei es ratsam, wegen des Investitionsnachweises zwei Verträge bei zwei Anbietern mit unterschiedlichen Konditionen abzuschließen. Hubert Seidler stimmte dem zu.

Dorothea Müller Philipps Sohn bedauerte die (notwendige) Verschuldung zu Lasten der nachfolgenden Generation. „Wenn es sein muss, dann ja“, sprach Angelika Pflaum dem Kämmerer ihr Vertrauen aus. Stephan Krimm äußerte sich ähnlich und forderte Ausgaben der öffentlichen Hand als Ausgleich für fehlende private Projekte in der Corona-Phase. Alle Mitglieder des Ausschusses votierten dafür, dass Bürgermeister Robert Ilg und Hubert Seidler die Darlehensverträge aushandeln dürfen.

Helfendes Netz

Der Freie Rathausblock beantragt, dass Hersbruck ein Defi-Netz aufbaut. Defibrillatoren („Defis“) können mit Stromstößen zum Beispiel bei Herzkammer- oder Vorhofflimmern helfen. Nach einer Idee von Marco Schnellinger sollen die Lebensretter über ein Verzeichnis schnell auffindbar und nach Schulungen korrekt anwendbar sein, beschrieb Jürgen Amann den Plan. Bislang verfügen unter anderem das Bürgerbüro und die Feuerwehren Altensittenbach, Ellenbach und Großviehberg über Defis.

Mediziner Dr. Thomas Träg befürwortete uneingeschränkt das Vorhaben. Die Anfahrtswege zu Krankenhäusern sind bekanntlich nach der Schließung des Hersbrucker Standortes länger geworden und bei Herzstillstand zählt jede Sekunde. Defis kosten etwa 800 Euro aufwärts, was Robert Ilg bestätigte. Über Sponsoren lasse sich der finanzielle Aufwand begrenzen.


Armin Steinbauer sicherte die Unterstützung der Hersbrucker Feuerwehr zu. Peter Uschalt möchte auch die Sportvereine einbinden. In dem Zusammenhang wies Götz Reichel auf eine erfolgreiche Reanimation auf dem Reichenschwander Sportplatz vor einigen Jahren hin. Bei den Standorten gab es mehrere Vorschläge. „Bei den Feuerwehren vermutet man so etwas“, sagte Reichel.

Wohin mit den Defis?

Angelika Pflaum regte an, dass die Stadträte in Sachen Defi-Ausbildung mit gutem Beispiel vorangehen. Die Kühnhofenerin Gudrun Zeltner will in ihrem Stadtteil das Thema voranbringen. „Es wäre nicht schlecht zu wissen, wo sich die Defis befinden“, hatte Jürgen Amann noch gesagt. Hier gab es unterschiedliche Ansätze, die von einer App über die Homepage und Rettungsleitstellen bis zu den Notrufsäulen reichten. Alle waren für den Antrag.

Bekanntlich wurde die evangelische Kindertagesstätte neben dem City-Park saniert, erweitert und neu ausgestattet. Dort werden seit Januar zwei Krippen- und drei Kindergartengruppen betreut. Die Stadtkirchengemeinde und die Stadt haben den Vertrag über Betrieb und Finanzierung entsprechend angeglichen. „Es geht um Formalien“, erläuterte Robert Ilg. Der Hauptverwaltungsausschuss billigte die Änderungen ohne Aussprache und einstimmig.

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