Statistik für Mai: Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren steigt stark an

Coronakrise trifft junge Arbeitnehmer

Stellensuche: derzeit ein schwieriges Unterfangen. Oft führen Unternehmen Bewerbungsgespräche nur via Internet. | Foto: PZ-Archiv2020/06/Langzeitarbeitslose-Silke-3.jpg

NÜRNBERGER LAND – Es ist keine Überraschung: Wie schon im April ist auch im Mai die Zahl der Arbeitslosen infolge der Coronakrise stark gestiegen. Im Nürnberger Land sind nun 2970 Menschen ohne Beschäftigung, 8,3 Prozent mehr als im Monat zuvor und 45,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Quote liegt zum ersten Mal seit 2016 wieder über der Drei-Prozent-Marke bei 3,1 Prozent.

Doch in den Zahlen, die die Agentur für Arbeit gestern veröffentlicht hat, steckt eine weitere beunruhigende Nachricht: Die Pandemie trifft vor allem junge Arbeitnehmer. Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren wuchs im Landkreis im vergangenen Monat fast viermal so schnell wie beispielsweise jene in der Altersstufe über 50, nämlich von 293 auf 343. Im Mai 2019 waren es noch 132.

Neue Schwerpunkte

Renata Häublein, die Vorsitzende der Agentur für Arbeit Nürnberg, zu der die Laufer Geschäftsstelle gehört, hat für diese Entwicklung zwei Erklärungen: „Einige wurden nach der Ausbildung nicht übernommen, andere verloren womöglich ihren Nebenjob zu Ausbildung oder Studium in betroffenen Bereichen wie der Gastronomie.“ Die Arbeitsagentur will nun einen Schwerpunkt auf die Beratung Jugendlicher und junger Erwachsener legen, gerade in Sachen Berufswahl.

„Firmen bleibt oft nichts anderes übrig“

Droht eine „Generation Corona“, der die Ausbildungsplätze wegbrechen, die lebenslang schlechtere Jobaussichten haben wird, wie manche bereits unken? Fakt ist, dass in vielen Unternehmen Neueinstellungen und Übernahmen aus Befristung oder Ausbildung zurückgefahren werden.

Johannes Bisping, der Vorsitzende des Laufer Gremiums der Industrie- und Handelskammer (IHK), begründet das so: „Den Firmen bleibt oft gar nichts anderes übrig, sie müssen ihre Kosten reduzieren, um handlungsfähig zu sein.“ Hinter fast allen lägen zwei Monate mit deutlichen Umsatzeinbußen, „in manchen Fällen waren es 100 Prozent, in anderen 20 oder 50 Prozent“. Gerade bei den Automobilzulieferern, die im Landkreis stark vertreten sind, habe das deutliche Spuren hinterlassen.

Hinzu komme die Ungewissheit über die weitere Entwicklung: „Wenn es das jetzt war, dann kommen die meisten mit einem blauen Auge davon. Aber gibt es einen zweiten Shutdown, wird es massenhaft Unternehmen zerlegen.“ In einer solchen Situation sei die Verunsicherung groß, „inwieweit man weiter ausbilden kann“.

Videokonferenz als Bewerbungsgespräch

Auch wenn es banal klingt: Ein weiterer Faktor ist die Schwierigkeit, überhaupt Bewerbungsgespräche zu führen, wenn doch Abstand geboten ist. Reicht eine Videokonferenz aus, um geeignete Bewerber zu finden? Ebenfalls aus Infektionsschutzgründen wurden Ausbildungsbörsen wie jene in der Röthenbacher Karl-Diehl-Halle abgesagt. Das macht es schwer für Jugendliche wie für Unternehmen, Kontakt zu knüpfen.

Fachkräftesicherung nach Corona

Häublein von der Agentur für Arbeit appelliert in dieser Situation an die Firmen, „bereits jetzt an die Fachkräftesicherung nach Corona zu denken“. In dieses Horn stößt auch der IHK-Vertreter. Sein Appell: „Die Verantwortung trotzdem wahrnehmen und Azubi-Stellen besetzen. Es wäre bitter, wenn wir in zwei, drei Jahren eine Fachkräfte-Krise hätten.“

Bisping setzt dabei auch auf die „sehr mittelständisch geprägte Struktur im Nürnberger Land“. Gerade die Mittelständler seien „immens bemüht, gut durch die Krise zu kommen“.


Last-minute-days

Die IHK will trotz Pandemie Betriebe und künftige Azubis zusammenbringen. Sie bietet ein digitales Format an: die „Last-Minute-Days“ (22. bis 25. Juni). Bewerber können ein Videogespräch mit Unternehmen führen, die Auszubildende suchen, und dafür Tele-Arbeitsplätze in den IHK-Geschäftsstellen nutzen. Mehr auf der Internetseite der IHK im Netz.

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