Schnaittacher Doppelmord

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Die Spurensicherung am Tatort, dem Haus des Ehepaars P. in Schnaittach.
Die Spurensicherung am Tatort, dem Haus des Ehepaars P. in Schnaittach. | Foto: Schuster2018/01/placzek-ermittler-polizei-eingang-kerzen-e1516901608396.jpg

SCHNAITTACH — Ingo P.  soll gemeinsam mit seiner Frau zweimal versucht haben, seine Mutter zu vergiften. Erst als dies nicht klappte, griff er wohl zum Zimmermannshammer – diese neuen Ermittlungsdetails über den gewaltsamen Tod eines Schnaittacher Paars hat die Staatsanwaltschaft am Montag veröffentlicht. Die Behörde hat Anklage erhoben.

Der 26-jährige Sohn der Getöteten und seine 22-jährige Frau sollen bereits im Herbst 2017 beschlossen haben, die Mutter zu vergiften. Sie hätten, so die Staatsanwaltschaft, ein Gebäckstück mit giftigen Pflanzensamen zubereitet. Doch die 66-Jährige zeigte zwar Vergiftungserscheinungen, starb aber nicht. Also, ist die Ermittlungsbehörde überzeugt, bot ihr der Sohn wenige Wochen später ein Getränk an, das eine giftige Chemikalie enthielt. „Aufgrund des auffälligen Geschmacks nahm die 66-Jährige jedoch nur eine nicht tödlich wirkende Menge zu sich“, heißt es in einer am Montagmorgen veröffentlichten Pressemitteilung der Staatswanwaltschaft Nürnberg-Fürth.

Nachdem auch dieser zweite Vergiftungsversuch gescheitert war, soll der 26-Jährige in der Nacht auf den 14. Dezember 2017 seine im Bett liegende Mutter durch mehrere Schläge mit einem Zimmermannshammer getötet haben. Gleich darauf soll er auch seinen hinzukommenden 70-jährigen Vater mit dem Werkzeug angegriffen und erschlagen haben.

Leichen eingemauert

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeschuldigten in den Tagen nach der Tat gemeinsam zahlreiche Baumaterialien gekauft haben, mit denen dann die Leichen der Eltern, das Tatwerkzeug und weitere Spuren in einem Nebenraum der Garage des elterlichen Anwesens eingemauert wurden. Anschließend soll das Paar den Tatort renoviert haben, um weitere Spuren zu beseitigen.

Ingo P. und seine Frau befinden sich seit Ende Januar in U-Haft. Der 26-Jährige bestreitet den Vorwurf. Die 22-Jährige hat Angaben zu den Taten gemacht, aber eine eigene Beteiligung an den Tötungshandlungen bestritten. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen haben beide die Tat jedoch gewollt und gemeinsam
geplant. Der Anklagevorwurf lautet deshalb bei beiden auf zweifachen versuchten Mord sowie Mord in zwei Fällen.

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth hat nun darüber zu entscheiden, ob sie die Anklage zur Hauptverhandlung zulässt und das Hauptverfahren eröffnet. Die Staatsanwaltschaft hat 61 Zeugen und elf Sachverständige benannt.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel