Schnaittach unter Schock

Bekannte und Nachbarn der Placzeks sind fassungslos

Die Hedersdorfer Straße in Schnaittach, in der die beiden Vermissten und die Tatverdächtigen leben, wurde am Montag weiträumig abgesperrt. | Foto: Kirchmayer2018/01/Vermisste-Placzeks-Schnaittach-Festnahme-Wohnhaus.jpg

SCHNAITTACH — Nun ist es traurige Gewissheit: Bei einer der beiden Leichen, die auf dem Grundstück der Familie Placzek in Schnaittach gefunden wurden, handelt es sich um Peter Placzek. Das hat die Obduktion am Dienstag ergeben. Die zweite Leiche wird erst am Mittwoch obduziert. Die Schnaittacher stehen unter Schock. Die PZ hat sich im Ort umgehört.

Bungalows und Einfamilienhäuser inmitten gepflegter Gärten, die Hedersdorfer Straße liegt in einem gutbürgerlichen Viertel von Schnaittach. Nur wenige Meter sind es zum Rothenberg und zur Festung, es ist eine gewachsene Wohngegend, in der die Nachbarn gut miteinander auskommen. Gestern war es mit der Ruhe vorbei. Polizei und Spurensuche vor und in dem Anwesen mit der Hausnummer 17, die Hedersdorfer Straße war bis zum späten Nachmittag abgeriegelt.

„Unfassbar“, sagt ein älterer Mann, der sich erst am frühen Nachmittag, als ein Großteil der Ermittler und Medienleute den Tatort wieder verlassen hat, auf die Straße traut, „dass die tot sind, ich kann es nicht glauben“. Man kannte sich „unter Nachbarn“, die Placzeks seien „ruhige Leute“ gewesen, „sehr ordentlich, die haben immer viel gearbeitet, vor allem im Garten“. Kontakt zum Sohn und zur Schwiegertochter, die da schon verhaftet waren, hatte der Rentner nicht, „man hat die selten gesehen“.

Schon am frühen Montagmorgen hatte sich die Nachricht von der Festnahme von Ingo und Stephanie Placzek wie ein Lauffeuer in Schnaittach verbreitet. Bereits seit der Veröffentlichung des Fahndungsaufrufes der Polizei und des Berichts in der Pegnitz-Zeitung kursierten Spekulationen über das Verschwinden des Ehepaars vor allem in den Sozialen Medien.

Auch bei der Diabetikerselbsthilfegruppe „Die Zuckerstückler“ machte man sich Gedanken. „Hilfsbereit und verlässlich“, so beschreibt ein Mitglied der Selbsthilfegruppe Peter Placzek. Über 20 Jahre war der diabeteskranke Rentner bei den Zuckerstücklern engagiert, half bei Veranstaltungen bei der Technik, nahm gemeinsam mit seiner Frau an den Ausflügen der Selbsthilfegruppe teil.

„Er war ein sehr genauer Mensch“, sagt das Gruppenmitglied. Dass sich Peter Placzek nicht abgemeldet habe, sei in all den Jahren nie vorgekommen. „Er hat immer angerufen und Bescheid gegeben, wenn er mal nicht kommen konnte.“ Deshalb war die Bestürzung über das Verschwinden des 70-Jährigen und seiner Frau auch groß. „Alle haben sich Sorgen gemacht.“

Polizei im verschneiten Garten des Anwesens: Im Anbau der Garage fanden die Ermittler am Montagmittag eine männliche und eine weibliche Leiche. | Foto: Schuster2018/01/placzek-festnahme-ermittler-hedersdorfer-strasse.jpg

Als verlässlich und hilfsbereit galt Peter Placzek auch in der Musik- und Singschule Schnaittach. Dort hatte Sohn Ingo über Jahre hinweg Unterricht in Keyboard und E-Gitarre. „Er war sehr begabt“, erinnert sich der ehemalige Musikschulleiter Gregor Kubitza. Peter Placzek habe seinen Sohn stets zu den Auftritten der Musikschule begleitet. „Die waren sehr eng miteinander.“

Später sei der Sohn mit dem Keyboard auch als Alleinunterhalter aufgetreten, unter anderem bei der Eröffnung des Schnaittacher Adventsmarktes, „sein Vater hat ihn immer gefahren“. Trotz seines angeschlagenen Gesundheitszustandes habe Peter Placzek nach Auftritten stets noch geholfen, die Musikinstrumente zu verstauen, „ich habe immer gesagt, das müsse doch nicht sein, aber er wollte unbedingt“.

„Sehr harmonisch“

Gab es Schwierigkeiten in der Familie? Eine Schulfreundin von Elfriede Placzek, die am Nachmittag von Lauf extra nach Schnaittach gefahren ist, weil sie die Nachrichten so beunruhigen, weiß von nichts. „Ich hatte immer den Eindruck, dass die drei sehr harmonisch miteinander sind“, sagt sie. Elfriede Placzek, mit der sie in Lauf zusammen in die Volksschule ging, sei ein fröhlicher und offener Mensch gewesen. Man habe sich regelmäßig bei Klassentreffen gesehen, „ich bin ganz geschockt“.

Anders schildern das andere Nachbarn. Seit Ingo Placzek vor einiger Zeit wieder zu Hause eingezogen sei, habe es Spannungen in der Familie gegeben, die heile Welt, die er im Interview mit der Pegnitz-Zeitung schilderte, sei nicht so heil gewesen.

Die Eltern seien auch gegen die Heirat gewesen. Elfriede Placzek und ihre Schwiegertochter, die nach Auskunft von Bekannten aus dem Landkreissüden stammt, seien nicht gut miteinander ausgekommen. „Man hat sie auch nur selten hier gesehen“. In einem Fernsehinterview hatte die 22-Jährige, die als Kinderpflegerin arbeitet und auf Stellensuche war, betont, das Verhältnis mit den Schwiegereltern sei sehr gut.

Erst im Sommer letzten Jahres hatte die Familie im Haus, wo Ingo Placzek mit seiner Frau im ersten Stock wohnt, erneut umgebaut. Im Garten entstand ein neues Gartenhäuschen, direkt neben dem Anbau zur Garage, wo die Ermittler am Montag um die Mittagszeit zwei Leichen hinter einer Mauer entdeckten. Kurz vor 15 Uhr hoben sich die Absperrbänder, zwei Bestattungswagen passierten die Straße. Gut fünf Wochen nach dem Verschwinden des Ehepaares ist es wohl traurige Gewissheit, dass Peter und Elfriede Placzek nicht mehr leben.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger