Anteilnahme bei Andacht

Schnaittacher stehen in der Trauer zusammen

Nach der Trauerandacht für das ermordete Schnaittacher Rentnerehepaar standen die Besucher (unter ihnen Bürgermeister Pitterlein im Vordergrund oder Landrat Kroder an der Kirchentür) noch in kleinen Gruppen vor der Kirche zusammen. | Foto: Schuster2018/01/placzek-trauer-nach-der-trauerandacht.jpg

SCHNAITTACH — Bei der Trauerandacht für das ermordete Schnaittach Ehepaar Elfriede und Peter Placzek blieben am Freitagabend in der evangelischen Christuskirche die Anteil nehmenden Schnaittacher weitgehend unter sich. Den befürchteten Medienrummel gab es nicht, auch weil die beiden Geistlichen im Vorfeld betont hatten, keine Filmaufnahmen während der Feier zu dulden. Viele Besucher hatten Kerzen in die gut besuchte Kirche mitgebracht, nach der Andacht standen Menschen noch in kleinen Gruppen beieinander und versuchten in Gesprächen die Tat irgendwie aufzuarbeiten.

Der katholische Pfarrer Hans Eisend sprach vor allem von Ratlosigkeit, aber auch davon, dass die Gedanken auch bei dem jungen Mann, dem Sohn der Getöteten, sein sollten, der nun in besonderer Weise das Erbarmen Gottes brauche.

Pfarrer Ulrich Zenker begrüßte die Gottesdienstbesucher. Darunter Bürger und nahe Nachbarn, aber auch Landrat Armin Kroder, Bürgermeister Frank Pitterlein, den Laufer Polizeichef Günter Losse sowie Schnaittacher Gemeinderäte. Das Eingangslied „Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben“, wurde mit leiser Gitarrenmusik begleitet, die weitere Feier umrahmten Querflöte, Geige und Cello. Pfarrer Zenker sprach davon, jetzt aufeinander zuzugehen und zusammenzustehen. Gemeinsam sprachen die Trauergäste das Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer aus dem Jahr 1943. Nach dem Gebet im Gedenken an die ermordeten Eheleute erteilten die beiden Schnaittacher Pfarrer gemeinsam den Segen.

„Die Seele Schnaittachs liegt offen“

Auch Bürgermeister Frank Pitterlein sprach am Ende zu den Trauernden. Auch für ihn sei es schwierig Worte zu finden, er freue sich aber über den Zusammenhalt in der Gemeinde, was die Teilnahme an der Trauerfeier deutlich mache. „Mein Dank gilt auch der Arbeit der Polizei“, so Pitterlein, der dann „die Medien“ ganz pauschaul kritisierte. Diese hätten nicht das Recht zu richten. Er selbst hatte sich gegenüber den Medienvertretern nie zu diesem Fall geäußert. Pitterlein schloss mit den Worten „Die Seele Schnaittachs liegt offen“.

Landrat Armin Kroder hielt keine öffentliche Rede, nach der Trauerfeier allerdings bekannte er, dass ihn „die schreckliche Tat“ sehr getroffen habe. Nicht nur als Landrat, sondern insbesondere auch als Bürger aus der Nachbargemeinde.

Weil der auch im Radio angekündigte Trauerzug ausfiel, waren am Freitagabend nur wenige Medienberichterstatter in Schnaittach zu sehen. Anders als in den ganzen letzten Tagen. Bis zum Wochenende versuchten Journalisten aus ganz Deutschland Informationen zu den Hintergründen der Tag und zum Umfeld der Schnaittacher Familie zu bekommen. Reporter riefen in Schnaittacher Geschäften an oder fragten in Friseursalons nach.

Mord bleibt Tagesgespräch

Auf dem Marktplatz sah man auch am Wochenende noch immer Menschen, die sich in kleinen Grüppchen über die grausame Tat austauschen, sie bleibt im Ort Tagesgespräch. Jeder weiß etwas über die Familie, aber keiner kann sich das Verbrechen erklären, jeder spekuliert auf andere Art und Weise und will dabei doch anonym bleiben. Meistens gebe es ja in jedem Dorf eine Familie, bei denen es richtig kriselt und kracht, aber deshalb gleich jemand umbringen?, so ein Bürger. So etwas vermutet man dann doch eher in einer anonymen Großstadtgesellschaft, sagte ein Auswärtiger. „Im Kindergarten war Ingo (der tatverdächtige Sohn) einer der braven Jungs, wusste eine Schnaittacherin und ein Gast aus Oberfranken meint: Schau Dir mal ihre Facebook-Seite an, wo sie zu Spenden aufrufen. „Das ist an Dreistigkeit und Kaltblütigkeit nicht mehr zu überbieten“. „Grauenvoll“ ist eines der Worte, die immer wieder zu hören sind. Und Gollerbauer Senior wundert sich nur, dass der Sohn, der in Nürnberg arbeitete, nicht einfach ausgezogen ist, „um sein eigenes Leben zu leben“.

„Sehr seltsam“ fanden es beispielsweise Nachbarn, das nach dem Verschwinden der Eltern plötzlich zwei junge Huskywelpen auf dem Grundstück herum tollten. „Einen Hund im Haus hätten die Eltern nie geduldet, da bin ich mir sicher, weiß ein Nachbar und nährt damit die Spekulationen um das nach wie vor völlig unbekannte Motiv für den Doppelmord. Die jungen Hunde waren am Tag der Erstdurchsuchung des Hauses vor genau einer Woche von Polizeibeamten aus dem Grundstück geführt und der Tierrettung übergeben worden.

Anerkennende Worte für die gute Polizeiarbeit findet eine Mitarbeiterin der Notfallseelsorge. Sie fand unter anderem den Zeitpunkt des Zugriffs und der Verhaftung von Sohn und Schwiegertocher gut, weil niemand zu Schaden kam und die Kinder, die etwas mitbekommen hätten können, zu diesem Zeitpunkt schon in der Schule waren.

N-Land Udo Schuster
Udo Schuster