Stadt fehlt das Geld für einen Betrieb unter Corona-Bedingungen

Röthenbach kippt die Badesaison endgültig

Im April lief das „Auswintern“ wie üblich, nun kann gleich wieder das „Einmotten“ folgen: Das Röthenbacher Bad bleibt geschlossen. | Foto: PZ-Archiv/Beck2020/06/Rothenbach-Freibad-Schwimmmeister-Horst-Schulz-mit-Dampfstrahle.jpg

RÖTHENBACH – „Liebe Badegäste, das Freibad öffnet in diesem Jahr am Mittwoch, den 1. Mai“: So steht es noch auf einem Zettel am Eingang des Röthenbacher Freibads. Wer genauer hinsieht, erkennt, aus welchem Jahr diese inzwischen leicht verblasste Mitteilung stammt: 2019.

Eine Pandemie war damals höchstens ein Thema für Science-Fiction-Bücher. Bis zum Ende der Saison im September suchten – und fanden – rund 54 000 Menschen Abkühlung auf dem weitläufigen Gelände an der Pegnitz. Doch 2020 ist alles anders. Nun gilt: Das Freibad öffnet in diesem Jahr gar nicht. So hat es der Röthenbacher Ferienausschuss am Donnerstagabend beschlossen. Und zwar einstimmig.

Zornige Zuschauer

Auch wenn es am Ende zornige Bemerkungen aus den Zuschauerreihen gab: Leicht hat sich diese Entscheidung niemand gemacht. Bester Beweis dafür ist das von der Stadtverwaltung erarbeitete Freibadkonzept. Es listet detailliert auf, unter welchen Bedingungen der Betrieb hätte stattfinden können.

So wären maximal 300 Besucher gleichzeitig in je drei „Schichten“ am Tag eingelassen worden. Macht 20 Quadratmeter Platz pro Person und somit ausreichend Abstand, bei rund dreieinhalb Stunden Zeit pro „Schicht“. Zum Vergleich: An heißen Tagen verzeichnete das Bad in den vergangenen Sommern jeweils über 3500 Besucher. Im Corona-Sommer hätten hingegen höchstens 40 Gäste gleichzeitig im Nichtschwimmerbecken Platz gefunden und 55 im Schwimmerbecken. Ein Online-Ticketverkauf wäre das Mittel der Wahl gewesen, um Schlangen an der Kasse zu vermeiden.

Rund 65 000 Euro Mehrkosten

Dazu kommt es jetzt nicht. Den Hauptgrund dafür lieferte die Kämmerei. Sie rechnete vor, was das alles gekostet hätte. 2019 hat Röthenbach ohnehin rund 404 000 Euro für sein Bad ausgegeben. Das entspricht einer Bezuschussung von über sieben Euro pro Badbesuch.

Bei einem Betrieb unter Corona-Bedingungen, so Kämmerer Erwin Unfried, wären noch einmal 65 000 Euro hinzugekommen. Fällt die Saison jedoch ganz ins Wasser, spart die Stadt ihm zufolge zwischen 230 000 und 250 000 Euro.

Und Röthenbach muss sparen – die Kommune läuft der Rechtsaufsicht am Landratsamt Nürnberger Land zufolge Gefahr, sich zu überschulden (die Pegnitz-Zeitung berichtete). Sie müsse jede Ausgabe auf ihre Notwendigkeit hin überprüfen. „Wir gehen ohnehin unter schlechten Vorzeichen in die Coronakrise“, so Unfried. Die Kämmerei könne deshalb nur die Empfehlung abgeben, das Bad nicht zu öffnen.

Fraktionen folgen der Empfehlung

Dieser Empfehlung folgten alle Fraktionen. „Es tut mir weh für jedes Kind, das nicht ins Bad gehen kann“, sagte Dieter Hammer (Grüne), aber die Mehrkosten seien „ein Haufen Geld für eine Kommune, die Finanzprobleme hat“.

Die SPD bezweifelte gar, ob Kinder angesichts der strikten Vorgaben überhaupt von einer Öffnung des Freibads profitiert hätten. Thomas Jennemann ist als Wasserwachtler sozusagen Experte: „Schwimmenlernen wäre unter diesen Bedingungen nicht möglich“, nur sportliche Schwimmer hätten ihren Nutzen. Bürgermeister Klaus Hacker (FW): „Es wäre nicht das, was man sich unter einem Freibad vorstellt.“

Unterschiedliche Bedenken

Hinzu kamen Bedenken darüber, ob das Betriebskonzept aufgehen kann. Joachim Fichtner (FW) sorgte sich um die Schlagzeilen, sollte es an heißen Sommertagen gar „zu einer Schlägerei kommen, weil die Leute nicht ins Bad reinkommen“. Eine Befürchtung, die CSU-Stadtrat Wolfgang Gottschalk zwar nicht teilen wollte, aber auch er sah keine andere Möglichkeit, als gegen die Öffnung zu stimmen: „Familien haben es in Corona-Zeiten schwer, aber bei unserer finanziellen Lage muss man klare Worte finden.“ Das tue „in der Seele weh“, so Wolfgang Hellmann (CSU).

Alternative Angebote?

Die Grünen plädierten dafür, wenigstens einen Teil des eingesparten Gelds in Projekte für Kinder zu stecken: „Wir sollten alternative Freizeitmöglichkeiten schaffen“, so Katharina Angermeier. Ob das funktionieren kann, blieb in der Sitzung allerdings offen. Fakt ist: Das Jugendzentrum der Stadt ist momentan für Besucher geschlossen, laut seiner Internetseite sind alle geplanten Veranstaltungen bis Ende August abgesagt.

Birkensee kein Thema

Ebenfalls kein Thema am Donnerstagabend waren mögliche Auswirkungen auf den Birkensee. Rechnet die Stadt nun mit einem Ansturm dort? Auch eine Öffnung des Freibads mit eingeschränkten Besucherzahlen hätte den See nicht entlastet, so Bürgermeister Hacker gestern im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung. „Im Extremfall“ allerdings, so der FW-Politiker, „wenn es sehr überhand nimmt, dann müssen wir den See sperren“.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren