Der Besuch ist allerdings stark reglementiert und zeitlich begrenzt

Das Schnaittacher Freibad öffnet am 15. Juni

Das Schnaittacher Freibad öffnet in rund zwei Wochen seine Pforten, doch für die Besucher wird vieles anders sein als bisher. Nur 80 Personen dürfen in die Einrichtung, nach eineinhalb oder zwei Stunden müssen sie wieder gehen. | Foto: PZ-Archiv/Kirchmayer2020/05/Freibad-Schnaittach-leer-4.jpg

SCHNAITTACH – Das Abstimmungsergebnis im Schnaittacher Marktgemeinderat war eindeutig: Einstimmig sprach sich das Gremium am Donnerstagabend dafür aus, dass das Freibad eröffnen kann. Von einem Teil des Publikums im Badsaal wurde die Entscheidung mit Applaus bedacht, für viele Badefreunde im Markt und Umgebung ist es eine tolle Nachricht.

Dass das Baden im Corona-Jahr 2020 unter ganz besonderen Vorzeichen steht, wurde aber im ausführlichen Monolog von Bürgermeister Frank Pitterlein deutlich: Ein „Wagnis“ sei der Schritt, ein „Abenteuer“, man habe „Bauchschmerzen“ dabei, schließlich könne man nicht komplett ausschließen, dass sich dort jemand mit dem potenziell tödlichen Virus infiziert.

Allerdings gebe es „derzeit fast keine aktiven Infektionen“ im Landkreis und man habe schließlich „ein wunderbares Bad“, die Becken sind gefüllt, das Personal steht bereit. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und können loslegen.“

Bahnen ziehen statt sonnenbaden

Dann beschwichtigte der Bürgermeister wieder: „Es wird kein Spaßbad sein, kein Sonnenbad sein“, sondern eine Trainingsmöglichkeit für Sportschwimmer, die Wasserwacht und alle, die ihr Immunsystem stärken wollen.

Zwar ist der Rahmen noch nicht vollständig ausgearbeitet, aber Besucher müssen sich auf einige Einschränkungen gefasst machen:

Anmeldung Online

  • Ins Freibad kommt man nur mit vorheriger Anmeldung. Diese erfolgt im Internet voraussichtlich über das gleiche System, mit dem der Markt die Plätze für das Ferienprogramm vergibt. Und zwar nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. „Anders werden wir es nicht hinbekommen“, so Pitterlein auf Nachfrage der PZ. Anmelden kann sich jeder, also nicht nur Schnaittacher. Eine Bevorzugung der Einwohner des Marktes hält Pitterlein für rechtlich anfechtbar und außerdem für falsch. Ein Vorteil der Online-Anmeldung: Nach einem Ausbruch des Virus könnten alle Badegäste schnell ausfindig gemacht werden.

Begrenzte Zeit

  • Saison- oder Tagestickets gibt es nicht, man meldet sich für einen klar definierten kurzen Zeitraum von eineinhalb bis zwei Stunden an, also beispielsweise am Dienstag, 16. Juni, von 13.30 bis 15 Uhr. Kinder unter 14 dürfen nur mit einem Sorgeberechtigten ins Bad. Ist die Zeit um, müssen alle Gäste die Einrichtung verlassen. Bevor die nächsten Besucher rein dürfen, wird das Bad vom Personal gereinigt, beispielsweise Handläufe und Umkleidekabinen desinfiziert.

Begrenzte Personenzahl

  • Maximal 80 Personen können in den ersten Wochen gleichzeitig ins Freibad. Somit hätte jeder im Schnitt 20 Quadratmeter Platz zum Schwimmen und kann Abstand zu den anderen halten. Der Eintritt kostet voraussichtlich einen Euro pro Person.
  • Ein Stecher vom Sprungturm, die Wasserrutsche runter und dann ein Eis vom Kiosk und fläzen auf der Liegewiese: Alles das wird es heuer nicht geben – zumindest in den ersten Wochen, wie der Bürgermeister betonte. Wer das Freibad besucht, kann das zum Schwimmen oder Schwimmenlernen oder zum Abkühlen tun. Alles andere bleibt vorerst gesperrt. Verfügbar sind nur das Schwimmer- und das Nichtschwimmerbecken, die Umkleiden, die Außenduschen und die Toiletten.

Lockerungen auch im Freibad

  • Sollte alles in den ersten Wochen klappen und sollten die Infiziertenzahlen weiter niedrig bleiben, stellte Pitterlein Lockerungen in Aussicht. So könnten zu einem späteren Zeitpunkt Sprungturm und Rutsche geöffnet werden, bis zu 300 Leute könnten auf die Liegewiesen gelassen werden. Laut Melanie Weißmann vom Dienstleister Bädercoach, die als Zuschauerin zur Sitzung gekommen war, könnten zeitgleich bis zu 120 Menschen ins Schwimmer- und 60 Menschen ins Nichtschwimmerbecken.

Kinder sind willkommen

  • Pitterlein betont, dass im Rahmen der Bestimmungen auch Familien mit kleinen Kindern das Bad nutzen können. Sie können gemeinsam ins Nichtschwimmerbecken. Dort werden voraussichtlich Leinen gezogen, um einzelne Bereiche abzugrenzen.

Auf den 15. Juni hatte sich Schnaittach mit weiteren Kommunen als Kompromiss geeinigt, so der Bürgermeister im Gespräch mit der PZ am Freitag. Man könne zwar bereits eine Woche früher öffnen, wolle aber nicht vorpreschen. Stattdessen soll die Wasserwacht das Freibad ab 8. Juni zunächst exklusiv haben, und es sollen Tests gemacht werden, um die Abläufe einzustudieren und das Online-Anmeldesystem vorzubereiten.
Einige Details sind noch nicht geklärt. Bis in zwei Wochen will der Markt sein Konzept abrunden.

Bei den Räten kamen die Pläne der Verwaltung gut an. Ulrich Weber (SPD) dankte für die Ausarbeitung und sagte, viele Familien würden heuer aus finanziellen Gründen nicht in den Urlaub fahren, umso wichtiger sei das Angebot. Werner Raum (FW) äußerte sich ähnlich, man sei es den Schnaittachern schuldig, den Badebetrieb anzubieten. Maria Pinzer (CSU) bezeichnete die Öffnung als „soziale Pflicht“, man müsse „an die Familien denken“.

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