Plakate gegen das ICE-Werk

Die Proteste nehmen Fahrt auf

Mit Ablehnung im Blick präsentiert Sophie Wurm vom Bund Naturschutz in ihrem Garten das neue Banner, das schon bald an mehreren Orten in der Marktgemeinde zu sehen sein wird. | Foto: Daniel Frasch2021/03/Feucht-Sophie-Wurm-ICE-Muna-Plakate-scaled.jpg

FEUCHT – Die Feuchter Ortsgruppe des Bund Naturschutz initiiert eine Plakatkampagne gegen das geplante ICE-Werk am Muna-Gelände. Die Feuchter Parteien schließen sich der Aktion an – mit Ausnahme der FDP und der Franken.

Rund fünf Wochen ist es her, als bekannt wurde, dass das ehemalige Muna-Gelände in Feucht als möglicher Standort für das geplante ICE-Werk der Deutschen Bahn in das Raumordnungsverfahren aufgenommen werden soll (wir berichteten). Zuvor waren wiederholt Bürger der Stadtteile Fischbach, Altenfurt und Moorenbrunn auf die Straße gegangen, um gegen den Plan, das rund 400 Millionen Euro teure ICE-Werk in Altenfurt zu bauen, zu protestieren. Bereits Anfang Februar hatte Sophie Wurm, Vorsitzende der Ortsgruppe Feucht des Bund Naturschutz (BN), massive Proteste angekündigt, „sollte der Muna-Standort konkretisiert werden und in Frage kommen.

Wurm, die sich bereits für den Erhalt der Moser Brücke stark gemacht hatte, stoßen die wiederholten Eingriffe in den Reichswald sauer auf: „Die geplante Juraleitung P 53, der Bau des Autobahn-Overfly der A9 und A6 am Kreuz Nürnberg-Ost und jetzt noch ein ICE-Werk: Immer wieder ist der Reichswald betroffen“, schimpft sie über die Pläne der Bahn. Die hat versprochen, bis zum Beginn des Verfahrens ab April Interessierte mit Zwischenergebnissen zu den einzelnen Flächen zu informieren.

Zeit zu handeln

Die Feuchter Ortsgruppe des BN sieht die Zeit nun gekommen, gegen die Pläne der Bahn mobil zu machen. Als erste Protestaktion wird eine großangelegte Plakatkampagne durchgeführt, die auf die großflächige Rodung des Waldes, die der Bau des Werkes zur Folge hätte, aufmerksam macht: „Nein zum ICE-Werk – Finger weg vom Bannwald“ steht in großen Lettern auf den Plakaten, die an verschiedenen Stellen im Feuchter Ortskern angebracht werden. „Denn der Reichswald, in dem sich die Muna befindet, ist sowohl als Bannwald, Natura 2000- und europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen“, kritisiert der Feuchter Bund Naturschutz.

Nach Meinung von Sophie Wurm würde die Ansiedlung des ICE-Werks auf Dauer eine weitere Siedlungsbrücke von Nürnberg-Moorenbrunn nach Feucht im Reichswald bedeuten, wodurch auch die Gefahr eines durchgehenden Siedlungsbandes von Nürnberg nach Feucht bestehe. Daher sei es „wichtig, gegen eine solche gewaltige Reichswaldzerstörung in Feucht ein Zeichen zu setzen.

Zurückhaltung der FDP und Franken

CSU, Grüne, SPD, FWG und UCS stehen hinter dem Protest und haben ihre Logos auf den Bannern anbringen lassen, ebenso der Landesbund für Vogelschutz (LBV), die Bürgerinitiative „Ja zum Reichswald, nein zur Juratrasse“ und Waldsiedlung Weissensee Feucht e.G. Allein die FDP sowie die Franken sind nicht involviert. „Grundsätzlich sind auch wir dagegen, das ICE-Werk auf das ehemalige Muna-Gelände zu bauen“, betont Christian Nikol, Vorsitzender des Feuchter Ortsverbandes der Franken, auf Nachfrage. Ein Hintertürchen wollen sie sich jedoch offenhalten: „Sollte das Gelände tatsächlich in Frage kommen und in diesem Zuge das gesamte Areal erst entmunitioniert und anschließend neu bepflanzt werden, dann wären wir für den Standort Muna-Gelände. Denn die Fläche des ICE-Werks würde nur ein Fünftel der Gesamtfläche in Anspruch nehmen, die restlichen vier Fünftel könnten dann als Naherholgungsbiet genutzt werden.


Eine Meinung, die der Vorsitzende der Feuchter FDP, Manfred Dauphin, teilt: „Wir wissen aktuell doch noch gar nicht, was genau geschehen soll. Einfach mal so ein Zeichen zu setzen, wie es Frau Wurm tut, halte ich für falsch. Welches Zeichen soll das denn sein?“, fragt er. Wie Christian Nikol sieht auch Manfred Dauphin eine große Chance für den Markt Feucht, sollte sich die Regierung von Mittelfranken im Raumordnungsverfahren für das Muna-Gelände als Standort aussprechen – unter einer Bedingung: „Wenn das Areal dadurch entmunitioniert werden würde, wäre das doch ein großer Gewinn für uns. Aber momentan ist es noch zu früh, immerhin sind noch sechs weitere Standorte im Gespräch.

Proteste zeigen Wirkung

Klar scheint unterdessen nur, dass die anhaltenden Protestaktionen in Altenfurt und Fischbach sowie die angekündigten Proteste in Feucht Wirkung zeigen und die Bahn augenscheinlich in Alarmbereitschaft versetzen. Anfang des Monats veröffentlichte das Unternehmen nämlich die Stellenausschreibung „Referent Kommunikation & Stakeholdermanagement (w/m/d)“. In der Profilbeschreibung hieß es unter anderem: „In Deiner neuen Rolle bist Du für die kommunikative Positionierung des Neuen Werks Nürnberg durch Herausheben der ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte in Einklang mit der Konzernstrategie Starke Schiene Deutschland verantwortlich.
Eine bessere Kommunikation gegenüber der Bevölkerung wird das Unternehmen in Zukunft brauchen können, Sophie Wurm hat für die zweite Aprilhälfte nämlich bereits die nächste Aktion in Form einer Kundgebung in Feucht angekündigt.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren