Standortfrage für das ICE-Werk

Nur zwei Scheinkandidaten?

So könnte die neue ICE-Werkstatthalle aussehen. | Foto: Deutsche Bahn2021/05/Ice.jpg

BURGTHANN/SCHWARZENBRUCK. Zwei weitere Gebiete, eins 265 Hektar, das andere 195 Hektar groß, werden auf ihre Eignung als Standorte für
ein ICE-Werk untersucht. Der Projektleiter der Bahn hat den Bürgermeistern den aktuellen Stand erläutert.

Die Projektleiter der Bahn haben im Gespräch mit den Bürgermeistern Heinz Meyer (Burgthann), Bürgermeister Horst Kratzer (Postbauer-Heng) und Markus Holzammer (Schwarzenbruck) die möglichen Standorte für ein ICE-Werk bei Ezelsdorf und Schwarzenbruck vorgestellt. Jetzt ist klar, warum die Bahn an beiden Standorten riesige Gebiete als ICE-Areale vorsieht.

Bei Schwarzenbruck sind das 265 Hektar, am Standort Ezelsdorf 195 Hektar, irritierend für die Betroffenen vor Ort, die diesen Flächenbedarf zunächst kaum nachvollziehen konnten. Die Planer der Bahn weisen aber darauf hin, dass es sich bei den Flächen um „Betrachtungskorridore“ handelt. Innerhalb dieser Korridore würde das eigentliche Werk dann eingeplant, dafür wären 35 bis 40 Hektar Fläche nötig. Die beiden hiesigen Areale stehen mit weiteren neun Standorten, darunter der zunächst von der Bahn favorisierte bei Altenfurt und zwei Gebiete bei Feucht, am Ende eines Auswahlverfahrens. Anfangs hatten die Planer in der Region 70 Flächen untersucht und haben jetzt eine Vorauswahl an Gebieten getroffen, die bis Oktober weiter untersucht werden sollen.

Die ausgewählten Areale müssen Platz bieten für eine 4450m x 300m große bzw. 3200m X 450m große Betriebshalle. Weitere Auswahlkriterien: Sie dürfen nicht weiter als 25 Kilometer vom Nürnberger Hauptbahnhof entfernt liegen, sich nicht in Überschwemmungsgebieten befinden, keine Siedlungsflächen in Anspruch nehmen, keine Gewässer und Autobahnen kreuzen und nicht in Wasserschutzgebieten und Naturschutzgebieten liegen. Im November geht es mit den neun Standorten ins Raumordnungsverfahren. Dem schließt sich die Planfeststellung an, mit deren Abschluss die Baugenehmigung für das Werk vorliegen wird. 2028 will die Bahn ihr 400 Millionen Euro teures Werk mit 450 Mitarbeitern in Betrieb nehmen.

„Sind bestimmt nicht erste Wahl“

„Ein wichtiges Infrastrukturprojekt“, sagt Bürgermeister Heinz Meyer im Gespräch mit dem Boten. „Aber muss das hierhin? Ich verstehe die Beweggründe nicht“, betont er. Für den Burgthanner Rathauschef steht fest, dass es in der Region sicher geeignetere Standorte für das ICE-Werk gibt als die Gebiete bei Ezelsdorf und Schwarzenbruck. „Wir sind hier ganz bestimmt nicht die erste Wahl“, ist er sich sicher.

Meyer verweist auch auf die ohnehin schon hohe Belastung der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg, auf der neben dem Personen- und Güterverkehr auch der S-Bahnbetrieb abgewickelt werden muss. Die Fahrstrecke für die täglich 20 ICE-Züge, die von Nürnberg aus nach Schwarzenbruck oder Ezelsdorf in die Wartung rollen würden, wäre verglichen mit anderen Standorten auch relativ lang und hätte den Nachteil, dass es sich hier um keine Schnellfahrstrecke handelt, so dass die ICEs nur im S-Bahn-Tempo rollen könnten.

Gar nur Scheinkandidaten?

Meyer und sein Kollege Kratzer haben das alles im Gespräch mit der Bahn vorgetragen. Mit welchem Ergebnis? „Das sind Profis, für die ist derzeit jeder der neun verbliebenen Standorte gleichwertig“, sagt Meyer. Er setzt aber mit seinen Kollegen aus Postbauer und Schwarzenbruck darauf, dass bei der Abwägung die Standorte Ezelsdorf und Schwarzenbruck herausfallen. Und die hiesigen Bürgermeister hoffen insgeheim, dass Werks-Standorte bei Ezelsdorf und Schwarzenbruck nur ins Verfahren kamen, um das Raumordnungsverfahren rechtssicher zu machen. Genau diese Rechtssicherheit wäre nicht gegeben, wenn die Bahn mit zu wenigen Standorten in die Raumordnung gehen würde.


„Wenn das bei uns hier realisiert würde“, klagt Schwarzenbrucks Rathauschef Markus Holzammer, „dann wäre das ein Wahnsinn, hier würde unvorstellbar viel Natur zerstört.“ Damit ist sich der Bürgermeister mit seinem Gemeinderat einig, dessen Vertreter das Vorhaben geschlossen ablehnen.

Jetzt wird aber zunächst weiter untersucht, stellt DB-Projektleiter Carsten Burmeister fest. Bis Oktober sollen dann alle Ergebnisse zu den einzelnen Standorten vorliegen und gegeneinander abgewogen werden. Dabei soll das ganze Vorgehen so transparent wie möglich sein. „Themenbezogene Workshops“ zu den Planungen verspricht die Bahn und regelmäßige Informationen auf ihrer Website www.ice-werk-nuernberg.de. Hier gibt es auch ein Kontaktformular, über das sich die Bürger direkt an das Projektteam wenden können. Die Bahn will laut eigenen Angaben auch Verbände und Vereine vor Beginn des Genehmigungsverfahrens in ihre Planungen mit einbeziehen.

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