Urteil steht noch aus

Laufer Katzendrama: Amt gibt vorerst nach

Franz Dramont mit Kater Max auf seinem Balkon, einen Katzensprung vom Landratsamt Nürnberger Land entfernt. | Foto: Andrea Beck2021/05/Kater-Max-Besitzer-Franz-Dramon-Lauf-280521-Foto-Beck-3-scaled.jpg

LAUF – Das Veterinäramt Nürnberger Land hat dem 90-jährigen Laufer Franz Dramont ein Tierhalteverbot für seinen Kater Max ausgesprochen, nachdem er seinen zweiten Kater, den 13-jährigen Moritz, nicht freiwillig dem Amt überlassen hatte. Angesichts Dramonts Klage vor dem Verwaltungsgericht Ansbach gegen das Verbot, gibt das Veterinäramt vorerst nach.

Kater Max, der Bruder des auf Anordnung des Veterinäramtes getöteten Kater Moritz, wird – anders als angedroht – nicht am Dienstag, 1. Juni, vom amtlichen Tierarzt abgeholt. Die Behörde folgt damit der Empfehlung des Verwaltungsgerichts Ansbach, auf Zwangsmaßnahmen mindestens solange  zu verzichten, bis das Gericht in einem Eilverfahren entscheidet, ob die Abholung bis zum eigentlichen Urteil aufgeschoben werden muss. 

„Diese Nachricht ist eine unglaubliche Erleichterung für mich und meine Familie“, sagt der 90-jährige Franz Dramont, der Kater Max seit dessen Geburt hält und seit dem Schreiben des Veterinäramts, dass ihm und seinem Sohn Clemens Dramont ab Juni ein Tierhalteverbot auferlegt wird, nachts kaum noch schlafen konnte.

Sein Rechtsanwalt Rüdiger Pompl reichte beim Verwaltungsgericht Ansbach Klage gegen das Tierhalteverbot ein. Das Gericht entscheidet nun im Eilverfahren, ob die Beschlagnahmung der Katze notwendig ist und anschließend im eigentlich Verfahren, ob das Tierhalteverbot gerechtfertigt ist. Die Abholung unter Zwang durch das Veterinäramt kann das Verwaltungsgericht nicht verbieten, es kann nur empfehlen, die Abholung bis zum Urteil aufzuschieben.

Verbot ist auf dünnem Eis gebaut

„Das Verbot fußt auf einer sehr dünnen Begründung“, sagt Pompl. Denn das Veterinäramt argumentiert mit der Befürchtung, dass die Dramonts mit ihrem Kater in Zukunft nicht mehr zum Tierarzt gehen, aus Angst, sie würden wieder in Konflikt  mit dem Veterinäramt kommen. Das Amt verwendet also sein eigenes Vorgehen – die gewaltsame Abholung und Euthanasierung von Dramonts Kater Moritz mit Hilfe von drei Polizeistreifen – als Begründung dafür, Kater Max ins Tierheim zu geben.

Wegen des Einsatzes hat Pompl eine weitere Klage eingereicht. Doch weder Amt noch Polizei sind sich einer Schuld bewusst. Laut dem Polizeipräsidium Mittelfranken ist es keine Aufgabe der Polizei, die Rechtmäßigkeit eines Vollzugs zu prüfen. Außerdem seien nur zwei Beamte im Haus der Dramonts gewesen und niemand hätte Franz Dramont an die Wand gedrückt. Diese Aussagen widersprechen den Schilderungen von Franz und Clemens Dramont. 

Das Strafverfahren – eines von insgesamt sieben Verfahren in diesem Fall – um das beschlagnahmte Handy von Clemens Dramont, der die Polizisten vor Ort filmte, wird vielleicht für Klarheit sorgen.

Der Fall Kater Moritz

Nach dem PZ-Artikel vom 22. Mai freute sich Franz Dramont über Dutzende Anrufe von Unterstützern. Auch die PZ erhielt zahlreiche Leserbriefe. Der Artikel handelte von dem gewaltsamen Einsatz des Veterinäramts Nürnberger Land, das im Februar mit Hilfe von sechs Polizisten und unter der Androhung, die Tür der Dramonts am Laufer Südring aufzubrechen, den 13-jährigen Kater Moritz im Haus aufsuchte, in eine Box packte und der Nürnberger Tierklinik am Nordring zur Euthanasierung übergab.

Grund dafür war laut Veterinäramt das Leiden des Katers durch seinen Besitzer Franz Dramont, der den teilgelähmten Kater Moritz trotz einer tierärztlichen Empfehlung bis Anfang Februar nicht einschläfern ließ. Die Tierklinik am Nordring meldete den Fall Dramont dem Veterinäramt und die dort zuständige Amtstierärztin setzte dem Laufer Katzenbesitzer am 9. Februar eine Frist von 48 Stunden, um den Kater einschläfern zu lassen.

Drei Tage später stand die Veterinärin erneut vor Dramonts Tür, kündigte mündlich den Vollzug an und rief die Polizei. Als Franz Dramont die Tür öffnete, um dem angedrohten Aufbruch zuvorzukommen, wurde er im Flur von zwei Beamten am Eintreten in seine Wohnung gehindert, während weitere Polizisten und die Amtstierärztin das Haus durchsuchten. Im Dachboden fanden sie schließlich Kater Moritz und nahmen ihn mit.

Einige Tage später erhielt Franz Dramont die Rechnung über den Polizeieinsatz, sowie über die Euthanasierung seiner Katze. Sein Anwalt Pompl legte gegen beide Rechnungen Widerspruch ein und reichte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Amtstierärztin ein. Diese Beschwerde wurde von der Regierung Mittelfranken bereits abgelehnt.

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