Jäger bitten um Rücksicht

Brut- und Setzzeit: Bambi braucht Schutz

Rehkitze sind vor allem in den ersten Monaten ihres Lebens vielen Gefahren ausgesetzt. | Foto: V. Kovalevsky2021/05/Rucksicht-auf-Wild-Foto-Rehkitz-Vladislav-Kovalevsky.jpg

NÜRNBERGER LAND – Wer jetzt im Frühling in Wald und Flur unterwegs ist, sollte sich bewusst machen, dass er draußen nicht alleine unterwegs ist, sondern sich im „Kinderzimmer des Wildes“ bewegt. Für das heimische Wild hat vor rund vier Wochen die Setz- und Aufzuchtzeit begonnen. Jäger bitten deshalb um Rücksichtnahme auf die Tiere.

„Gerade im Frühling und im folgenden Frühsommer werden die Jungtiere geboren. Es ist die Zeit, in der die Natur zu einer gut gefüllten Kinderstube wird und deshalb ungestört sein sollte“, berichtet Umweltingenieur Michael Kraus vom Jagdschutz- und Jägerverein Nürnberg Land. Leider bleibe das Verständnis für die Umwelt jedoch oft auf der Strecke. „Selten sah man derart viel Müll im Wald wie in diesen Tagen. Das macht einen schon auch traurig“, erzählt Kraus. Er bittet um mehr Respekt und Anstand.

Rehkitze nicht anfassen

Jungtiere, wie junge Feldhasen, ducken sich in Sassen, Fasanenküken sitzen in Wiesen, Hecken- und Feldrainen, während Lerchen im niedrigen Gras brüten. Rehkitze und andere Jungtiere dürften dabei unter keinen Umständen angefasst, gestreichelt oder auf den Arm genommen werden, betont Kraus. Der menschliche Geruch, der anschließend an ihnen haftet, sei ihr Todesurteil: Die Rehgeiß würde ihren Nachwuchs nicht mehr annehmen. Das Kitz müsste verhungern oder sei seinen Fressfeinden ausgeliefert.

„Rehgeißen sind jedoch keine Rabenmütter. Auch wenn man sie nicht sieht, sind sie stets in der Nähe. Rehkitze kommen nahezu ohne eigenen Körpergeruch auf die Welt. Rehgeißen, die das Leben ihres Nachwuchses schützen wollen, legen die Kitze daher in Wiesen oder im Wald ab und suchen es nur zum Säugen auf, um das Versteck durch ihre eigene Witterung Fressfeinden nicht zu verraten. Hierzu gehören Fuchs, Marder, Dachs, aber auch Greifvögel, Katzen und Hunde“, erklärt Kraus.

Hunde an die Leine

Während sie auf den ersten Blick für den Spaziergänger nicht zu erkennen sind, spüren freilaufende Hunde die schutz- und wehrlosen Jungtiere schnell auf. Die im Frühjahr hochträchtigen Rehgeißen sind schwerfällig und haben meist keine Chance, jagenden Hunden zu entkommen.
Selbst brütende Altvögel in ihren Nestern oder deren noch nicht flügge gewordene Jungen können zur leichten Beute werden.

Kehren die Hunde zu ihren Besitzern zurück, haben diese oft keine Ahnung, welche Tragödie ihr Vierbeiner soeben angerichtet hat. Selbst die ständigen Störungen alleine reichten bereits aus, um eine Brut oder ein kleines Jungtier zu gefährden.

Hunde haben einen natürlichen Jagdinstinkt. Daher sind alle Hundehalter aufgefordert, ihre vierbeinigen Freunde besonders jetzt in der Brut- und Setzzeit an die Leine zu nehmen.

Nicht auf die Wiese

Grundsätzlich sollten zumindest in dieser sensiblen Zeit Wiesenflächen gemieden werden. Die Muttertiere sind ganz in der Nähe, um in regelmäßigen Abständen ihre Jungen zu säugen.

Werden diese aber von Mensch oder Haustier abgeschreckt, würden die Jungtiere zu selten versorgt und könnten gerade in den ersten Tagen durch den entstehenden Mangel sterben.

„Die Naturschutzgesetze verbieten grundsätzlich, wildlebende Tiere mutwillig zu beunruhigen, zu belästigen, zu fangen, zu verletzen oder gar zu töten“, betont Kraus. Er appelliert an alle Hundebesitzer, beim Spaziergang in der freien Natur nach Wildtieren Ausschau zu halten, auf Distanz zu bleiben und ihren Vierbeiner im Wald an die Leine zu nehmen. Speziell zur Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit sei das besonders wichtig.

Menschen sollten auf den Wegen bleiben und nicht quer durch Wald oder Wiesen laufen und dem Wild seinen Rückzugsort nehmen.

Hund muss auf Zuruf hören

Als beaufsichtigt gilt ein Hund dann, wenn er auf den Wegen in Sichtweite und im Einwirkungsbereich von Frauchen oder Herrchen ist. Wird er gerufen, muss er sofort zurückkommen. Befindet sich ein Hund außerhalb des Einwirkungsbereichs des Hundehalters und stellt einem Wildtier erkennbar nach, so ist der Jagdschutzberechtigte nach Bayerischem Jagdgesetz und auch nach Bundesjagdgesetz verpflichtet, zum Schutz des Wildes tätig zu werden. In letzter Konsequenz ist der Jäger berechtigt und verpflichtet, einen Hund, der wildert, zu erschießen.

Informationen zum richtigen Verhalten mit dem Hund in der Natur erhalten Interessierte in einem Begleithundekurs, wie er auch vom Jagdschutz- und Jägerverein Nürnberg Land angeboten wird. „Wir Jäger sind fast alle selbst Hundeführer und kennen die enge Bindung zwischen Hund und Hundeführer. Daher ist es uns ein großes Anliegen, neben unseren Aufgaben als Anwalt des Wildes, auch für ein gutes Miteinander zwischen Hundeführern und Jägern zu sorgen“, so Michael Kraus.

Infos zu den Kursen gibt es unter www.jjv-nuernbergland.de im Internet.

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