Corona-Warnwert

Springt die Ampel am Samstag auf Gelb?

So wird der Alltag ab nächster Woche vermutlich aussehen: Die Regelungen, die der Freistaat vorgibt, sehen unter anderem eine Maskenpflicht auf Marktplätzen und in Fußgängerzonen vor. | Foto: Beck2020/10/Maskenpflicht-in-Lauf-Dennis-Buchbinder-Anne-Gumann-Symbolbild-Marktlatz-Lauf-161020-Foto-Beck-2-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND– Eine Maskenpflicht in Fahrstühlen, auf öffentlichen Plätzen und in weiterführenden Schulen, eine Sperrstunde um 23 Uhr und eine Kontaktbeschränkung auch im Privaten auf maximal zehn Personen oder zwei Hausstände: Das sind die Regeln, die ab Anfang nächster Woche wahrscheinlich im Nürnberger Land gelten. Denn nach Angaben des Landratsamts hat der Landkreis den Warnwert von 35 neuen Infektionen pro 100 000 Einwohnern bereits am Donnerstag überschritten.

Am heutigen Freitag bezifferte die Kreisbehörde die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz sogar auf 41,18. Doch die neue Corona-Ampel sprang bisher trotzdem noch nicht auf Gelb. Maßgeblich dafür sind nämlich nicht die Zahlen des Landratsamts, sondern des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen (LGL) und des Robert-Koch-Instituts (RKI). Und das LGL sah den Landkreis bis Redaktionsschluss bei 29,86, das RKI bei 29,9, also jeweils knapp unter dem Warnwert.

Eine schlüssige Erklärung für die Differenz zu den lokalen Daten gab es nicht, das LGL sprach von einer Ursache „technischer Natur“. Nach Angeben des Landkreises wurden alle Zahlen an die Behörde in Erlangen gemeldet. Man stehe deshalb in Kontakt, so beide Stellen.

Neue Daten am frühen Nachmittag

Rolf List, Sprecher des Landrats­amts, geht davon aus, dass auch die „offiziellen“ Werte von LGL und RKI in den nächsten Tagen die Marke von 35 übersteigen werden. Möglicherweise ist das bereits am morgigen Samstag der Fall, wenn das LGL am frühen Nachmittag seine Daten aktualisiert. Diese sind auch im Internet unter www.lgl.bayern.de abrufbar.

List kündigte eine sogenannte Allgemeinverfügung an, die „voraussichtlich ab Anfang nächster Woche im Landkreis gelten wird“. Mit einer Veröffentlichung dieser Verfügung ist schon am Montag zu rechnen, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen. Man werde sich dabei „eng an den Maßnahmen orientieren, die Ministerpräsident Söder verkündet hat“, so die Ankündigung. Recht viel bleibt dem Landkreis juristisch ohnehin nicht übrig, der Ermessensspielraum ist gering.

Kontakte vermeiden

Bereits jetzt ruft die Behörde alle Landkreisbewohner dazu auf, „alle vermeidbaren Kontakte auch wirklich zu vermeiden und zu überlegen, ob das, was man vorhat, wirklich sinnvoll und unbedingt notwendig ist“. Es gelte, „einen kühlen Kopf zu bewahren, Verantwortung zu übernehmen und Schlimmeres abzuwenden“. Dem Landratsamt sei aber durchaus bewusst, dass neue Regeln „den Menschen viel Beherrschung und Verzicht abverlangen“.

Die Staatsregierung hat den Maßnahmenkatalog gerade erst geändert. Am Donnerstag hatte das Söder-Kabinett die neue Corona-Ampel beschlossen, heute wurde am Wortlaut der neuen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (BayIfSMV) gearbeitet, die am Samstag in Kraft treten soll. Die Verordnung sei „noch in der juristischen Prüfung“, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Nachmittag zur Pegnitz-Zeitung. Dieser Prozess sei „nicht trivial, denn es muss ja alles rechtssicher und handhabbar sein.“

Kritik von Kreisrätin Hufmann-Bisping

Für das Landratsamt war also ohnehin Warten angesagt. „Wir machen ja keine Allgemeinverfügung, die dann bei Erscheinen schon wieder überholt ist“, so Behördensprecher Rolf List mit Blick auf die sich ändernden Vorgaben aus München. Er wies mit diesem Argument auch die Kritik von Grünen-Kreisrätin Lydia Hufmann-Bisping zurück. Sie warf der Behörde vor, sich hinter juristischen Argumenten zu verstecken. Hufmann-Bisping: „Wir brauchen sofort Schutz, müssen jetzt handeln.“

Glaubt man List, so hat sich das Landratsamt gut vorbereitet, „wir haben uns natürlich auch die Allgemeinverfügungen anderer Landkreise angesehen“. Eines stellte er bereits klar: Bei Einführung einer Maskenpflicht im öffentlichen Raum werde diese für das gesamte Nürnberger Land gelten, nicht nur für zuletzt besonders betroffene Kommunen wie etwa Lauf oder Burgthann. Bisher bot die BayIfSMV solche Spielräume für die Landkreise, es waren regionale Unterscheidungen möglich. Ob das künftig noch so sein wird, stand am Freitagabend bis Redaktionsschluss nicht fest.

16 weitere Infektionen

Gemeldet wurden am Freitagnachmittag 16 weitere Infektionen, und zwar aus Altdorf, Burgthann, Hersbruck, Lauf, Ottensoos, Schwaig und Schwarzenbruck. Die Zahl der aktiven Fälle stieg dadurch auf 95.
Das Ausbruchsgeschehen in zwei Laufer Asylunterkünften (die Pegnitz-Zeitung berichtete) bildet nach Ansicht des Landratsamts zwar „einen gewissen örtlichen Schwerpunkt, aber wir haben Corona im ganzen Landkreis, die zweite Welle ist da“, so Sprecher List. Auch deshalb werde man überall gültige Maßnahmen treffen.

13 Fälle gibt es in der Unterkunft in der Altdorfer Straße, fünf gab es – Stand Donnerstagabend – in der Unterkunft in der Waldluststraße. Beim Ausbruch dort steht derzeit noch nicht fest, ob er lokal begrenzbar ist, also ob all Kontaktpersonen inzwischen in Quarantäne sind.

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