Verwirrung um die Inzidenz

Über 40 oder unter 30

SARS-CoV-2 heißt das neuartige Coronavirus, das sich derzeit weltweit ausbreitet. | Foto: NIAID-RML2020/02/covid-19.jpg

NÜRNBERGER LAND — Die Zahlen, die das Landratsamt, die zuständige Landesbehörde und das Robert-Koch-Institut ausweisen, weichen voneinander ab. Nicht zum ersten Mal. Doch jetzt, an der Schwelle zur gelben Ampelstufe, führt das zu einer paradoxen Situation.

Regelmäßig erreichen die Pegnitz-Zeitung Zuschriften von Lesern, die darauf hinweisen: Landratsamt, Landesamt für Gesundheit (LGL) und Robert-Koch-Institut (RKI) weichen in ihren Angaben zur Zahl der Corona-Infektionen im Nürnberger Land zum Teil stark voneinander ab. Das ist seit Pandemiebeginn so.

Ausgerechnet die so wichtige Sieben-Tages-Inzidenz pro 100 000 Einwohner gibt es nun auch in dreifacher Ausführung: Sie liegt bei 41,18, (Landrats­amt), bei 29,86 (LGL) und bei 29,9 (RKI), Stichzeitpunkt jeweils 20 Uhr.

Entscheidend, so ein Sprecher des Bayerischen Gesundheitsministeriums, seien die LGL- und RKI-Zahlen. Und: „Es gilt jeweils der höhere Wert.“ In diesem Fall also die  – wohl einfach nur gerundeten – 29,9 des
Robert-Koch-Instituts. Überschritten ist der Warnwert offiziell also nicht. Stand Freitag.

Die Pegnitz-Zeitung hat beim LGL, das in Erlangen sitzt, nachgefragt, wie es zu solchen Abweichungen kommt. Die Antwort: „Das LGL ist diesbezüglich bereits im Kontakt mit dem zuständigen Gesundheitsamt. Die Ursache (…) ist nach derzeitigem Stand technischer Natur.“ 

So sieht die Meldekette aus

Die Zahlen, die die Laufer Kreisbehörde täglich nennt, spiegeln das Infektionsgeschehen normalerweise gut wieder. Das hat mit der Meldekette zu tun: Labore sind verpflichtet, bei einen positiven Coronatest das Gesundheitsamt zu verständigen. In der Fachabteilung des Landratsamts gehen die Befunde ein. Täglich um 14 Uhr stellt die Pressestelle daraufhin die Fallzahlen zusammen. „Entscheidend ist für uns die Anzahl der Befunde“, so Sprecherin Iris Bitzigeio. 

Bei der Inzidenz gilt hingegen 8 Uhr als Stichzeitpunkt. Sie ist deshalb eigentlich keine Sieben-, sondern eine Siebeneinhalb-Tage-Inzidenz, berücksichtigt etwa positive Tests von Donnerstag bis Donnerstag plus zusätzlich jene Meldungen, die bis Freitagmorgen eingehen.

Der Landkreis meldet nicht selbst an das Berliner RKI, sondern an das LGL als zuständige Landesbehörde. Die Erlanger nehmen aber nur Daten an, die „über den elektronischen Meldeweg mitgeteilt werden“. Zum Einsatz kommt dafür ein bundeseinheitliches System. „Dem LGL reichen die Befunde nicht, es akzeptiert Fälle nur, wenn bereits bestimmte Felder in unserem Computerprogramm ausgefüllt sind“, so Bitzigeio. 

Sind die Daten beim LGL?

Die Gesundheitsämter seien gehalten, die Daten „zeitnah“ einzugeben, meint das Landesamt. Aber es könne auch zu Verzögerungen kommen, wenn das Nachverfolgen von Kontaktpersonen viele Ressourcen binde. Dieses habe nämlich Priorität. Das Landratsamt hat bereits am Donnerstag mitgeteilt, beim nach seiner Definition ersten Überschreiten des  Warnwerts, alle Daten an das LGL zur Prüfung übermittelt zu haben. „Offensichtlich“ liege aber ein Computerproblem vor, hieß es aus Lauf.

Das LGL betont allgemein, dass es auch unterschiedliche Zeitpunkte für die Auswertung gebe. Man übermittle mehrmals täglich Zahlen nach Berlin, die RKI-Statistik würde aber um Mitternacht aktualisiert. Daten der Landratsämter berücksichtige man auf der eigenen Website, wenn sie bis 8 Uhr eingegangen seien. 

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren