Bewohner in Quarantäne

18 Corona-Fälle in zwei Asylunterkünften

In der vom Landkreis betriebenen Asylunterkunft in der Waldluststraße (linkes Bild), direkt gegenüber des Landratsamts, gibt es fünf positiv getestete Bewohner. 13 Fälle entfallen bisher auf die Gemeinschaftsunterkunft Altdorfer Straße (rechtes Bild). Alle Bewohner sind in Quarantäne. Mitarbeiter wurden bisher nicht positiv getestet. | Foto: Beck/Kirchmayer2020/10/asdf.png

LAUF — Nach Behördenangaben sind in den Asylunterkünften in der Waldluststraße und in der Altdorfer Straße in Lauf rund 150 Bewohner in Quarantäne. Es gibt inzwischen 18 positiv Getestete. Asylhelfer führen die Ausbreitung des Virus auch auf die beengte Unterbringung dort zurück. Es gibt Verbindungen zur Schließung von Kita-Gruppen und einer Schule.

18 der in den vergangenen Tagen aus Lauf gemeldeten Corona-Neuinfektionen – 22 waren es insgesamt seit Mittwoch vergangener Woche – gehen auf Bewohner der beiden Asylunterkünfte in der Altdorfer Straße und in der Waldluststraße zurück. Das zeigen PZ-Recherchen. Die von der Regierung von Mittelfranken und  vom Landkreis Nürnberger Land betriebenen Einrichtungen werden damit mitten in der Pandemie zum Problemfall.

„Wenn Sie sich mit 20 anderen Menschen eine Toilette teilen müssen, stecken Sie sich auch an“, sagt Grünen-Stadträtin Gertrud Behrmann-Haas vom Arbeitskreis Asyl. Sie liefert ein weiteres Beispiel: In der Unterkunft in der Altdorfer Straße, für die die Regierung zuständig ist, gebe es drei Küchen für über 50 Menschen. „Wie soll man da Abstand halten? Wenn alle hintereinander Frühstück machen, ist der Letzte um 12 Uhr fertig“.  

Sicherheitsdienst überwacht Quarantäne

Die ehrenamtlichen Unterstützer haben derzeit keinen Zutritt zu den Gebäuden. Der Grund: Alle Bewohner – 54 in der Altdorfer Straße und rund 100 in der Waldluststraße – stehen unter Quarantäne. Die Flüchtlinge halten aber über Handys Kontakt nach draußen. „Sie haben viel Angst, sind verunsichert“, so Behrmann-Haas. Vor allem Neuankömmlinge, die der deutschen Sprache nicht mächtig seien, hätten außerdem Probleme damit, die behördlichen Maßnahmen zu verstehen. 

Wie die Regierung schriftlich auf eine Anfrage der Pegnitz-Zeitung antwortet, sei bei der Unterkunft in der Altdorfer Straße ein Sicherheitsdienst eingesetzt, „um die Einhaltung der Quarantäne zu überwachen“. Die Bewohner hätten Mund-Nasen-Bedeckungen, Handschuhe, Desinfektionsmittel und Hygieneartikel erhalten. Auf die Nachfrage, wie die Versorgung mit Lebensmitteln sichergestellt sei, reagierte die Ansbacher Behörde zunächst nicht. Laut Asylhelferkreis kümmert sich aber ein Caterer darum.

„Es gibt keinen Garten“

Während es in der Waldluststraße ein eingezäuntes Außengelände gibt, verfügt das ehemalige Eckert-Möbelhaus in der Altdorfer Straße über kaum Freiflächen: „Es gibt keinen Garten“, sagt Behrmann-Haas. „Wenn man es dann als Familie mit zwei oder drei Kindern in einem Zimmer aushalten muss, wird es schwierig“, so Marianne Ermann vom Ökumenischen Verein für Flüchtlinge, Asylsuchende und Migration, seit über 30 Jahren aktiv in der Flüchtlingsarbeit.

Laut Regierung dauert die vom Gesundheitsamt dort angeordnete Quarantäne bis zum 22. Oktober. Bei der Unterkunft des Landkreises läuft hingegen erst das „Kontaktpersonenmanagement“, sagt Behördensprecherin Iris Bitzigeio. Es müsse sich noch herausstellen, ob das Geschehen eingrenzbar sei.

Verbindungen zu Fällen an Schulen

Ohnehin gibt es bereits jetzt Verbindungen zu mehreren Fällen in Laufer Schulen. Sowohl für die Bertleinmittelschule als auch für die Bertleinkita und das ASB-Kinderhaus bestätigt das Landratsamt dies. Die Bertleinmittelschule war, wie berichtet, am Montag sogar für zwei Wochen geschlossen worden, nachdem ein Kind positiv getestet worden war. Auch gibt es in den Asylunterkünften mindestens einen positiv getesteten Berufsschüler.

Vor allem für die schulpflichtigen Kinder folgt aus der Quarantäne aber ein weiteres Problem. Der Arbeitskreis Asyl schildert, dass es in den Unterkünften keinen frei zugänglichen Internetzugang gibt. „Das heißt, die Kinder haben oft keine Möglichkeit, am Distanzunterricht teilzunehmen“, sagt Behrmann-Haas. 

Die infizierten Bewohner in der Unterkunft in der Altdorfer Straße „zeigen derzeit keine Krankheitssymptome“, so die Regierung.


Hintergrund

Mit 16 weiteren positiven Corona-Tests, die das Landratsamt Nürnberger Land gestern insgesamt gemeldet hat, überschreitet der Landkreis den Warnwert von 35 neuen Fällen binnen sieben Tagen, gerechnet auf 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz). Daraus folgen jedoch nicht umgehend weitere Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen, eine Sperrstunde oder die Ausweitung der Maskenpflicht. Eine entsprechende Allgemeinverfügung hat das Landratsamt bisher nicht erlassen – sie wäre Voraussetzung dafür. Wie die Behörde am frühen Abend mitteilte, werde das weitere Vorgehen erst geprüft. Hierfür nehme das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen auch den Inzidenzwert von aktuell 35,29 unter die Lupe und untersuche dessen Zustandekommen. Bereits am Dienstag hatte eine Sprecherin der Kreisbehörde betont, dass es darauf ankomme, „wo und wie die neuen Fälle zustande kamen“, so Iris Bitzigeio. Bei Ausbrüchen in einzelnen Einrichtungen werde geprüft, ob es sich um lokal begrenzte Hotspots handle. Auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung bestätigte die Sprecherin gestern, dass das Landratsamt das Geschehen in der Asylunterkunft in der Altdorfer Straße als „lokal begrenzbar“ einstuft.  Bei dem zweiten Fall in der Waldluststraße sei dies noch offen. 

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