Politik-Prominenz im Feuchter Tierheim

„Ich habe jede Schraube persönlich geküsst“

Tierheimchef Herbert Sauerer, Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel, Privatspender Karl-Heinz Böhm und Feuchts Erster Bürgermeister Jörg Kotzur bei der feierlichen Eröffnung des neuen Kleintierhauses. | Foto: Antonia Kourtides2021/07/Feucht-NEU-Tierheim-Kleintierhaus-1.jpg

FEUCHT – Nach siebenjähriger Planung und 15 Monaten Bauzeit weiht das Tierheim Feucht sein neues Kleintierhaus ein. Es enthält eine Quarantäne- und eine Krankenstation sowie einen eigenen Bereich für nachtaktive Tiere.

Gestern tummelten sich in den Gehegen des neuen Kleintierhauses des Tierheims Feucht noch keine Kaninchen und Meerschweinchen, dafür aber die geladenen Gäste der Einweihungsfeier. Um genügend Platz für alle zu schaffen, standen die Türen zu den Kabinen offen. Seit April 2020 baut das Tierheim Feucht daran, ganz fertiggestellt ist es noch nicht. Sonja Klement, Vorsitzende der Kleintiere, sagte in ihrer Rede: „Eigentlich hatten wir bisher großes Glück.“ Die Materialien kaufte das Tierheim kurz vor den stark steigenden Preisen, auch gab es kaum Verzögerungen bei den Lieferungen.

Bis jetzt, denn viele der Boxen und Gehege konnten doch nicht rechtzeitig zur Einweihung geliefert werden. Stellvertretend für diese Bereiche waren die vorgesehenen Stellen am Boden abgeklebt und beschriftet.
Die Relevanz sowie das Ansehen des Tierheims Feucht zeigten sich in der großen Anzahl an politischen und nichtpolitischen Ehrengästen. Aus München kam Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel, aus dem Landkreis Landrat Armin Kroder, die Bürgermeister oder zweiten Bürgermeister aus Feucht, Schwarzenbruck, Altdorf, Schwaig, Rückersdorf sowie Winkelhaid.

Am Freitag saß noch plüschiger Ersatz im neuen Gehege, schon bald werden hier lebendige Kleintiere einziehen. Foto: Antonia Kourtides2021/07/Feucht-Tierheim-Kleintierhaus-4-scaled.jpg

Videobotschaft von Markus Söder

Selbst der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sendete eine Videobotschaft und bedankte sich persönlich bei den Beteiligten: „Sie leisten super Arbeit, Sie helfen, Sie vermitteln, Sie bringen Tiere weiter und führen Sie in eine neue Wirklichkeit.“ Norbert Dünkel nannte das Feuchter Tierheim „eine Vorzeigeeinrichtung in der Pflege der Tiere und in der Ausbildung der Menschen“. Auch die am Bau beteiligten Firmen, private Spender, Tierärzte und Ilona Wojahn, die Präsidentin des Landesverbandes Bayern des Deutschen Tierschutzbundes, waren anwesend. Nach den Reden erhielt das Tierheim noch eine Spende von 2500 Euro der Firma Ulli-Bau, die auch am Kleintierhaus mitgearbeitet hat – so wie Sonja Klement.

Schon seit 2013 plant und organisiert sie den Bau. Sie war es auch, die immer auf die Notwendigkeit neuer Unterbringungen für Kaninchen, Meerschweinchen und Co. hinwies. Über die vergangenen Jahre sagt sie: „Ich habe daheim einen dicken Ordner mit Zeichnungen. Wir haben am Anfang immer selber per Hand gemalt und wieder verworfen und umgebaut und angepasst. Erst danach sind wir an den Architekten herangetreten.

Viele neue Pflegemöglichkeiten

Mit dem neuen Innenbereich haben die kleinen Tiere jetzt eine Quarantänestation, eine Krankenstation sowie die Möglichkeit zur getrennten Unterbringung von Fressfeinden. Die nachtaktiven Tiere bekommen einen eigenen Bereich. 80 Kleintiere und 20 Vögel können in dem neuen Haus leben. Herbert Sauerer, Vorsitzender des Tierheims, sagt: „Ziel ist nicht die Erweiterung des Tierbestandes, sondern die Erhöhung der Qualität der Haltung.

Die Mittelbeschaffung sei relativ schwierig gewesen. Hunde und Katzen hätten eine große Lobby, doch für Kleintiere wollten nur wenige spenden. 1,1 Millionen Euro hat der Bau gekostet, finanziert wurde er durch die Tierheimförderung des bayerischen Umweltministeriums, durch Zuschüsse des Landkreises und der umliegenden Städte und Gemeinden, durch Zuwendungen von Stiftungen, privater Spenden sowie aus eigenen Rücklagen.

Doch nicht nur die Finanzierung war schwierig, erzählt Sonja Klement: „Ich sage immer, ich habe jede Schraube, jeden Baustein persönlich geküsst. Es sind tausend Sachen und man hat nicht viele Möglichkeiten. Kleintiere sind halt wirklich die, die keinen oder nur sehr wenige interessieren.“ Corona-bedingt konnten sie keine Besichtigungen machen, für Kleintierunterbringungen gibt es ohnehin nur wenig Anschauungsmaterial. „Jeder baut ein Hundehaus, aber für Kleintiere mussten wir viel selbst erfinden. Zum Beispiel bei den Rattengehegen: Im unteren Bereich haben wir ein doppeltes Gitter gemacht. Damit die Kinder, wenn sie die Finger reinstecken, kein Zwickerle abkriegen. Man kann die Augen nicht überall haben. Wir haben da einfach ganz viel besondere Sachen erfunden“, sagt sie stolz.

Sonja Klement (rechts) war treibende Kraft hinter dem Neubau des Kleintierhauses. Dafür erhielt sie von ihren Kollegen einen Dürer-Hasen. Foto: Antonia Kourtides2021/07/Feucht-Tierheim-Kleintierhaus-3-scaled.jpg

Nun folgt der Außenbereich

Der alte Kleintierraum soll künftig nicht ungenutzt bleiben. Für dessen Verwendung gibt es bereits viele konkrete Vorschläge: Einen Technikraum für künftige Solaranlagen, einen Ort für Vorträge, Veranstaltung und Ausbildung könnte das Tierheim gut gebrauchen, wie Klement bestätigt, ehe sie einen Ausblick wagt: „Fertig bin ich noch lange nicht. Der Außenbereich ist noch ein großer Akt für den Herbst.
Dort wird ein Auslauf für die kleinen Bewohner geschaffen. „Ein Teil ist geschafft. Wir müssen schauen, was noch alles kommt, und im Betrieb wird sich dann rausstellen, was wir falsch gemacht haben. Ich hoffe, nichts oder wenig“, sagt sie lachend.

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