Vermisstes Ehepaar aus Schnaittach

„Wir fahren auf Besuch“

Im Franken Fernsehen, hier ein Bildschirmfoto, sprachen Stephanie und Ingo Placzek über ihre vermissten (Schwieger-)Eltern, die im gleichen Haus wohnen.2018/01/vermisste-placzek-schnaittach-sohn-und-schwiegertochter-bildschirmfoto-schuster.jpg

SCHNAITTACH — Auch eine Woche nach dem Beginn der öffentlichen Fahndung nach dem vermissten Ehepaar Elfriede (66) und Peter Placzek (70) aus Schnaittach sind viele Fragen offen. Der Sohn der beiden hat sich mittlerweile im Franken Fernsehen geäußert, auch mit der Pegnitz-Zeitung hat er gesprochen. Er vermutet, dass seine Eltern nach Tschechien verreist sind.

Seit dem 13. Dezember wartet Ingo Placzek auf ein Lebenszeichen seiner Eltern. An dem Tag, als der 25-Jährige sie zum letzten Mal gesehen hat, packten sie für einen Urlaub, schildert er im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung. Auch dem Franken Fernsehen hat der junge Mann am Dienstag ein Interview gegeben. Mit seiner Frau Stephanie wohnt Ingo Placzek im Obergeschoss in seinem Elternhaus im Ortsteil Lohmühle, seine Eltern haben eine eigene Wohnung im Erdgeschoss.

Das Zusammenleben der beiden Paare im gleichen Haus klappe gut, seine Frau habe den Schwiegereltern viel im Haus und im Garten geholfen. „Meine Eltern sind glücklich, dass sie mit da ist“, sagt Ingo Placzek. Ihn und seine Eltern verbinde ein „inniges Verhältnis“. Beide Paare hätten viel Geld ins gemeinsame Haus gesteckt.

An jenem Mittwoch im Dezember habe der 25-Jährige sich mit seinem Vater länger über entfernte Verwandte in Tschechien unterhalten, erinnert er sich. Peter Placzeks Eltern sind Sudetendeutsche, der 70-Jährige kann selbst Tschechisch. Beim Packen sagten die Eltern nur: „Wir fahren auf Besuch.“

Wohin? Ingo Placzek hakte nicht nach. „Das hat mich zu dem Zeitpunkt nicht gewundert. Das war mein Fehler“, sagt er heute. „Wäre das Gespräch über die Verwandten nicht gewesen, hätte ich nachgefragt.“

Seit 13. Dezember sind sie wie vom Erdboden verschluckt: das Ehepaar Elfriede (66) und Peter Placzek (70) aus Schnaittach. | Foto: Privat2018/01/vermisstes-ehepaar-placzek-schnaittach-frankenfernsehen-Bildschirmfoto-2018-01-17-um-13.11.06.png

Denn später am gleichen Tag im Dezember hätten seine Eltern das Haus verlassen, ohne sich zu verabschieden. Vermutlich haben sie sich mit ihren Koffern zu Fuß auf den Weg zum Schnaittacher Bahnhof gemacht, glaubt er. Sie könnten aber auch abgeholt worden sein.

Dann verliert sich die Spur der beiden Rentner. Ingo Placzek sagt, mit dem eigenen Wohnmobil seien seine Eltern schon in den vergangenen Jahren nicht mehr unterwegs gewesen, sie wollten es verkaufen. Bis vor wenigen Tagen wurde das Fahrzeug in einer bekannten Internetbörse zum Verkauf angeboten. Das sei in Absprache mit seinen Eltern, den Besitzern, geschehen, so Ingo Placzek. Weil diese nicht mehr heimkamen, zog er die Annonce nun zurück.

Zuletzt seien die beiden Rentner häufiger in den Urlaub geflogen, etwa nach Mallorca. Jedes Mal seien sie zwei, drei Wochen unterwegs gewesen, erzählt der Sohn.

Viel Geld im Gepäck

Dass sich die Eltern nicht nach der Ankunft am Zielort bei ihm meldeten, wunderte ihn nicht, das hätten sie sonst auch nicht getan. „Mein Vater spart bei so was sehr“, sagt Ingo Placzek. Beide hätten Prepaid-Handys dabei. Und, wie dem Sohn auffiel, eine größere Geldsumme packten sie ein.

Dabei seien seine Eltern eigentlich sehr sparsam gewesen. Nur nicht beim Reisen. Früher seien sie gern in Fünf-Sterne-Hotels abgestiegen, seitdem sie nur noch Rente beziehen, reichten ihnen auch drei oder vier Sterne, schildert der Sohn.

Wohin die Placzeks gefahren sind, wieso sie so viel Geld dabeihatten und wieso es seitdem kein Lebenszeichen mehr von ihnen gibt, all das bleibt im Dunkeln. Am 27. Dezember, so schildert es ihr Sohn, hätten seine Eltern zurückkommen sollen. Sie seien sonst immer pünktlich gewesen. Ab dem 23. Dezember und über Weihnachten habe er täglich versucht, sie über ihre Mobiltelefone zu erreichen. Es ging aber nur die Mailbox ran. „Mit 70 vergisst man doch mal, das Handy aufzuladen“, erklärte sich Ingo Placzek, dass seine Eltern die Anrufe nicht entgegennahmen.

Seitdem habe er alle Verwandten in Deutschland kontaktiert, doch von dem Ehepaar aus Schnaittach hat niemand etwas gehört. Von den entfernten Verwandten im tschechischen Bohumin (deutsch: Oderberg) an der Grenze zu Polen habe er weder Adresse noch Telefonnummer, sagt Ingo Placzek.

Auch eine Reise nach Frankreich will er nicht ausschließen, beide Eltern sprächen gut Französisch und es gebe Kontakte zu einem ehemaligen Kollegen seines Vaters. Im Interview mit dem Fernsehsender und im Gespräch mit der PZ wirkt der junge Mann gefasst. Doch er sagt auch, die Ungewissheit, wo seine Eltern sind und wie es ihnen geht – „das treibt mich in die Verzweiflung“.

Ingo Placzek stört sich daran, dass in der PZ stand, seine Eltern hätten zurückgezogen gelebt. Sein Vater sei zuckerkrank, deshalb im Diabetikerbund und häufig auf Schulungen, die Mutter ein lebensfroher Mensch, die sich viel mit anderen über den Gartenzaun hinweg unterhalte. Ingo Placzek ärgert sich auch über die brodelnde Gerüchteküche auf Facebook. Dort würden viele Unwahrheiten verbreitet.

Ein halbes Dutzend Mal sei die Polizei seit der Vermisstenmeldung bereits im Haus gewesen, mehrfach auch die Kriminalpolizei aus Schwabach. Die Suche vor Ort habe nichts ergeben, aber die Wohnung seiner Eltern ist nun versiegelt. Das Notebook des Vaters haben die Beamten mitgenommen.

Die Polizei fahnde mittlerweile verstärkt im Ausland nach seinen Eltern, sagt Ingo Placzek. Er möchte jetzt auch selbst aktiv werden und in ausländischen Zeitungen Vermisstenanzeigen schalten. Um das bezahlen zu können, hat er ein Spendenkonto eingerichtet.

Ingo Placzek hofft jetzt, dass seine Eltern einfach wieder unversehrt nach Hause kommen. „Ich will an nichts Schlimmes denken“, sagt der 25-Jährige.

Das Spendenkonto bei der Raiffeisenbank Lauf, IBAN: DE56760610250100296899, BIC: GENODEF1LAU, dient zur Finanzierung von Zeitungsanzeigen zur Suche nach Elfriede und Peter Placzek im In- und Ausland.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer