Fall Placzek

Kripo sichert Beweise

Auch gestern waren die Ermittler der Kripo im Haus der Familie Placzek damit beschäftigt, Spuren des Doppelmords zu sichern. | Foto: Schuster2018/01/placzek-ermittler-polizei-eingang-kerzen-e1516901608396.jpg

SCHNAITTACH — Seit Montag sitzen Ingo Placzek und seine Frau Stephanie in Untersuchungshaft. Inzwischen haben sich beide einen Anwalt genommen und schweigen zum Vorwurf des zweifachen Mordes. Währenddessen laufen die Ermittlungen in Schnaittach weiter auf Hochtouren. Eine Anklage wird frühestens im Frühsommer erwartet.

Auch vier Tage nach der Festnahme des jungen Paars und dem Fund der Leichen von Elfriede (66) und Peter Placzek (70) auf ihrem Anwesen in der Hedersdorfer Straße in Schnaittach, ist das Motiv für die Tat unklar. „Wir beteiligen uns an keinerlei Spekulationen“, sagte Oberstaatsanwältin Anita Traud gestern gegenüber der PZ. Gerüchte über Spielschulden des Sohnes oder ein zerrüttetes Verhältnis zwischen der Schwiegertochter und den Getöteten, wie sie in den Medien vereinzelt auftauchten, will Traud weder bestätigen noch kommentieren.

Fakt ist: Der 25-jährige Sohn des getöteten Paars, Ingo Placzek, hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Seine Ehefrau Stephanie hatte sowohl bei der Polizei, als auch vor dem Ermittlungsrichter ausgesagt und ihre Beteiligung an der Bluttat geleugnet. Sie soll aber eingeräumt haben, bei der Beseitigung der Spuren geholfen zu haben.

Dabei überließen die Täter nichts dem Zufall: Wände wurden gestrichen, Möbel neu lackiert und im ganzen Haus geputzt.

Ob die junge Frau ihren Ehemann mit ihren Aussagen belastet hat, will Traud nicht preisgeben. Aus ermittlungstaktischen Gründen, wie sie sagt. Doch auch die 22-Jährige schweige seitdem.

Keine regelmäßigen Verhöre

Regelmäßige Verhöre gebe es nicht. Erst wenn sich bei der Beweissicherung neue Sachverhalte ergeben, werde man die beiden Tatverdächtigen damit konfrontieren, so Traud. „Und wenn einer von beiden Gesprächsbereitschaft signalisiert, werden wir sie natürlich sofort vernehmen.“

Die Ermittlungen laufen derweil weiter auf Hochtouren. Auch gestern waren in Schnaittach wieder Beamte vor Ort. Im Schlafzimmer, in dem die beiden Senioren erschlagen wurden, wird die Tat rekonstruiert, Blutspuren werden gesichert und analysiert, Beweise gesammelt, auch in der Garage, wo die beiden Leichen eingemauert wurden.

Die Ermittlungen werden noch mehrere Monate andauern, betont Traud. Die Anklageerhebung werde deshalb nicht vor dem Frühsommer erwartet. Ob der Prozess noch in diesem Jahr beginnen kann, sei fraglich. In jedem Fall werde die Anklage aber auf Mord lauten. Darauf steht in Deutschland eine lebenslange Haftstrafe.

Was geschieht nun mit dem Anwesen in Schnaittach? Sollten Ingo und Stephanie Placzek wegen eines Kapitalverbrechens an den Eltern beziehungsweise Schwiegereltern verurteilt werden, könnten Verwandte der Placzeks, etwa Geschwister der getöteten Rentner, das Erbe des Sohnes und seiner Frau anfechten. Die Erbunwürdigkeit wegen Mordes, wie der Fachterminus heißt, ist aber eine Frage des Zivilrechts und ist deshalb nicht Gegenstand der Ermittlungen.

Tina Braun, Andreas Kirchmayer und Lorenz Bomhard

N-Land Tina Braun
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