Corona bedroht Existenz der Lokale

In vielen Gaststätten bleibt der Ofen aus

Ulrike und Hans Lehner sitzen am Dienstag allein in ihrem Gasthof „Zur Post“ in Lauf. Eigentlich bringen sie dort ihre Gäste an 30 Tischen und in 40 Hotelzimmern unter, doch wegen des Coronavirus ist ab heute der Laden dicht. | Foto: Andrea Beck2020/03/DSC7435-scaled.jpg

LAUF – Die bayerische Verordnung, zur Eindämmung des Coronavirus Speiselokale täglich ab 15 Uhr und Bars komplett zu schließen, trifft im Nürnberger Land rund 280 Betriebe und ihre 2500 Mitarbeiter. Die Hotels unter ihnen dürfen, Stand Dienstagnachmittag, nur noch Geschäftsreisende beherbergen.

Im Laufer Gasthof „Zur Post“ herrschte am Dienstag Abschiedsstimmung. Mit einem „Bleib gesund“ schickte Inhaber Hans Lehner seine angestellten Köche und Bedienungen in ungeplante Ferien, denn ab Mittwoch ist das Restaurant dicht. Ab Donnerstag schließt auch das Hotel, zunächst für zwei Wochen. Doch Lehner rechnet damit, dass sein Gasthof mindestens bis Ende April leer bleiben muss.

In diesen Tagen vereint die Gastronomen aus Lauf und Umgebung genau ein Wunsch: Sie hoffen, dass die Betriebsschließungen nach zwei Wochen wieder aufgehoben werden. Eine Schließung bis Ende April würde viele Lokale, Cafés und Bars im Nürnberger Land an den Rand ihrer Existenz treiben. Ob die versprochenen Soforthilfen der Regierung daran etwas ändern, wissen die Inhaber nicht. Insgesamt ist die Informationslage recht unbefriedigend.

Alle Feiern sind abgesagt

Hans Lehner hat sich entschieden seinen Betrieb ganz zu schließen, statt 30 Gäste im Raum zuzulassen. „Es wären sowieso weniger Gäste und seit 14 Tagen werden laufend Feiern wie Geburtstage, Konfirmationen und Hochzeiten abgesagt. Es ist eine Katastrophe“, sagt Lehner. 

Auch das Hotel mit 40 Zimmern lohne sich zurzeit nicht. „Alle Messen fallen aus oder sind verschoben und wir verzeichnen aktuell rund 1000 Stornierungen bis Ende Mai. Wir haben hier nicht viel Tourismus, für uns sind die Geschäftsleute wichtig“, sagt Lehner. Er rechnet mit 150 000 Euro Umsatz weniger.

Deswegen schickt er nun seine 21 festangestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit mit null Arbeitsstunden. Betriebsbedingte Kündigungen will er vermeiden, kann sie aber nicht ganz ausschließen. „Ich brauche ja meine Leute danach wieder“, so Lehner. Auch wenn  Lokal und Hotel wieder öffnen dürfen, dauert es laut Lehner  mindestens zwei Monate, bis der Betrieb normal läuft. „Die Gäste haben ja auch nach der Öffnung noch Angst vor Corona.“ 

Im Moment muss der Hotelbesitzer vor allem organisieren. „Wir haben die Karpfen und die Kartoffeln an die Bauern zurückgegeben und unser Gemüsehändler sitzt auf seiner vollen Halle. Die Kette der Betroffenen ist lang“, sagt Lehner. Trotzdem hält er die strengen Maßnahmen für berechtigt. 

„An Italien sieht man, wie die Situation entgleist, wenn man nichts tut und wir sind ja zwei Wochen hinterher. Niemand weiß, wie schlimm es bei uns noch wird. Wie voll die Krankenhäuser werden“, sagt Lehner. Noch vor wenigen Tagen, sei diese Situation unvorstellbar gewesen, aber das Leben sei nun mal wichtiger, als das Geld. 

Die Miete muss bezahlt werden

Laura Birkel, Geschäftsführerin der Bar „Flaschenkind“, die die 22-jährige Lauferin erst im vergangenen November eröffnet hat, muss ihren Betrieb laut Verordnung komplett einstellen. Doch die Miete an den Hausbesitzer wird weiter gezahlt und für die aufwändigen Renovierungsarbeiten hat Birkel 2019 einen hohen Kredit aufgenommen. „Die Regierung sagt, es ist aktuell leicht, Kredite aufzunehmen, aber noch ein zweiter oben drauf, ist keine gute Lösung“, sagt Birkel. 

Auch ihr Vater Volker Birkel, Geschäftsführer des Laufer Lokals „Birkel‘s“, müsse Miete zahlen und habe angesichts der kommenden Wochen „Bauchschmerzen“. Wieviel Tage Betriebsstopp das Flaschenkind aushält, hat Birkel noch nicht ausgerechnet. „Es ist eine Krise, die wir überstehen müssen, aber ich halte die Maßnahmen der Regierung für verständlich“, sagt sie. Sie selbst habe den Vorteil, dass in der Bar niemand festangestellt sei, sondern pro Stunde bezahlt wird. 

Für Campo Eis ist der April wichtig

Giorgio Campo, der seit 1983 seine Eisdiele auf dem Laufer Marktplatz führt, beschäftigt zehn saisonale Mitarbeiter, die er im Frühling und Sommer in seinen Häusern am Marktplatz unterbringt. Er muss keine Miete für seine zwei Filialen in Lauf zahlen, doch der, ab heute eingestellte, Café-Betrieb ist sein wichtigstes Standbein.


„Wir werden 70 Prozent an Umsatz verlieren. Es geht ja auch niemand mehr raus und kauft Eis an der Theke und wer weiß, wann das verboten wird“, sagt Campo. Bei schönem Wetter sei bereits der April ein wichtiger Monat für ihn.

Campo ist Mitte Februar aus Italien angereist, sein 20-jähriger Sohn erlebt zurzeit, was eine Ausgangssperre bedeutet. „Er läuft 100 Meter zu seiner Oma zum Abendessen, ansonsten ist er zu Hause“, sagt Campo. Aber das müsse man nun akzeptieren. „Am Anfang hat Italien die Situaton unterschätzt.“ Deswegen seien die Maßnahmen in Deutschland berechtigt. „Wir hoffen einfach, dass es nicht zu lange dauert. Es ist eine Krise, aber ich bin ein optimistischer Mensch“, sagt Campo.

Die Brauereien brauchen Kirchweihen

Die Brauereien sind ein weiteres Glied der betroffenen Kette. Braumeisterin Sabine Wiethaler-Dorn will ihren Betrieb in Neunhof weiter aufrecht erhalten. Die Pächter der Gaststätte, Familie Heinz, würden ein To-Go-Angebot starten. Gaststätte und Brauerei rechnen laut Wiethaler-Dorn mit mindestens 50 Prozent Umsatzverlust im März. Die für die Brauerei wichtigen Feste wie Kirchweihen und Geburtstage  seien von Mai bis September zu 80 Prozent abgesagt.

Noch will die Braumeisterin ihre Angestellten nicht in die Kurzarbeit schicken. „Wir werden uns jetzt erstmal mit Renovierungsarbeiten beschäftigen. Im schlimmsten Fall kann es sein, dass wir Leute entlassen müssen.“ Wenigstens ihre Lager seien voll, alle nötigen Rohstoffe zum Brauen seien vorhanden. Ein paar Lichtblicke gibt es für Wiethaler-Dorn. „Ich habe selten so viel Schnaps verkauft. Ich empfehle ihn als Desinfektionsmittel“, sagt sie.

In Sachen Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen, stimmt Wiethaler-Dorn Lehner, Birkel und Campo zu: „Die Gesundheit geht vor“.

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