Gefahr durch Trauerfeiern

Bestatter wissen nicht weiter

Nur im kleinen Kreis soll derzeit von den Verstorbenen Abschied genommen werden, nur im Freien und ohne Gottesdienst. | Foto: rawpixel.com/stock.adobe.com2020/03/NL-Begraebnis-Adobe-Stock2-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Bestatten in Zeiten von Corona: Noch haben die Institute keine festen Vorgaben, organisieren
aber schon jetzt Begräbnisse nur im sehr kleinen Kreis und ohne Gottesdienst.

Ein Todesfall in der Familie oder im Bekanntenkreis bringt alles durcheinander. Abgesehen von den emotionalen Herausforderungen stehen viele Angehörige vor bürokratischen Aufgaben, bei denen ihnen nur ein professioneller Bestatter helfen kann.

Was aber, wenn dort von heute auf morgen neue Vorgaben gelten, die keiner so genau kennt? Corona ist auch hier schuld. Seit Montag gelten neue Regelungen, eindeutige Richtlinien gibt es allerdings nicht, klagen die Bestatter.

Der gesunde Menschenverstand hilft eigentlich schon viel: Menschenansammlungen meiden ist das Gebot der Stunde und das gilt auch beim letzten Abschied. In Bayern sind seit der Ausrufung des Katastrophenfalls durch Ministerpräsident Söder auch Gottesdienste untersagt und insofern Trauerfeiern bei Bestattungen betroffen.

Die Stadt Nürnberg hat sich bereits letzte Woche entschlossen, Beerdigungen nur noch im Freien und im kleinen Kreis der engsten Angehörigen durchzuführen. Schon am Samstag konnte man in vielen Traueranzeigen Hinweise lesen wie: „Aufgrund der aktuellen Gesundheitslage bitten wir von Beileidsbezeigungen abzusehen“ oder „Beileidsbezeigungen ohne Händeschütteln und Umarmung werden gerne entgegengenommen“.

Verabschiedung nur noch am Grab

„Die Hallen bleiben gesperrt“, informiert Ursula Rohr vom Bestattungsinstitut Steffen Rohr in Feucht, „die Verabschiedung findet nur noch am Grab im Freien statt“. Vernünftig findet sie das, wenn sie an die Zielgruppe von Beerdigungen denkt, vorwiegend die ältere Generation, die ja als besonders Corona-gefährdet gilt. „Wir müssen die Älteren doch schützen“, meint sie.

Denn gerade bei emotionalen Veranstaltungen wie Begräbnissen mit Trauerfeiern wird geweint, sich umarmt und gehalten – alles Kontakte, die aktuell vermieden werden sollten. Problematisch sieht sie allerdings die Tatsache, dass es keine klaren Vorgaben gibt. Gespräche mit der Marktgemeinde wären hilfreich, meint sie, aber wegen des Shutdowns ist es schwierig, im Rathaus jemanden zu erreichen.

In einem kurzen Gespräch mit einem Mitarbeiter vom Standesamt hat man eher unbürokratisch vereinbart, die Abläufe so wie in Nürnberg durchzuführen. Kunden, die man darauf hat hinweisen müssen, hätten sich durch die Bank sehr verständnisvoll gezeigt, erklärt Ursula Rohr. Viele hätten sich sofort einverstanden erklärt, die Trauergesellschaft auf den ganz kleinen Familienkreis zu reduzieren.

„Wir haben keine Schutzkleidung“

Probleme sieht sie auch, wenn es noch zu einer Ausgangssperre kommen sollte. „Dann werden wir versuchen eine Aussetzung von Urnenbestattungen zu erwirken“, stellt sie in Aussicht. Und sollte ihr Unternehmen irgendwann gebeten werden, einen Leichnam aus einer Klinik abzuholen, der an dem Corona-Virus gestorben ist, dann wird man diesen Auftrag wohl ablehnen.

Grund: „Wir haben nichts, keine Schutzkleidung und wir kriegen auch keine“, klagt sie. Denn die Schutzanzüge, die es in den Krankenhäusern zwar gibt, werden nicht herausgegeben, weil die nur für das dortige Personal vorgesehen sind.

Ihre Kollegin Renate Lengenfelder von Bestattungen Lengenfelder in Altenthann stimmt ihr zu, was die Klagen über fehlende Vorgaben angeht. Man habe sich bei der Stadt Altdorf erkundigt und dort erfahren, dass nur noch im Beisein weniger Angehöriger bestattet werden darf. Nichts gehört habe man aber bisher (Stand gestern Vormittag) von den Kirchen.

„Ich hoffe, dass wir bald informiert werden“, berichtet sie dem Boten. Auch sie weiß, dass man in Nürnberg schon weiter ist und konkrete Regelungen in Kraft getreten sind. „Dort wird nur am Grab Abschied genommen, Gottesdienste sind ja nicht mehr erlaubt“, weiß sie und hofft, dass es bald auch für die Region verbindliche Vorschriften gibt, denn im Moment gilt: „Wir hängen in der Luft.“

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