Viele Läden sind geschlossen

Kleine Geschäfte sind in ihrer Existenz bedroht

Bereits Ende vergangener Woche war das Röthenbacher „Clever Fit“ wegen der Angst vor Corona fast verwaist. Seit gestern ist das Fitnessstudio geschlossen. Erst am 20. April darf es wiedereröffnen. | Foto: Kirchmayer2020/03/Fitnesstudio-clever-fit-leer-kir-bea-scaled.jpg

LAUF / RÖTHENBACHDie wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind noch nicht absehbar, aber Laufer und Röthenbacher Unternehmer machen sich große Sorgen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen trifft die aktuelle Schließung, die seit Mittwoch, 18. März, zunächst für zwei Wochen gilt, sehr hart. Die Regierung hat bereits finanzielle Hilfen zugesichert, doch wie schnell die Geschäfte die tatsächlich erhalten, ist noch unklar.

„Vielen Geschäften entsteht ein wirtschaftlicher Totalausfall, den sie nur sehr schwer wieder aufholen können“, sagt Jürgen Oriold, Sprecher der Laufer Einzelhändler. Denn ab heute wird es auf dem Laufer Marktplatz merklich ruhiger zugehen: Eine Vielzahl der Läden bleibt – vorerst bis einschließlich 30. März – geschlossen. Fitnessstudios, Schwimmbäder, Museen und andere Freizeiteinrichtungen sind sogar bis zum 19. April dicht. Vor allem kleine Geschäfte trifft diese Maßnahme, die die Landesregierung zur Eindämmung des Coronavirus getroffen hat, sehr hart.

Auch Oriold muss den normalen Warenverkauf in seinem Fotofachgeschäft in der Laufer Innenstadt einstellen. Handwerk und Dienstleistungen sind von der Schließung ausgenommen. Daher darf er in seinem Laden zum Beispiel weiterhin Passbilder anfertigen. Alle anderen Produkte darf er nicht verkaufen.

Unverhältnismäßige Maßnahme

An diese Vorgaben hält er sich natürlich als Unternehmer, als Privatperson nachvollziehen kann er die Maßnahmen allerdings nicht. „Ich finde, dass die Relation fehlt. Der Schaden, der durch die Schließung angerichtet wird, ist größer als die tatsächliche Gefahr“, findet Oriold. „Außerdem ist nicht nachvollziehbar, wer offen haben darf und wer nicht“, fügt er hinzu.

Als Dienstleisterin darf auch Sonja Fischer ihren Friseursalon in Diepersdorf weiterhin betreiben. „Erst hieß es, wir schließen und dann kam am Montag um 13.30 Uhr eine Aktualisierung, dass wir doch geöffnet haben“, sagt die Friseurmeisterin, die schon begonnen hatte, ihren Kunden abzusagen. Sie versteht, dass sich hinsichtlich der geöffneten Friseurläden die Meinungen spalten: „Es ist einfach die Frage, wie wichtig für jeden persönlich das Haareschneiden ist. Ich selbst sehe es nicht als lebensnotwendig.“ Obwohl sie schon viele Maßnahmen getroffen hat, um sich und ihre Angestellten zu schützen, bittet sie auch die Kunden um Rücksicht: „Wenn sie sich nicht gut fühlen, sagen sie ihren Termin frühzeitig ab.“

Die Schließung kam unvermittelt

Die meisten Läden hat die Schließung zwar nicht überraschend, aber trotzdem sehr unvermittelt getroffen. „Mich hat es kalt erwischt. Erst am Samstag habe ich mein Sortiment aufgefüllt“, sagt Sabine Lösel, die die „Blumenpassage“ in Lauf betreibt. „Ich lebe von diesem Laden“, sagt sie resigniert und drückt einer Kundin ein Informationsblatt in die Hand. „Bleiben sie gesund“, steht dort.

Ihre Pflänzchen bietet sie am Dienstag zum halben Preis an. Die Blumen, die sich nicht verkauft, werden ohnehin verwelkt sein, bis sie ihr Geschäft wieder öffnen darf. Lösel wird nun in den Werkstattbetrieb wechseln, nimmt Aufträge an und liefert aus. Sie hofft auf schnelle finanzielle Unterstützung vom Staat und „dass ich die zwei Wochen irgendwie überstehe“.

Online-Shop statt echtem Laden

Gleiches hofft auch Doris Hofmann für ihren Buchladen in Lauf. „Finanziell sieht es nicht so gut aus, aber wenn ich es konkret ausrechnen würde, müsste ich weinen“, sagt die Inhaberin. Auch sie hat Vorkehrungen für die nächsten zwei Wochen getroffen. „Ich habe heute noch einmal kräftig Werbung für meinen Online-Shop gemacht“, sagt Hofmann, denn am letzten Tag sind noch einmal viele Kunden in ihren Laden geströmt, um „jetzt nochmal schnell Bücher zu kaufen“.

Ein Zettel an der Tür verweist Kunden des Buchladens von Doris Hofmann auf den Online-Shop. Ihr Geschäft bleibt ab heute zwei Wochen geschlossen. /Foto: Haase2020/03/Corona-Laden-zu-Buchladen-Hofmann2-scaled.jpg

Fitnessstudio einen Monat dicht

Bereits am Dienstag, also einen Tag vor den Einzelhändlern, musste auch das „Clever Fit“-Fitnessstudio in Röthenbach den Betrieb einstellen. Es bleibt nun einen ganzen Monat geschlossen und die Mitarbeiter erhalten weiterhin ihr Gehalt. „Wir werden es schon spüren. Die Mieten, die Löhne und dann fehlt ja noch der tägliche Umsatz“, sagt Geschäftsführer Matthias Kutscher. „Es hängt davon ab, wie lange die Maßnahme dann tatsächlich dauert. Ein Monat geht noch. Das können wir verkraften. Danach müssen wir schauen, denn es hängen ja auch Arbeits- und Ausbildungsplätze dran.“ Generell hält Kutscher die Maßnahmen aber für „gerechtfertigt und nachvollziehbar“. Er und sein Geschäftspartner Alexander Oldenburger werden nun die Zeit nutzen, um das Studio auf Vordermann zu bringen, zu streichen und andere fällige Arbeiten durchzuführen.

Wie lange wird die Schließung dauern?

Dass die Maßnahmen nur zwei beziehungsweise vier Wochen andauern werden, bezweifeln alle Inhaber. „Jeder kann so etwas nur eine gewisse Zeit abfangen, aber die Mieten und die Löhne laufen ja weiter und bisher weiß niemand so recht, wie es weitergehen soll“, sagt Oriold stellvertretend für die Laufer Einzelhändler.

Schnelle finanzielle Hilfe

Auch Johannes Bisping, Vorsitzender der Laufer IHK, bestätigt, dass mit den Schließungen durch die Coronakrise viele Kleinst- und Mittelbetriebe in ihrer Existenz bedroht sind: „Wir sind in der Krise angekommen und wissen nicht, wie lange sie anhält. Die Umsätze fallen nun in vielen Bereichen über Nacht drastisch, teilweise komplett weg. Hier helfen normale Kredite nicht weiter“, sagt er.

Politik, einzelne Verbände, die IHK und auch die Stadt Lauf stünden im engen Austausch miteinander, so Bisping. „Die Politik muss jetzt zu ihrem Wort stehen und das Maßnahmenpaket schnell zur Verfügung stellen“, fordert er. Bisping ist sich aber sicher: „Es läuft in die richtige Richtung.“


N-Land Rebecca Haase
Rebecca Haase