Einzelhandel Hersbruck

Lockdown verhindert weiteren Weihnachtsumsatz

Ab 16. Dezember muss der Einzelhandel wieder schließen und die Straßen in Hersbruck werden erneut so verlassen aussehen wie im Frühjahr. | Foto: M. Gundel2020/12/DSC-1183.jpg

HERSBRUCK – Da hatten sie sich extra etwas überlegt, um den Kunden entspanntes Adventsshoppen zu ermöglichen, und dann werden die Hersbrucker Einzelhändler ausgebremst: Der erste lange Einkaufssamstag bleibt nach dem neuen Lockdown ab Mittwoch der einzige in der Vorweihnachtszeit.

Dabei schien dieses Angebot einiger Hersbrucker Geschäfte gut angenommen worden zu sein: Gut gefüllte Läden und immer wieder der Satz „Ich muss noch schnell Geschenke kaufen, bevor alles zugemacht wird“. Diesen Eindruck kann Christa Rauenbusch vom gleichnamigen Spielwarengeschäft nur bestätigen: „Das war bisher unser bester Tag in der Adventszeit.“

Es sei sehr viel zu tun gewesen, weil sie auch länger geöffnet hatten. „Wir sind froh, dass überhaupt was gegangen ist.“ Auch jetzt seien sie und ihre Mitarbeiter im Stress: „Wir müssen jetzt wieder alles auf Bestellen umstellen.“ Im Frühjahr habe sie damit ein Drittel des normalen Umsatzes erwirtschaften können – „besser als nichts“.

Und auch jetzt rechnet Rauenbusch mit Verlusten. „Aber wie hoch diese werden, kann ich nicht beziffern.“ Denn diese Woche wäre eigentlich die Zeit des Hauptgeschäfts gewesen. Sie und ihr Team versuchen erneut, durch die Möglichkeit von Bestellen und Abholen der Ware an der Ladentür wenigstens etwas Kaufkraft vor Ort zu halten.

Kleider im Paket

Dem gleichen Prinzip folgt Nicole Patzelt vom „Modefenster“: Man muss einfach das Beste draus machen.“ Daher wird sie ab Mittwoch weiter für ihre Kunden erreichbar sein, Fotos ihrer Kleidungsstücke auf Instagram stellen, die sich die Leute dann zum Anprobieren nach Hause liefern lassen können.

Doch noch ist ihr Laden voll: „Die Menschen versuchen die letzten Besorgungen zu machen. Wir sind alle irgendwie wie in Trance.“ Freilich habe sie den erneuten Lockdown kommen sehen, und dennoch sei es ein „Schockmoment“ gewesen. Zumal der lange Samstag „gut besucht“ gewesen sei – zumindest bis 16 Uhr: „Danach war kaum was los, aber wenn da nicht alle mitmachen, kann sich so etwas nur schwer durchsetzen.“

Bücher über Bücher

In der Buchhandlung Lösch ist der letzte Kunde am Samstag erst kurz vor 18 Uhr gegangen, verrät Martin Lösch: „Wir hatten die ganze Zeit über Betrieb, das war ein guter Tag.“ Viele der Kunden seien bereits im Vorfeld bei ihm gewesen, um ihre Bücher zu kaufen, weil der Lockdown absehbar gewesen sei. „Man merkt schon, dass die kommenden Tage zu sein wird.“

Und was dann? Lösch hat „Berge an Bestellungen“ in der Buchhandlung liegen – unter anderem Geschenke und Schullektüre. Das sei in der Kürze der Zeit nicht alles abholbar. Daher werde es einen Abholtisch vor dem Laden geben oder einen Lieferdienst, denkt er laut nach. „Das müssen wir noch organisieren und kreativ werden.“ Jammern, das bringe nichts, findet Lösch. Corona sei nun mal da. Und daher ist er angesichts der Situation ganz zufrieden mit dem Geschäft.

Von einem Ansturm vor dem Lockdown spürt Harald Rösel nichts: „Der Samstag war auch nicht berauschend“, erzählt der Chef des gleichnamigen Juwelier-Ladens. Und nun würden auch noch die umsatzstärksten Tage des Jahres fehlen.

Dabei sei die Frage, ob das Vorgehen sinnvoll sei. „Das kommt jetzt viel zu spät und zudem zu einem ganz schlechten Zeitpunkt“, denkt Rösel. Er hätte einen Lockdown gleich Anfang November gemeinsam mit der Gastronomie besser gefunden. Das Schlimme sei nun, dass kein Ende absehbar sei: „Es glaubt doch keiner, dass das am 10. Januar vorbei ist.“

Hilfe vom Staat

Da verwundert es nicht, dass auch Frank Richartz, Wirtschaftsförderer am Landratsamt Nürnberger Land, die neuen Maßnahmen „aus Sicht unserer heimischen Händler als die Katastrophe schlechthin“ bezeichnet. Er ermutigt sie aber dazu, staatliche Hilfen zu beantragen und wie bereits im Frühjahr mit innovativen Ideen zu punkten.


Das könne aber nicht jeder, hält Carola Hoffmann vom Hersbrucker Wirtschaftsforum dagegen. „Bei vielen mag das vor Weihnachten mit Bestellen am Telefon und Liefern noch gehen, aber beim Umtauschen wird das System vielleicht schon nicht mehr funktionieren“, überlegt sie.

Dabei hatte sie sich zunächst gefreut, dass beim langen Adventssamstag „gut was los war“. Klar nicht bei jedem, die Kundenfrequenz sei gemischt gewesen. Aber: „Unser Aufruf zur Solidarität mit dem Einzelhandel vor Ort hat etwas gebracht.“

Konzepte sind da

Um so ernüchternder ist die Zeit jetzt: „Viele bewegen sich schon auf ganz dünnem Eis, und das wird viele nahe an den Ruin treiben.“ Dazu komme ein Gefühl der Ungleichbehandlung: „In die Kirche darf man gehen, privat darf man sich treffen, aber uns sperrt man zu.“

Gastronomie und Handel hätten Hygienekonzepte, deren Einhaltung im kleinen Einzelhandelsgeschäft sogar leichter nachzuprüfen sei als im großen Supermarkt. „Aber es kann doch keiner kontrollieren, wie viele daheim zusammensitzen.“

Die aktuellen Maßnahmen sowie die Tatsache, dass im Supermarkt schon lange Dinge aus dem Bereich des Einzelhandels verkauft werden dürfen, „das trägt zum Untergang des Einzelhandels bei.“

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren