„Click and Collect“

Geschäfte zwischen Tür und Angel

Vorbestellte Ware direkt beim Händler abholen. Hier im Eingangsbereich des Modehauses Greifenstein in Schnaittach macht Geschäftsführer Christian Bösner vor, wie „Click and Collect“ funktioniert. | Foto: Haase2021/01/Greifenstein-Schnaittach-Click-and-Collect-Bosner-Corona-Modege.jpg

NÜRNBERGER LAND – Bringt „Click and Collect“ nennenswert Umsatz oder dient es doch eher der Pflege der Kundenkontakte? Heimische Händler bewerten die Lage. Beim Bestellen und Abholen gilt es außerdem einiges zu beachten.

Christian Bösner, Inhaber des Modehauses Greifenstein in Schnaittach, hat wie viele andere Händler auch seine Schaufenster in den vergangenen Tagen neu dekoriert. Jedes Teil hat nun eine Nummer, die Kunden Bestellungen erleichtern soll.

Denn „Click and Collect“ – also Ware online oder per Telefon bestellen und dann zu einer vereinbarten Zeit im Geschäft abholen – ist seit vergangenem Montag in Bayern wieder erlaubt.

Sinkender Textilabsatz

Erleichtert ist Bösner darüber schon, doch dass es allein durch den Verkauf zwischen Tür und Angel zu einem „akzeptablen Umsatz kommt“, bezweifelt er. Generell sei der Textilkonsum durch die Pandemie zurückgegangen. „Wer kauft sich denn jetzt einen Anzug für eine Feier? Es besteht kein Bedarf“. „Click and Collect“ diene aber dazu, mit den Kunden wenigstens in Kontakt zu bleiben und die engen Bindungen zu Stammkunden aufrecht zu halten, so Bösner.

Denn während es Restaurants bisher erlaubt war, bei Abholungen direkten Kundekontakt zu pflegen, war es den Einzelhändlern verboten. In der sogenannten „Positivliste“, die einen Überblick bietet, welche Änderungen im Handel getroffen wurden, hat die bayerische Staatsregierung „Click and Collect“ nun erlaubt.

Was beim Abholen zu beachten ist

Wichtig ist hier: Sowohl Kunden als auch Angestellte müssen schon jetzt FFP2-Masken tragen. Ab Montag, 18. Januar, gilt außerdem FFP2-Maskenpflicht überall im Einzelhandel – etwa im Supermarkt – und im öffentlichen Nahverkehr, so eine Verkündung des Bayerischen Kabinetts gestern. Wer etwas per „Click and Collect“ beim Händler seines Vertrauens bestellt, darf es nur zu einer vorher vereinbarten Uhrzeit abholen und das an einem speziellen Schalter oder außerhalb des Geschäfts.

Per Whatsapp und Co

Dass es finanziell „ein Tropfen auf den heißen Stein sein wird“, davon geht Alexander Käferlein, Assistent der Geschäftsführung der Käferlein-Modehäuser, aus. Weil im Outlet-Geschäft in Lauf überwiegend Einzelteile verkauft werden und sich die Mitarbeiter in Kurzarbeit befinden, bietet Käferlein nur im Haupthaus in Nürnberg Eibach Click and Collect an. Bestellen können Kunden dort etwa per Whatsapp und zum Beispiel weitere Bilder anfordern.

Mit nach Hause nehmen können sie eine kleine Auswahl an Kleidung. Was nicht passt, muss zu einer vereinbarten Uhrzeit zurückgebracht werden. Die Zahlung erfolgt meist per Rechnung und Überweisung, denn Bargeld sollte bei „Click and Collect“ nicht über den Tresen gehen. „Das ist ein immenser Aufwand“, fasst Käferlein zusammen. „Das Ziel ist eher, bei den Kunden im Gedächtnis zu bleiben“, denkt er positiv.

Gepackte Einkaufswagen

Optimistisch zu bleiben versucht man auch beim Obi-Markt am Laufer Faunberg. Kunden können dort Online Ware reservieren und zur vereinbarten Zeit an der Kasse in einem bereitgestellten Einkaufswagen abholen. Die Zahlung erfolgt kontaktlos.

„Wir glauben schon, dass der ein oder andere darauf gewartet hat“, ist sich Marktleiter Christof Schneider sicher, denn das Angebot werde bisher von Kunden gut angenommen. Streusalz, Brennstoff, Schlitten oder Schneeschieber haben er und seine Angestellten in den vergangenen Tagen zum Abholen bereitgestellt.

„Click and Collect“ hält er wegen der guten Sicherheits- und Hygienekonzepte der Händler für „sinnvoll und machbar, ohne die Infektionszahlen nach oben zu treiben“. Ob der Baumarkt damit viel Umsatz machen kann, weiß Schneider nicht. „Für uns zählt jeder Euro“.


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    Qualität für Zuhause

    „Es bringt vom Umsatz her nichts“, sagt dagegen Theo Koni, Inhaber des Laufer Friseurgeschäfts Theo‘s Hairdesign. Er verkauft derzeit vor allem Pflegeprodukte und Haarfärbemittel. „Es ist ein Service, damit sich Kunden behelfen können und die gewohnte Qualität auch zu Hause haben“, sagt er.

    Für „jeden, der „Click and Collect“ anbieten kann“, freut sich derweil Angelika Grünthanner, die zusammen mit ihrem Mann das Neunkirchener Einrichtungshaus Bezold betreibt. „Unserer Branche bringt es nichts. Wir haben nichts, was man per Foto verkaufen könnte. Keiner kauft sich ein teures Sofa, ohne dass er mal darauf gesessen hat“.

    „Alibi-Funktion“

    „Es wird uns nicht retten“, ist sich auch Jürgen Oriold, Bezirks- und Kreisvorsitzender des Handelsverbands Bayern und Inhaber eines Fotogeschäfts am Laufer Marktplatz sicher. „Click and Collect“ nehme eine „Alibi-Funktion“ ein, da es sich an Geschäfte richtet, die komplett geschlossen sein müssen.

    Dass Drogerieketten derweil zum Beispiel weiterhin auch Spielwaren verkaufen und in Restaurants Kunden ein und ausgehen, während Besucher ein Modegeschäft auch mit FFP2-Maske und Hygienekonzept nicht zum Stöbern aufsuchen dürfen, ist für Oriold unfair. „Der Online-Handel ist gegenüber dem stationären Handel ohnehin im Vorteil, weil man bestellte Ware oft ohne Portokosten zurückschicken kann“ führt er weiter an.

    Passfotos sind wieder erlaubt

    In seiner Funktion als Vorsitzender der Landesfachgemeinschaft Foto und Optik in Bayern hat sich Oriold in einem Schreiben an die Regierung gewandt. Mit der Aktualisierung der Positivliste dürfen er und seine Kollegen ihre Fotostudios für die Anfertigung von Passbildern nun wieder öffnen.

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