Schließungen wegen Corona-Krise

Eine „nackte Katastrophe“ für den Einzelhandel

Die Prager Straße, sonst eine der Haupteinkaufsgassen in Hersbruck, ist verwaist. Einige Geschäfte versuchen es mit Liefer- oder Abholservice – lange wird sich so aber kaum einer über Wasser halten können. | Foto: M. Gundel2020/04/DSC-1183-scaled.jpg

HERSBRUCK – Die Hersbrucker Einzelhändler schlagen Alarm: Durch die Maßnahmen in der Corona-Krise bleibt reihenweise der Umsatz aus. Je länger die Beschränkungen dauern, umso prekärer wird die Lage für die kleinen Unternehmen. Kai Schmidt, Vorsitzender des Wirtschaftsforums Hersbruck, erklärt, was den Händlern außerdem Sorgen bereitet.

Wie ist aktuell die Stimmung im Hersbrucker Einzelhandel?

Kai Schmidt: Für die allermeisten ist es die nackte Katastrophe. Uns fällt jetzt fast vier Wochen der Umsatz weg. Und auch die Geschäfte, die offen haben dürfen, haben kaum Kunden. Die Menschen sind vorsichtiger, was natürlich richtig ist.

Empfinden die Händler die aktuellen Maßnahmen trotzdem als richtig?

Ja, ich kenne keinen, der es nicht so sieht. Aber natürlich bringt das viele in eine finanziell kritische Lage, weil nicht alle entsprechende Rücklagen haben. Und vor allem Branchen, die auf das Saisongeschäft jetzt im Frühling angewiesen sind, trifft es besonders hart.

Trotzdem regt sich Widerstand unter den Einzelhändlern, viele sprechen von einer Wettbewerbsverzerrung. Wieso?

Es kann nicht sein, dass kleine Läden einen Wettbewerbsnachteil haben, weil sie zumachen müssen. Andere Geschäfte verkaufen nebenbei Produkte, die auch der stationäre Einzelhandel führt, zum Beispiel Spielwaren. Das liegt daran, dass man laut Staatsministerium alles verkaufen darf, wenn die Produkte des Grundbedarfs einen gewissen Anteil im Sortiment ausmachen. Meiner Meinung nach müsste es eine Positivliste geben, die genau festlegt, was angeboten werden darf und was nicht. Aber das ist sehr aufwendig und beinhaltet sicher viele Grauzonen. Eine gute Alternativlösung habe ich leider auch nicht.

Hat das Wirtschaftsforum bereits etwas unternommen?

Wir haben einen Brief an Bürgermeister Robert Ilg, Landrat Armin Kroder und unseren Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel geschrieben, in dem wir das Problem darlegen und um Lösungen bitten.

Einige Geschäfte bieten auch einen Lieferservice an.

Ja, aber es ist schwierig, einen funktionierenden Service in so kurzer Zeit auf die Beine zu stellen. Die Gastronomie hat es damit etwas leichter, weil das Equipment meist schon da ist und die Leute es kennen, sich Essen zu bestellen oder abzuholen. Aber dem stationären Einzelhandel fehlt schlicht die Infrastruktur für den Onlinevertrieb. Einen professionellen Onlineshop aufzubauen, ist ein Mammutprojekt, das viel Planung und Geld erfordert. Zudem gibt es bereits genug gute und etablierte Onlinehändler.

Kai Schmidt ist Vorsitzender des Wirtschaftsforums Hersbruck. | Foto: Foto Steinbauer2020/04/2N9A2050-1.jpg

Was ist zurzeit die größte Angst bei den Einzelhändlern?

Dass man die Miete und auch die Mitarbeiter nicht mehr bezahlen kann. Diese Angst ist mittlerweile deutlich spürbar. Keiner weiß, wie es nach dem 20. April weitergeht.

Wie lange wäre die Situation so noch tragbar?

Das ist von Geschäft zu Geschäft unterschiedlich. Einige werden schon nach einer Woche Probleme bekommen, andere, die geringere Fixkosten wie Personal und Miete im Monat haben, halten noch länger durch. Dann kommt es auch auf die Branche an: Führe ich Produkte, die gut online oder am Telefon verkauft werden können, oder eher solche, die der Kunde anfassen will?

Wie beurteilen Sie die vom Staat versprochenen finanziellen Hilfen?

Es ist unglaublich wichtig, dass es überhaupt Hilfen gibt. So weit ich aber weiß, wurde in Mittelfranken bis jetzt noch nichts ausgezahlt. Einem Betrieb mit bis zu fünf Mitarbeitern stünden 9000 Euro zu – das soll für drei Monate reichen. Damit aber alle Kosten von Personal bis Miete abdecken zu können, ist nicht realistisch. Zumindest scheint nun die Regelung zu kippen, dass die Hilfen nur Unternehmern zufließen, die nicht mehr liquide sind: So wie es aussieht, muss man künftig einen Verdienstausfall nachweisen können und die finanzielle Sorge absehbar sein, damit der Antrag durchgeht. Aber im Endeffekt ist es nur wichtig, dass so schnell und unkompliziert wie möglich gehandelt wird.

Was halten Sie von den KfW-Krediten?

Dass es sie gibt, ist gut, aber Kredite muss man immer zurückzahlen. Ich denke, solange man überhaupt noch nicht einschätzen kann, wie lange die Situation andauert oder wie sie sich entwickelt, wäre es sehr riskant, Geld aufzunehmen.

Was kann der Verbraucher jetzt tun?

Zum einen kann er Einkäufe, die aktuell nicht wichtig sind und die er gerade nicht beim lokalen Händler bekommt, verschieben. Auch Geschenke können ja mal zu einem späteren Zeitpunkt übergeben werden. Zum anderen kann sich der Kunde über die Homepage des Wirtschaftsforums sowie in der Facebook-Gruppe „Ich kaufe in Hersbruck“ über aktuelle Angebote informieren. Hier sammeln wir alle Informationen.

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