Überprüfung

Kreuze auf der Hersbrucker Stadtkirche stehen sicher

Dietrich Kappler und Pfarrer Thomas Lichteneber (rechts) schauen zu, wie Schlosser Werner Seybold zur Turmspitze gefahren wird. | Foto: Pitsch2021/01/IMG-20210119-093946.jpg

HERSBRUCK – Da ging der ein oder andere verwunderte Blick nach oben: Ein großer gelber Arm streckte sich entlang des Turmes der Hersbrucker Stadtkirche nach oben. Es galt eine Frage zu beantworten: Ist das Kreuz noch fest verankert?

Einmal habe es in den vergangenen 40 Jahren eine solche Standfestigkeitsüberprüfung gegeben, erinnert sich Dietrich Kappler vom Hersbrucker Kirchbauverein: „Damals war alles in Ordnung.“ Doch wie ist das jetzt? Wind und Wetterkapriolen nähmen zu und daher überlegte Kappler, was passieren würden, wenn das wohl rund fünf Meter hohe Kreuz locker oder angerostet wäre und herunterfallen würde.

„Es könnte das Dach des Pfarrhauses treffen oder die Autos, die an der Kirche parken.“ Denn bei dem Weg am Gotteshaus entlang handelt es sich laut Kappler um einen gewidmeten Straßenraum der Stadt. Der Kirchenvorstand sei sich bislang nicht einig, ob die Parkplätze nicht weg sollten. „Auf Fotos nach dem Krieg sieht man die keine Autos“, sagt Kappler.

Mit seinen Überlegungen stieß er bei Pfarrer Thomas Lichteneber auf offene Ohren. „Für solche Dinge braucht es aufmerksame Leute.“ Weil eine Vorschrift der Landeskirche zur Überprüfung solcher Bauteile gebe es nicht. Daher sei Lichteneber froh, Menschen wie den früheren Architekten sowie den Kirchbauverein an seiner Seite zu haben: „Unsere Kirchen in der Stadt zu unterhalten, das ist mit viel Arbeit, Geld und Aufwand verbunden.“

Zu kurz

Das beweist auch die Aktion am Kirchturm. Zunächst hatte der Stadtpfarrer die Hersbrucker Feuerwehr angefragt. „Ich glaube, die haben sich gefreut, im Rahmen einer Übung ihre Drehleiter ausfahren zu können.“ Aber: Diese reichte nur bis zur Uhr. Idee zwei waren Industriekletterer: „Die klettern dann aus einer Luke heraus bis zum Einsatzpunkt.“

Doch nachdem Lichteneber den wagemutigen Arbeitern Fotos des Turms geschickt hatte, war auch diese Herangehensweise zu Nichte: „Das Problem war der Überhang, da ist dann kein Sichern von oben möglich.“

Also machten er und Kappler sich bei Firmen für Hubsteiger schlau. Mit dem Unternehmen Wagert, das Erfahrung bei Gotteshäusern mitbringt, kamen sie ins Geschäft. „Die Kosten von rund 1000 Euro übernimmt der Kirchbauverein“, erzählt Kappler. Damit sei die Aktion schneller möglich gewesen als wenn alles über den Kirchenvorstand gegangen wäre, ergänzt Lichteneber.

Noch Luft nach oben

Eile hat der Mitarbeiter der Firma keine. Er begutachtet erst einmal die Örtlichkeit und lässt sich von Kappler und Lichteneber erläutern, wo „Haus- und Hof-Schlosser“ Werner Seybold aus Aspertshofen hinauf muss. Erst dann manövriert er sein gelbes Monstrum rückwärts durch die Gassen auf den Kirchplatz. „Arbeitshöhe 53 Meter“ steht auf dem Heck des Lasters. „Das reicht, unser Turm ist etwa 45 Meter hoch“, meint Kappler.


Doch in der Höhe lauert auch Gefahr: „Der Wind wird schon nachlassen“, hofft der Mitarbeiter. An der Höhenangst des Schlosser wird das Vorhaben nicht scheitern, versichert sich Lichteneber. „Normalerweise hab ich keine Höhenangst“, entgegnet ihm Seybold gelassen. Bevor sich der Kran in Bewegung setzt, richtet der Mitarbeiter das Fahrzeug erst ganz akribisch ein: Er schippt sogar Schnee weg, damit das Gefährt einen sicheren Stand hat.

Und dann fahren die Ausleger aus, der tonnenschwere Laster hebt und senkt sich, rattert und schnauft – und irgendwann hängt der Wagen einige Zentimeter über dem Boden in der Luft. „Spannend“, entfährt es Kappler begeistert. „Ich bin dann soweit“, verkündet der Hubsteiger-Fahrer und bittet Seybold in den Korb. Langsam, aber stetig fährt der Arm in die Höhe. Als man denkt, jetzt ist er ausgefahren, schiebt sich eine weitere Verlängerung aus seinem Inneren hinaus. Und in wenigen Minuten ist Seybold oben.

Sicher über der Stadt

Dort rüttelt er mit festen Handgriffen am weithin sichtbaren kirchlichen Symbol. Als der Schlosser wieder festen Boden unter den Füßen hat, kann er verkünden, dass das Kreuz einen ordentlichen Eindruck macht. Gleiches gilt auch für das Geschwisterchen über dem Langhaus, das ebenfalls überprüft wurde. Damit werden die beiden Kreuze die nächsten 15 bis 20 Jahre sicher hoch über der Stadt thronen, freuen sich Dietrich Kappler und Pfarrer Thomas Lichteneber.

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