Corona-Lockerungen

Die Schausteller können wieder planen

Es sind wieder Kirchweihen im kleinen Format – so wie vergangenen Herbst in Hersbruck – möglich. | Foto: J. Ruppert2021/06/IMG-0415.jpg

HERSBRUCK – „Mir fällt ein Stein vom Herzen“, und man hört es förmlich purzeln, als Jürgen Wild das sagt. Denn dank der Lockerungen können auch die Schausteller etwas aufatmen.

Ein Kinderkarussell auf der Hersbrucker Ostbahn, Gespräche in Reichenschwand zu dem gleichen Fahrgeschäft, Spickerbude, Süßwaren und Imbiss: „Es ist allen, beim Landrat angefangen, klar, dass etwas passieren muss.“ Einzelne Gemeinden – wie Reichenschwand – würden die Schausteller daher sehr unterstützen und sich teilweise selbst um die Anträge kümmern statt des Kirwavereins, lobt Wild.

Trotz der Lockerungen, die das Wirtschaftsministerium der Branche erst kürzlich verkündet hat, will Wild aber noch nicht von einer Erleichterung sprechen. Dazu lägen noch zu viele Hürden im Raum, wie der Ämter- und Genehmigungsmarathon von Kommune über Landratsamt zu Gesundheitsamt und zurück.

Zu schnelles Nein

Kein Wunder, dass im mittlerweile vorhandenen Wust an Paragrafen nicht jeder örtliche Sachbearbeiter durchblicke, findet Wild. Auch wenn das für ihn und seine Kollegen ab und an ärgerlich war: „Oft kam als erstes ein Nein zum Aufstellen des Karussells, weil keiner wusste, dass ein Ausnahmeantrag möglich gewesen wäre.“

Und bei aller Freude, dass es wieder „Mini-Kirchweihen“, wie das Landratsamt die Veranstaltung auf der Ostbahn laut Wild tituliert (Begriffe wie Kirwa und Volksfest werden von allen Seiten vermieden), gibt: „Es haben ja nicht alle was davon.“ Beispiel: In Nürnberg können von 300 nur 100 Betriebe an der Volksfest-Alternative teilnehmen. „Das liegt an den Beschränkungen sowie der Größe von Ortschaft und Platz.“

Schwarze Null

Dazu müssten die Hygienekonzepte nach Örtlichkeiten und Gesetzeslage stets angepasst werden. Braucht es Maskenpflicht auf dem ganzen Gelände oder nicht? Ist Security nötig? „Die könnten wir uns nicht leisten, wir schauen gerade, dass wir null auf null rauskommen.“

Für Wild ergeben sich aus all dem gerade zwei Risikofaktoren für die Schausteller: das Wetter und die in der Vergangenheit rasch wechselnden Regierungsvorgaben. „Aber wir wollen uns durchkämpfen.“ Zumindest durch den Sommer; bis in den Winter will Wild lieber noch nicht schauen.


Ein Sonntag im August

Sommerzeit bedeutet in Hersbruck auch immer Altstadtfest. Erneut nicht in diesem Jahr, macht Wild klar. Im Austausch zwischen Altstadtfestverein und Stadtverwaltung kristallisierte sich aber heraus, dass beide Seiten eine Einnahmemöglichkeit für die Wirte schaffen möchten; eventuell kann auch Wild die Idee mit Süßwaren bereichern.

„Es ist geplant, am eigentlichen Altstadtfest-Sonntag die Flächen für die Außengastronomie zu vergrößern und mit Hintergrundmusik etwas Biergartenflair zu zaubern“, erläutert Wild. Heißen könnte das Ganze dann „Hersbrucker Altstadt-Sonntag“. Der Grund: „Wenn das Wort ‚Biergarten‘ auftaucht, müssen wir sonst vielleicht auf der ganzen Fläche an die Gema Gebühren zahlen.“

Das alles nährt bei Wild und seinen Kollegen die Hoffnung, bald wieder normal arbeiten zu können. Finanzielle Hilfen gab es ja keine, und auch sonst habe man der Branche nur Knüppel zwischen die Beine geworfen, ist Wild noch immer verärgert. Am schlimmsten sei jedoch etwas anderes gewesen: „Wir hatten keinen Kontakt zu unseren Kunden.“ Und genau der lässt das fahrende Volk nun wieder aufleben.

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