Die Auszeichnung durch die AGFK ist 2020 nicht zu realisieren

Die „Fahrradfreundlichkeit“ muss warten

Das Radwegenetz im Nürnberger Land schneidet im bayerischen Vergleich nicht schlecht ab, aber es ist noch Luft nach oben. Immerhin weisen die insgesamt 270 Kilometer, die alle Kommunen verbinden würden, noch 55 Prozent Lücken auf. | Foto: Florian Trykowski2020/09/radwege-Radwegekonzept-nurnberger-land-Radverkehr_17T4-symbolfo.jpg

NÜRNBERGER LAND – Die Debatte um die Fahrradfreundlichkeit des Nürnberger Lands muss wieder Fahrt aufnehmen, auch in Corona-Krisenzeiten. Das findet jedenfalls die Fraktion der Grünen im Kreistag. Vertreter von CSU und SPD plädierten angesichts der finanziell mäßigen Aussichten bis 2022 dagegen für Zurückhaltung.

In der Septembersitzung des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Landwirtschaft des Kreistags am Montag beantragte Grünen-Kreisrätin Lydia Hufmann-Bisping die Ergänzung und Umstellung des Radverkehrskonzepts, das der Umweltausschuss am 17. Juni beschlossen hatte. Außerdem solle seine Umsetzung zeitnah angegangen werden.

Das Ziel der Grünen ist die Auszeichnung „fahrradfreundlicher Landkreis“ durch die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) bis Ende 2020. Darüber, dass der Landkreis dieses Prädikat anstrebt, war sich der Kreistag im vergangenen Herbst noch einig, inzwischen hat die Euphorie merklich abgenommen. 

AGFK gab dem Landkreis „Hausaufgaben“

Ende Juli begutachtete eine Prüfungskommission den Zustand des Radverkehrsnetzes im Landkreis (die PZ berichtete) und kam zu dem Schluss, dass der Kreis noch mehrere Aufgaben erfüllen müsse, um als fahrradfreundlich zu gelten.

Dazu zählen die Einrichtung eines Winterräumdienstes für alle Radwege, die Schaffung einer zusätzlichen Stelle zur Unterstützung der Radverkehrsbeauftragten Verena Loibl und eine höhere Zielsetzung, wie viel Prozent des täglichen Verkehrs per Fahrrad zurückgelegt werden sollen. Bisher liegt diese Zielsetzung bei 7,5 Prozent. „Die Zielsetzung sollte bei 15 Prozent liegen“, sagte Hufmann-Bisping.

In ihrer Rede vor dem Umweltausschuss betonte sie die wachsende Bedeutung des Radverkehrs vor allem in Corona-Zeiten. „Viele Menschen steigen zurzeit aufs Fahrrad um, das können wir nicht monatelang ignorieren“, so Hufmann-Bisping. Sie sei schockiert, dass das Landratsamt keinerlei Informationen über die Ergebnisse der AGFK-Führung im Juli an die Kreisräte weitergegeben habe.

Landrat Armin Kroder machte nach der Vorstellung des Antrags seine Meinung deutlich. „Wir streben als Landkreis diese Auszeichnung an, aber wir sollten das in Ruhe beraten. Die AGFK ist nicht mein Auftraggeber, der mir Zeitlimits diktieren kann. Wir müssen vor allem die neue Haushaltslage berücksichtigen“, sagte Kroder. 

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CSU und SPD wollen Maß halten“

Vertreter der CSU- und SPD-Fraktion unterstützten Kroders Aussage. Somit ist wohl das Ziel, zur fahrradfreundlichen Region zu werden, mindestens im Jahr 2020 vom Tisch.

„Die Grünen erwecken den Eindruck, dass man in unserem Landkreis nicht mit dem Fahrrad fahren kann, doch unser Netz ist gut. Wir müssen kalkuliert bleiben und mit den Kommunen zusammenarbeiten“, sagte der SPD-Kreisrat Bruno Schmidt. Peter Uschalt von der CSU betonte die Auswirkungen der Corona-Krise: „Wir können zurzeit keine Millionen in ein einzelnes Projekt investieren.“

Hufmann-Bisping ist damit nicht zufrieden. „Natürlich müssen wir sparen, aber es ist die Entscheidung des Kreistags, ob das bei den Radwegen oder zum Beispiel im Straßenbau geschehen soll“, sagte sie der Pegnitz-Zeitung.

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