Der Ausschuss für Kreisentwicklung hat ein Radverkehrskonzept beschlossen.

Über 200 Kilometer Radwege fehlen

Geht es nach dem Radverkehrskonzept, soll entlang der B14 zwischen Rückersdorf und Behringersdorf (im Bild) künftig eine Radschnellverbindung verlaufen.2019/11/B14-Ruckersdorf-Radweg.jpg

Nürnberger Land – Viele Radwege im Nürnberger Land enden im Nichts, stellt Thiemo Graf trocken fest. Bis vor kurzem war der Grünen-Politiker stellvertretender Bürgermeister in Röthenbach, dem Kreisrat und dem Ausschuss für Kreis­entwicklung gehört er weiterhin an.

Am Montag sitzt er aber in anderer Fuktion im Sitzungssaal des Landratsamts: Sein Büro „Institut für innovative Städte“ hat ein Radverkehrskonzept erarbeitet, das nun einstimmig im Ausschuss für Kreisentwicklung beschlossen wurde.

Zwei Radschnellwege sind geplant

Ziel des Konzepts ist ein durchgehendes Radnetz mit Basis- und Hauptrouten, die alle Kommunen anbinden, sowie zwei Radschnellverbindungen. Eine verläuft von Nürnberg-Erlenstegen entlang der B14 über Lauf bis Hersbruck, eine weitere von Nürnberg-Altenfurt bis Altdorf. Diese sollen in beide Richtungen je zwei Meter breit sein und einen weiten Kurvenradius haben, erklärt Verena Loibl, Klimaschutz- und Radverkehrsbeauftragte des Landkreises, im Gespräch mit der PZ.

Einer Grafik mit den gewünschten Routen stellte Graf in der Sitzung den Ist-Zustand gegenüber. Vor allem im ländlichen Raum, ob im Norden und Osten des Landkreises oder in der und um die Flächengemeinde Leinburg mangelt es an Verbindungen. Über 200 Kilometer Radwege fehlen aktuell laut Graf. Um das Netz zu schließen, werde es 20 oder mehr Jahre dauern.

Es geht in dem Papier aber nicht nur um die Radwege an sich. Weitere Themen sind Radwegstandards, Beschilderung und Fahrradparkplätze. So genügen die bestehenden Radwege nicht immer den Ansprüchen.

Eine bessere Vernetzung von Kreis und Kommunen soll künftig also zu einem besseren Radwegenetz führen. Das Konzept beinhaltet Strecken, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. So hat etwa der geplante Radschnellweg entlang der B14 Priorität. Doch dafür müssen auch die Kommunen mitspielen, etwa Rückersdorf und Schwaig.

Vollzeitstelle am Landratsamt?

Relativ schnell umsetzbar sei der Bau von Abstellanlagen und Radwegweisern sowie die Ausweisung von Fahrradstraßen, auf denen Drahtesel Vorrang vor Autos haben, so Graf. Für die Planung und Umsetzung der Radverbindungen soll eine Vollzeitstelle am Landratsamt geschaffen werden, heißt es in dem Papier.

Rund 100 Millionen Euro, schätzt Graf, wird es kosten, alle Lücken im Radnetz zu schließen. Fast zwei Drittel davon müsste das Staatliche Bauamt tragen, das für Radwege entlang von Bundes- und Staatsstraßen zuständig ist.

Auf die 27 Kommunen entfällt nach Grafs Schätzung je knapp eine Million Euro, auf den Kreis nochmals zehn. Wobei Graf auf „attraktive Förderprogramme“ verweist. 40 bis 90 Prozent der förderfähigen Kosten übernehme der Bund.

Lob aus allen Fraktionen

Die Ausschussmitglieder reagierten positiv auf das Konzept. Schnaittachs Bürgermeister Frank Pitterlein regte an, dass der Kreis die Kommunen unterstützt, etwa bei Verhandlungen mit Grundstücksinhabern wie dem Bund. „Ich wünsche mir einen Partner, der uns hilft, Verhandlungen zu führen“, so der CSU-Politiker. Der Landkreis solle sich „intensiv mit einmischen“. Landrat Armin Kroder bot die Hilfe bei Verhandlungen an.
FW-Sprecher Robert Ilg betonte, Radfahrer hielten nicht an Ortsschildern, daher sei es wichtig, solche Planungen gemeinsam zu machen.

Mehrfach klang der Wunsch der Ausschussmitglieder an, dass das Papier nicht in einer Schublade verschwindet. Loibl glaubt daran, dass die aktuelle Stimmung im Land es befördert, dass Gemeinden die Pläne auch zeitig umsetzen werden. Das werde nicht auf einmal, sondern stückchenweise passieren.

Das Konzept wird voraussichtlich in der Januar-Sitzung auf der Tagesordnung des Kreistags stehen.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer