Wegen Lieferschwierigkeiten des Herstellers

Kleintierhaus ohne Käfige

„Im Juli wollen wir öffnen“, sagt Petra Hluchy, stellvertretende Vorsitzende des Feuchter Tierheims. Wegen der Pandemie konnten die bestellten Käfige für die Kleintiere bislang nicht geliefert werden, dementsprechend leer sieht es in den neuen Räumen aus. | Foto: Alex Blinten2021/04/Feucht-NEU-Kleintierhaus1.jpg

FEUCHT – Die Pandemie bremst den Fortschritt beim Neubau im Feuchter Tierheim. Niederländische Firma kann nicht liefern. Die Inneneinrichtung ist fast fertig. Eine installierte Deckenheizung kann im Sommer als Klimaanlage genutzt werden.

Es geht zwar voran im neuen Kleintierhaus im Feuchter Tierheim, ohne Corona aber wäre man schon fast fertig. Jetzt rechnen Petra Hluchy und Herbert Sauerer mit einem Eröffnungstermin im kommenden Juli. Dann sollen die Kaninchen, Chinchillas, Ratten, Meerschweinchen, Frettchen und Vögel aus ihren beengten Unterkünften in das neue Haus umziehen.
Immerhin: Die meisten Räume sind so weit fertig, dass sie nur noch ausgestattet werden müssen. Auch die Heizung ist schon installiert, keine Fußbodenheizung wie im bestehenden Gebäude, sondern eine Deckenheizung der Firma Incotec aus Altdorf.

Das Langohr wird im Sommer zusammen mit den übrigen Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas in die neue Bleibe umziehen. Foto: Alex Blinten2021/04/Feucht-Kleintierhaus-1.jpg

Der besondere Clou an der Heizung, betont Petra Hluchy, ist deren Multifunktionalität. Im Sommer kann man sie als Klimaanlage nutzen. Heizen und kühlen ist also schon möglich im neuen Kleintierhaus, Tiere können aber noch nicht untergebracht werden. Weil der Hersteller und Lieferant der Käfige für Kleintiere in den Niederlanden sitzt und alle bestellten Boxen für Kaninchen und Co. bereits fertig hat, aber wegen Corona nicht liefern kann, sind die Räume im Kleintierhaus derzeit samt und sonders leer. Petra Hluchy hofft, dass sich hier schnell etwas bewegt, den Eröffnungstermin im Juli nämlich will man unbedingt halten.

Ursachen: von Allergie bis Umzug

Vicki Richter ist seit 2004 im Tierheim in Feucht als Tierpflegerin tätig, in letzter Zeit vorwiegend im Kleintier-Bereich. Sie erzählt, dass regelmäßig Kaninchen oder Meerschweinchen abgegeben werden, oft berichten die Tier-Halter von plötzlich auftretenden Allergien, manchmal ist ein Umzug der Grund dafür, ein Haustier ins Tierheim zu geben. Dass es viele freie Kapazitäten im Kleintierhaus gibt, kommt jedenfalls kaum vor.

Im Gegenteil: Immer wieder einmal melden sich Ordnungsbehörden oder Polizei und bitten um Unterstützung, wenn wieder einmal ein Haushalt aufgefallen ist, in dem jemand zahlreiche Kleintiere auf zu engem Raum hält. Die müssen dann kurzfristig im Tierheim aufgenommen werden.

Handwerker statt Eigenleistung

Bei allem Stress mit der durch Corona bedingten Verzögerung bis zur Eröffnung ist Petra Hluchy froh, dass der Kostenrahmen bislang eingehalten werden konnte. 1,1 Millionen Euro hatte der Architekt veranschlagt, darüber ist das Tierheim nicht hinausgekommen. Allerdings kann es sein, dass die Kosten bis zur Fertigstellung der Inneneinrichtung noch steigen, räumt Hluchy ein. Noch im vergangenen Sommer, als Ministerpräsident Markus Söder zum Richtfest für das Kleintierhaus in Feucht war, rechneten die Verantwortlichen im Tierheim fest damit, dass viele Arbeiten in Eigenleistung von Tierheim-Mitgliedern durchgeführt werden könnten. Ein Trugschluss, wie sich später herausstellte. Die Eigenleistungen waren wegen pandemiebedingter Kontaktbeschränkungen nicht möglich. Deshalb mussten die meisten Arbeiten, die das Tierheim für den Innenausbau selbst durchführen wollte, an Handwerksfirmen vergeben werden.

Auf jeden Fall werden Tiere, Mitarbeiter und Besucher im neuen Gebäude sehr viel mehr Platz haben. Hier wird es eine separate Quarantänestation und eine Krankenstation geben, in der Tiere mit unklarem Gesundheitszustand und erkrankte Tiere von den anderen getrennt gehalten werden können. Außerdem werden tag- und nachtaktive Tiere (zum Beispiel Kaninchen und Hamster oder Chinchillas) räumlich getrennt voneinander untergebracht, damit sie sich nicht ständig gegenseitig in ihrem Schlaf-Wach-Rhythmus stören. Zudem werden Fressfeinde wie etwa Frettchen und andere Raubtiere von Meerschweinchen oder Kaninchen räumlich durch Wände getrennt.

Vögel haben naturgemäß eine ganz andere Lebensweise als Säugetiere und sollen in artgerechten Volieren gehalten werden. Zur Unterbringung fordert das Veterinäramt ebenfalls eine Quarantäne-/Krankenstation. Ins Tierheim kommen neben kleinen Ziervögeln immer wieder auch andere Arten wie Papageien, Tauben, Hühner und gerade im Frühjahr Wildvögel, die aus dem Nest gefallen sind. Das Tierheim hat auch schon einen Schwan beherbergt, der entkräftet auf dem Mittelstreifen der A 6 gelandet war. Die Polizei sperrte damals die Autobahn, um den Schwan einzufangen (wir berichteten).

Gradmesser für die Gesellschaft

Als die Pläne für das neue 1,1 Millionen teure Kleintierhaus im Feuchter Tierheim bekannt wurden, gab es vereinzelt Kritik. So viel Geld für ein paar Meerschweinchen und Stallhasen, das sei einfach unverhältnismäßig, führten Kritiker ins Feld. Ihnen hielt Ministerpräsident Söder im Sommer vergangenen Jahres anlässlich des Richtfests entgegen, dass sich der Zustand einer Gesellschaft auch daran ablesen lasse, wie eben diese Gesellschaft mit Tieren umgeht. Dass Tiere wie Sachen behandelt werden, als Geschenke zu Weihnachten gekauft und dann ausgesetzt werden, dass Menschen keinen Respekt vor dem Lebewesen Tier haben, ist für Petra Hluchy nicht nachvollziehbar. Auch Kleintiere, da ist sie sich mit ihrer Mitarbeiterin Vicki Richter einig, müssen im Tierheim vernünftig und artgerecht untergebracht werden.

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