Bürgerbeteiligung hält sich in Grenzen

„Es ist noch nicht zu spät“

Alles Regelkonform: Mit weißen Punkten haben die Organisatoren die nötigen Abstände vorgegeben, an die sich die Trassengegner auch halten. | Foto: Herbert Bauer2020/08/Feucht-BI-Trassengegner-scaled.jpg

FEUCHT – Feuchter stemmen sich mit einer neuen Bürgerinitiative gegen den Bau der Stromtrasse P 53.

Nach Altdorf, Burgthann, Leinburg, Schwarzenbruck und Winkelhaid, formiert sich nun auch in Feucht offiziell Widerstand gegen die geplante Juraleitung P 53. Rund 60 Bürger haben sich bei der Gründungsveranstaltung in die Liste der neuen Bürgerinitiative eingetragen, die unter dem Slogan „Rettet den Reichswald – Stoppt die Trasse“ gegen den Bau der Stromleitung vorgehen will.

Die Initiative geht zurück auf einen Anstoß des Feuchter Umweltbeirates, namentlich der beiden Marktgemeinderäte Ernst Klier (SPD) und Harald Danzl (CSU), denen sich schnell auch Freie-Wähler-Gemeinderätin Birgit Ruder angeschlossen hat. Ziel der neuen BI ist, den Bau der möglicherweise zu nahe an Feucht und Moosbach vorbeiführenden Stromtrasse generell zu verhindern. Eine zeitliche oder räumliche Verschiebung sei nicht zielführend, findet Klier. „Wir möchten eine Regionalisierung und Dezentralisierung von Strom erreichen“, erklärt er. Und Ruder ergänzt: „Wenn die Trasse verschoben würde, müsste das eine andere Gemeinde ausbaden. Wir müssen hier alle zusammenstehen und -halten. Nur so können wir etwas erreichen.“

Keine leichte Aufgabe

Dass die Aufrüstung der P53 seit Jahren von der Bundesregierung beschlossen und seitdem Gesetz ist, sei kein ausreichendes Argument, finden die Feuchter Organisatoren. „Es muss erlaubt sein den Bedarf zu hinterfragen. Experten und N-ERGIE bezweifeln das“, schreibt Klier in einer Diskussion auf Facebook. „Ich bin nicht für St. Florian aber für den konsequenten Schutz des Bannwalds. Keine leichte Aufgabe, aber machbar und es ist noch nicht zu spät“, schätzt er die Lage ein.

Um trotz Corona-Regeln möglichst vielen Interessenten Platz zu bieten, hatten die Organisatoren den Kirchweihplatz als Versammlungsort zur BI-Gründung ausgewählt. Unter freiem Himmel verfolgten die Anwesenden kurze Sachvorträge, unter anderem von Umweltexperte Dr. Herbert Barthel und Hubert Galozy von der Bürgerinitiative Leinburg, und tauschten Erfahrungen miteinander aus. „Die Resonanz hätte allerdings besser sein können“, kommentierte Danzl das Ausbleiben zahlreicher Feuchter. Zwar freuten er und seine Mitstreiter sich über die Unterstützung anderer BIs, die teilweise sogar aus Schwaben angereist kamen, doch seien sie vom mangelnden Enthusiasmus der Bürger ihrer Gemeinde enttäuscht.


Regen darf keine Ausrede sein

Auch, wenn das Wetter nicht gerade zum Rausgehen animiert habe, hätten sie auf mehr Beteiligung der Bevölkerung gehofft. „Regen sollte keine Ausrede bei diesem wichtigen Thema sein“, finden die Veranstalter. „Es hätten wirklich mehr kommen können. Vor allem junge Leute. Schließlich geht es hier um ihre Zukunft“, sagt auch Ruder im Rückblick. „Man kann nicht alles auf die Politiker abwälzen, selbst nichts tun und dann jammern. Gerade wenn man die Chance hat, etwas zu unternehmen“, erklärt auch Danzl. Es sei in dieser Situation zwingend notwendig, den Protest der Bürger zu bündeln und auf die Straße zu bringen, um diesem Gewicht zu verleihen und ein Gesicht zu geben.

Dazu möchte die BI Feucht künftig eng mit den übrigen Bürgerinitiativen zusammenarbeiten. Bevor konkrete Aktionen folgen, wird die BI kommenden Dienstag um 19 Uhr in der Reichswaldhalle ihre Sprecher wählen. CSU-Gemeinderat Danzl und sein Kollege Klier von der SPD werden sich jedoch von nun an im Hintergrund halten, um einem eventuellen Interessenkonflikt mit ihrer politischen Aktivität vorzubeugen. „Das muss in Bürgerhand bleiben“, findet Danzl. „Nun haben wir den Startschuss gegeben, jetzt sind andere an der Reihe.“

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren