Heftiger Streit entbrannt

Trassengegner gegen Bürgerinitiative

Die geplante Juraleitung sorgt weiter für Zündstoff. | Foto: peterschreiber.media/stock.adobe.com2020/08/NL-Stromtrasse-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Aktionsbündnis wirft Allianz P53 vor, die Juraleitung zu favorisieren und die Gesundheit der Bevölkerung auf‘s Spiel zu setzen.

Hubert Galozy von der Bürgerinitiative Leinburg geht nach einem Treffen mit Tobias Gotthardt, MdL Freie Wähler, mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit, in der er Vorwürfe gegen die Bürgerinitiative P53 Allianz erhebt. Galozy und Gebhardt lehnen neue Stromtrassen ab. Das unterscheide sie „von lokalen Bemühungen einiger St. Floriansverfechter auch bei uns im lokalen südlichen Landkreis“, so Galozy.

Hubert Galozy (links) und MdL Tobias Gotthardt (Freie Wähler) sind sich einig: „Die Juraleitung ist überflüssig.“ Markus Reuter warnt als Sprecher der Allianz P53 dagegen vor Fundamental-Opposition. | Foto: privat2020/08/Hubert-Galozy-links-Tobias-Gotthardt-rechts-1.jpg

Aktuell gründen sich neue Bürgerinitiativen in Feucht und Burgthann. Diese lehnen aber nach Auskunft von Galozy eine Zusammenarbeit mit der P53-Allianz ab. Die würde nämlich „nachweislich den Trassenneubau der Juraleitung favorisieren“. Die P53 Allianz würde Umweltzerstörung und eine gesundheitliche Gefährdung durch eine Aufrüstung der 7-fachen Stromstärke und 11-fachen Leistung der neuen Juraleitung in Kauf nehmen, wirft Galozy der P53 Allianz vor.

Petitionen an Landtag und Bundestag

Ein Vorwurf, den Markus Reuter so nicht stehen lassen will. „Es sind doch gerade die gesundheitlichen Gründe, die uns dazu bewegen, mit Nachdruck Mindestabstände für die Trassen zu fordern“, sagt der Sprecher der P53 Allianz im Gespräch mit dem Boten. In Petitonen an Landtag und Bundestag hat sich die P53 Allianz für diese Mindestabstände eingesetzt. Reuter weist auch darauf hin, dass das Planfeststellungsverfahren bevorsteht und bemüht das Bild vom heranrollenden Zug: „Da kann ich mich auf die Gleise legen und werde überrollt, ich kann aber auch eine Weiche einbauen.“

MdL Tobias Gotthardt (Freie Wähler) erklärte kürzlich bei einer Kundgebung in Berching die neue Juraleitung erneut für überflüssig. Diese und andere Trassen könnten jedoch nur durch politischen Beschluss in Berlin im Bundestag rückgängig gemacht werden. Deshalb vereinbarte die Allianz der Trassengegner, in Berlin vor dem Reichstag zu demonstrieren. Hubert Galozy zitiert das Ergebnis des Energiegipfels 2019 im Bayerischen Wirtschaftsministerium: „Stromverbraucher in Deutschland können mit Blick auf Angebot und Nachfrage unter Berücksichtigung des europäischen Strommarktes bis 2030 jederzeit sicher versorgt werden.“

Das gehe schon jetzt mit den bestehenden Leitungen, denn keine der großen Übertragungsleitungen werde bis 2030 fertig gestellt sein. Deshalb bringt es laut Galozy nichts, Trassenvarianten an Ministerpräsident Söder zu übergeben. Er spielt damit auf die Aktion von Oliver Siegl, Harald Danzl und Herbert Bauer an, die in Feucht Briefe der örtlichen CSU und von Sportvereinen an Söder übergeben hatten (wir berichteten). Es gehe vielmehr darum, die Trasse generell abzulehnen. Mit Netzbauer Tennet zu verhandeln sei nicht zielführend. Geforderte Abstände könnten ohnehin nicht ausreichend in dicht besiedeltem Gebiet um Nürnberg eingehalten werden. Reichswald müsse dafür ebenfalls zerstört werden. In Feucht habe man sich deshalb bei einer Bürgerveranstaltung für das Motto: „Rettet den Reichswald – stoppt die Stromtrasse!“ entschieden.


Wenn Reuter die Fundamental-Opposition hört, ist er skeptisch. „Natürlich würden wir auch gerne auf die Juraleitung verzichten, auch auf die Gleichstromtrasse“, sagt er. Aber einfach zu behaupten, die P53 sei überflüssig, ist nach Reuters Überzeugung unseriös. Während Galozy und seine Mitstreiter auf die Rücknahme des Gesetzes für den P53 Ausbau hinwirken wollen, sieht Reuter hier wenig Spielraum. Auch Galozys immer wieder vorgebrachter Vergleich mit Wackersdorf, das auch als Aufbereitungsanlage verhindert wurde, weil der Bundestag ein Gesetz kassierte, hinkt nach Reuters Überzeugung. Außerdem sei es das beste Beispiel für ein Sankt-Florians-Prinzip: Weil in Deutschland keine Wiederaufbereitungsanlage gebaut wurde, kamen die abgebrannten Brennstäbe aus den Atomkraftwerken jahrelang in eine Anlage nach Frankreich.

Wir sind keine Tennet Freunde“, weist Reuter den Vorwurf zurück, dass die P53 Allianz nicht radikaler gegen den Bau der Juraleitung agiert. „Uns geht es um die Sache.“

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