BI-pocht bei Planung der Stromtrassen auf Einhaltung der Mindestabstände

„Das ist aktive Gesundheitsvorsorge“

Die Pfaffenherdsiedlung in Ezelsdorf: Hier verläuft die Starkstromtrasse mitten durchs Wohngebiet. Bei einer Aufrüstung auf 380 Kilovolt, das fordert die BI „Ezelsdorf unter Strom“, müssen die Leitungen aus dem Ort heraus. Foto: Blinten2019/01/Ezelsdorf-Protest-1.jpg

EZELSDORF – „TenneT steht mit uns in intensivem Kontakt“, betonte Bürgermeister Heinz Meyer auf der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative BI-Allianz P53 im Ezelsdorfer Gemeindehaus. Sein Kollege Horst Kratzer aus Postbauer-Heng verwies auf die von TenneT veröffentlichte Zeitplanung, nach der bereits Ende dieses Jahres der Netzbetreiber die Antragsunterlagen an die Raumordnungsbehörden übergeben möchte.

Der Sprecher der Bürgerinitiative „Ezelsdorf unter Strom“ sowie der BI-Allianz P53, Markus Reuter, machte vor rund 100 Zuhörern deutlich, dass dem Netzbetreiber für Bürgerbeteiligungsformate nicht mehr viel Zeit geblieben ist. Bürgermeister Meyer verwies auf die Möglichkeiten im Raumordnungsverfahren diesem Bürgerrecht nachzukommen. Dr. Jürgen Rupprecht, Marktgemeinderat aus Postbauer-Heng und Sprecher der Bürgerinitiative Postbauer-Heng, ließ das nur mit großer Einschränkung gelten.
Zusammen mit dem Heimatministerium habe die BI-Allianz P53 bei mehreren Treffen mit TenneT die Erfahrung gemacht, dass das Schutzgut Mensch keine priorisierte Rolle bei der Trassenneuplanung spiele, sagt Reuter. Es sei die Angst des Netzbetreibers, dass Projektkosten von der Bundesnetzagentur nicht oder nur ansatzweise akzeptiert werden, wenn der Netzbetreiber außerhalb der bestehenden Trasse plant.
Beide Bürgermeister bekräftigten, dass auf jeden Fall der Wohnbevölkerung absoluter Vorrang eingeräumt werden muss. Beide Gemeindevertreter unterstützen mit Nachdruck die Forderung der BI-Allianz P53 nach Einhaltung der im Landesentwicklungsplan (LEP) genannten Mindestabständen von 400m/200m zwischen Höchstspannungsleitungen und Wohnbevölkerung. Diese Zusage erhielt die Allianz auch im Sommer 2018 mit einem jeweils fraktionsübergreifenden Beschluss sowohl vom Kreistag des Nürnberger Landes, als auch des Kreistages von Roth. Ende Januar 2019 wird die Allianz einer Einladung zum Gespräch des Landrates von Neumarkt i.d. Opf., Willibald Gailler, folgen. Eine feste Gesprächszusage haben die Vertreter der Allianz auch von Staatsminister a.D., Erwin Huber, dem ehemaligen Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses des Bayerischen Landtages und dessen Nachfolger erhalten. Die BI-Allianz möchte auf die zwingende medizinische Notwendigkeit hinweisen, dass die Mindestabstände nicht nur als „Soll-Vorschrift“, sondern wie in Niedersachsen auch, als „Muss-Vorschrift“ eingehalten werden müssen.
„Gemeinden, die die bestehende und ebenfalls bereits aufgrund fehlender Mindestabstände gesundheitskritische Höchstspannungsleitung P53 aus dem Ortsinneren verlegen möchten, verschieben keine Trassen nach dem St. Florian-Prinzip, sondern praktizieren aktive Gesundheitsfürsorge für die Wohnbevölkerung, die in den Jahrzehnten vorher von den Verantwortlichen sträflich vernachlässigt wurde“, sagt Reuter. Ziel sei die Reduktion der medizinischen Betroffenheit auf null, was nur durch die konsequente Einhaltung der genannten Mindestabstände gewährleistet ist.
Die BI-Allianz P53 spricht sich in Abstimmung mit dem Bund Naturschutz Nürnberg und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Roth für die auch in anderen Bundesländern praktizierte Waldüberspannung bei der Trassenfindung aus. Bei der (von TenneT bislang ausschließlich praktizierten) konventionellen Trassenplanung werden 135 ha des Reichswaldes zum Opfer fallen, da die alte Leitung erst nach Errichtung der neuen Leitung abgebaut werden würde. Die BI-Allianz ergreift lediglich für die Waldüberspannung bislang Partei, selbst wenn bei konventioneller Technik deren Masten rund 100m hoch sein werden. Für sie hat das Schutzgut Mensch und Natur absolute Priorität.

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