Politik und Bahn stellen erste Pläne für die Strecke rechts der Pegnitz vor

Weichen für Elektrifizierung sind gestellt

Die Deutsche Bahn (links Matthias Trykowski, Gesamtprojektleiter Bahnausbau Nordostbayern, daneben Klaus-Dieter Josel, DB-Bevollmächtigter für Bayern) und der Freistaat (rechts Stefan Schell vom Verkehrsministerium) stellten erste Pläne für die Elektrifizierung der Strecke rechts der Pegnitz vor. Landrat Armin Kroder (2. von rechts) freut sich darauf. | Foto: Kirchmayer2020/05/Elektrifizierung-Bahn-rechts-Pegnitz-Trykowski-Josel-Kroder-Sch-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Seit über zehn Jahren beschäftigt den Landkreis das Thema Elektrifizierung der Bahnstrecke rechts der Pegnitz. Nun kommt Bewegung in das Projekt: Am Montagmittag haben Bahn und Freistaat in Lauf ihren Willen bekundigt, auf der Strecke von Nürnberg bis Schirnding in Oberfranken an der tschechischen Grenze, auf Strom statt Diesel zu setzen. Wann es konkret soweit sein könnte, dazu halten sich die Beteiligten noch bedeckt.

Zum Pressetermin im Laufer Rathaus waren ein Vertreter des Freistaates Bayern und hochrangige Bahnmitarbeiter sowie Landrat Armin Kroder gekommen. Auch Laufs Bürgermeister Thomas Lang und sein Vorgänger Benedikt Bisping, der sich vehement für die Elektrifizierung der Strecke bis Hof eingesetzt hatte, nahmen teil.

Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für den Freistaat Bayern, sagte, die Bahn werde ihrer Verantwortung gerecht, man habe sich selbst ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Das Unternehmen will bis 2038 auf 100 Prozent Ökostrom setzen. Für die Region habe das Projekt viele Vorteile, darunter weniger Lärm und sauberere Luft im Pegnitztal.

Von Hof bis Dresden

Stefan Schell, Leiter des Bereichs Schieneninfrastruktur und Eisenbahnwesen beim Bayerischen Innen-, Bau und Verkehrsministerium, der als Vertreter der Staatsregierung nach Lauf gekommen war, betonte, wie wichtig die „Franken-Sachsen-Magistrale“ für das Kabinett sei.

Die Route, die bisher nur von Hof bis Dresden elektrifiziert ist, verbindet nicht nur zwei Bundesländer, sondern auch die Bundesrepublik bei Schirnding mit Tschechien. Schell sagte, die Strecke habe eine „sehr hohe außenpolitische Bedeutung für uns“, die Elektrifizierung sei für die Umwelt und Wirtschaft wichtig.

Effiziente Lösung

Der größte Teil des Schienennetzes im Raum Nürnberg sei bereits elektrifiziert, im Nordosten werde noch vermehrt auf Dieselloks zurückgegriffen. Bayern hinke beim Elektrifizierungsgrad hinterher, so Schell, die Umstellung sei „die effizienteste Lösung für die meisten Strecken“ und „anwohnerfreundlich“.

Man werde viel Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern können, so Matthias Trykowski, der Gesamtprojektleiter für den Bahnausbau Nordostbayern. Er warb aufgrund „höherer Geschwindigkeiten und höherer Zuverlässigkeit“ für Strom- statt Dieselloks, zudem sei dadurch eine bessere Anbindung an das bestehende Netz gegeben.

Kosten von über einer Milliarde Euro

Aktuell rechne man mit Kosten von weit über einer Milliarde Euro für den Ausbau der rund 140 Kilometer langen Strecke von Nürnberg nach Schirnding. Für das obere Pegnitztal mit seinen historischen Bahnbrücken gebe es zwei Alternativen: Entweder einen Umbau der Strecke samt Ausbau von sieben Tunnels – die von Landrat Armin Kroder favorisierte Möglichkeit, weil so die dortigen Gemeinden weiter angebunden wären. Oder eine Umgehung mittels eines rund 5,5 Kilometer langen Tunnels zwischen Vorra und Neuhaus.

Achim Saßmannshausen, Leiter der Bahnstromleitungen DB Energie, bezeichnete die Elektrifizierung einen „Schritt für den Klimaschutz“, die DB wolle langfristig klimaneutral unterwegs sein. Strom soll an verschiedenen Punkten eingespeist werden, ein Schaltwerk soll in Ottensoos entstehen.

Mobilität und Klimaschutz

Landrat Armin Kroder nannte die Elektrifizierung der Bahnstrecke Lauf rechts die „wahrscheinlich wichtigste Infrastrukturmaßnahme seit Jahrzehnten im Nürnberger Land“, Mobilität und Klimaschutz hätten „höchste Priorität“.

Er drückte den Wunsch aus, dass als nächster Schritt die Nebenstrecke ins Schnaittachtal ebenfalls elektrifiziert werden. Der Landkreis wünsche sich die Realisierung „so schnell wie möglich“, so der Landrat. Bahn und Freistaat erklärten ihre Bereitschaft, diese Nebenstrecke auch zu berücksichtigen.

Noch ist die Bahnstrecke in Lauf rechts der Pegnitz nicht elektrifiziert. Foto: Fischer2020/05/bahntrasse-bahn-lauf-rechts-diesel.jpg

Fünf bis zehn Jahre

Wie schnell das gesamte Projekt umgesetzt werden kann, wollte keiner der Anwesenden beantworten. Es gehe um mehrere Jahre, konkreter will sich die Bahn nicht äußern. Kroder sagte, er hoffe auf eine Realisierung in den nächsten fünf Jahren, zehn seien aber realistischer.

Laufs Bürgermeister Thomas Lang sagte im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung, durch die Elektrifizierung werde man „näher an Nürnberg und die Hersbrucker Schweiz heranrücken“. Er erwartet dadurch eine höhere Taktung, was etwa der Schülerbeförderung zugute kommen dürfte. Die Stadt Lauf werde von dem Projekt profitieren.

Das gelte für jede Kommune entlang der Strecke, sagte Landrat Kroder. So sei eine Anbindung an das S-Bahn-Netz für Gemeinden „von hoher Bedeutung“, um die Attraktivität gerade für Jüngere zu steigern. Auch Betriebe würden profitieren, da sie von Nürnberg und dem Umland aus schneller erreichbar seien.

„Ganz wichtiger Meilenstein“

Als „ganz wichtigen Meilenstein“ bezeichnete Langs Vorgänger Benedikt Bisping die Pressekonferenz. Der Gang an die Öffentlichkeit zeige: „Es gibt keinen Weg mehr zurück, der Zug rollt in die richtige Richtung“, so der Grünen-Politiker, der sich als Bürgermeister zwölf Jahre lang für das Projekt stark gemacht hatte und von seinem Nachfolger zu dem Termin eingeladen worden war. „Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich das mit begleite“, so der Bahn-Enthusiast Bisping. Er sieht durch die Umstellung auf Strom „ganz wertvolle Perspektiven auch für den Güterverkehr“, gerade über die Grenze in die Tschechei.

„Mit dem heutigen Tag beginnt unsere Kommunikation mit der Öffentlichkeit“, so Klaus-Dieter Josel von der DB. Ab Juni wolle man auf die Bürger zugehen, durch deren Heimat die Bahnstrecke verläuft – aufgrund der Coronakrise und den Einschränkungen zunächst via Internet. Konkretes will die Bahn in Kürze bekannt geben.

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