Schnaittacher Doppelmord

Verfahren gegen Stephanie P. wird erneut aufgerollt

Mordprozess
April 2019: Das Landgericht verurteilt die beiden Angeklagten zu lebenslangen Haftstrafen. | Foto: PZ-Archiv/Beck2019/12/Andreas-Sichelstiel-JAHRESRUCKBLICK-placzek-mord-prozess.jpg

NÜRNBERG/KARLSRUHE — Die Revision von Stephanie P. war – zumindest in Teilen – erfolgreich: Der Bundesgerichtshof hat dem Landgericht Nürnberg-Fürth einen „Wertungsfehler“ bei der Strafzumessung attestiert. Damit muss die Rolle, die die zum Tatzeitpunkt 23-Jährige nach dem Schnaittacher Doppelmord gespielt hat, noch einmal unter die Lupe genommen werden.

Die Karlsruher Richter hoben das Urteil gegen Stephanie P. in ihrem Beschluss vom 30. Januar teilweise auf und verwiesen das Verfahren an das Landgericht Nürnberg-Fürth zurück. Eine zweite Kammer muss sich noch einmal mit der Strafzumessung befassen – das Schwurgericht hatte Stephanie P. im April 2019 zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Anstiftung zum Mord in zwei Fällen verurteilt.

Am Schuldspruch selbst hat der Erste Strafsenat des BGH nichts auszusetzen. Es geht ihm nur um die Abwägung der für und gegen die Verurteilte sprechenden Tatumstände und die damit verbundene Festsetzung des Strafmaßes.

Wörtlich heißt es im Beschluss aus Karlsruhe, dass das Landgericht einen möglichen Strafmilderungsgrund „rechtsfehlerhaft nicht zu Gunsten der Angeklagten in den Blick genommen“ und dabei sein Ermessen „nicht erkennbar“ ausgeübt habe. Dreh- und Angelpunkt ist §46b des Strafgesetzbuches, „Hilfe zur Aufklärung“ von schweren Straftaten.

Stephanie P. habe, so der BGH, „unmittelbar nach ihrer Festnahme freiwillig Angaben zur Tatbegehung durch den Mitangeklagten, zum Fundort der Leichen und zu den ihr vom Mitangeklagten erteilten Informationen zum Tathergang gemacht“. Die damals 23-Jährige hatte also umfangreich gegen Ingo P., ihren Mann, ausgesagt. Während dieser den Mord an seinen Eltern bis zuletzt abstritt, kooperierte Stephanie P. mit den Ermittlern – obwohl sie sich selbst nicht belastete.

Damit hätte sich das Schwurgericht in seinem Urteil auseinandersetzen müssen, finden die obersten Richter.

Ein milderes Urteil?

Ob die Schnaittacherin in der erneuten Verhandlung mit einer milderen Strafe davonkommt, ist offen. Laut Richter Friedrich Weitner, dem Sprecher des Landgerichts Nürnberg-Fürth, könne am Ende auch wieder eine lebenslange Haftstrafe stehen. Allerdings wird sich die Kammer intensiv mit Stephanie P.s Verhalten nach der Tat befassen und dazu möglicherweise noch einmal Zeugen vernehmen müssen.


Wann das Landgericht den Fall zum zweiten Mal aufrollt, steht derzeit nicht fest. Stephanie P. bleibt nach wie vor in Haft.

Die erste Verhandlung im Frühjahr 2019 hatte für viel Aufsehen gesorgt. Ursache dafür war vor allem der Umstand, dass das Ehepaar vor seiner Verhaftung noch Interviews gegeben hatte. So baten Stephanie und Ingo P. unter anderem im Franken Fernsehen und in der Pegnitz-Zeitung um Spenden für die Suche nach den Eltern beziehungsweise Schwiegereltern. Diese waren von ihnen als vermisst gemeldet worden. Doch die Leichen befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits eingemauert in einem Anbau der Garage.

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