Schnaittacher Ehepaar vor Gericht

Doppelmord-Prozess bringt grausige Details ans Licht

Ingo P. betritt am ersten Prozesstag den Schwurgerichtssaal 600 in Nürnberg. | Foto: Kirchmayer2019/03/Ingo-P-verschwommen-vor-Gericht-Mordprozess-Schnaittach-kir.jpg

SCHNAITTACH/NÜRNBERG — Seit zwei Wochen stehen Ingo und Stephanie P. aus Schnaittach wegen zweifachen Mordes vor Gericht. Das junge Paar soll die Eltern des damals 25-Jährigen umgebracht und die Leichen auf dem gemeinsamen Anwesen in einem Schnaittacher Wohngebiet versteckt haben. Kurz darauf heirateten sie und meldeten die Eltern als vermisst. Die Pegnitz-Zeitung fasst zusammen, was an den ersten sieben Verhandlungstagen passiert ist.

Wer steht vor Gericht?

Ingo P. und seine Ehefrau Stephanie P. aus Schnaittach. Der 26-Jährige und die 23-Jährige, die aus einem Burgthanner Ortsteil stammt, wurden am 22. Januar 2018 auf offener Straße von der Polizei festgenommen. Beide sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Am 21. Februar 2019 begann die Hauptverhandlung vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth.

Was wird ihnen vorgeworfen?

Sie sollen gemeinsam den Mord an Ingo P.s Eltern Elfriede und Peter P. geplant haben. Ingo P. soll seine Eltern in der Nacht auf 14. Dezember mit einem Zimmermannshammer erschlagen haben. Zuvor waren zwei Mordversuche mit Gift an der 66-jährigen Mutter gescheitert, so die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift. Nach den Taten sollen die beiden die Eltern in einem Anbau der Garage eingemauert haben. Das junge Paar, das erst seit Mai 2017 zusammen war, heiratete Ende Dezember und behauptete, die Eltern seien von einem spontanen Urlaub nicht zurückgekehrt. Die Staatsanwaltschaft hält die 23-Jährige für die treibende Kraft hinter den Morden.

Wie sollen die Morde geschehen sein?

Ingo P. soll erst seine in ihrem Bett auf dem Rücken liegende Mutter mit einem Zimmermannshammer erschlagen haben. Ein Rechtsmediziner sagte vor Gericht aus, mindestens 15 Mal sei auf den Kopf der 66-Jährigen eingeschlagen worden. Sie konnte später nur mittels DNA identifiziert werden. An ihren Unterarmen gibt es Abwehrverletzungen, die Rentnerin war also wach oder wachte auf, als es passierte. Daraufhin soll Ingo P. seinen Vater, der ins Schlafzimmer kam, mit dem Hammer angegriffen haben. Es entwickelte sich ein Kampf, der über den Flur bis ins Esszimmer führte. Dort soll Ingo P. seinen Vater mit Schlägen auf den Hinterkopf getötet haben.

Was passierte mit den Leichen und der Tatwaffe?

Die Polizei fand die Leichen am Tag der Festnahme am 22. Januar 2018 hinter einer neu errichteten Mauer in einem Anbau der Garage auf dem Anwesen in Schnaittach. Beide waren in Plastikfolie eingewickelt. In die Münder waren Plastiktüten gestopft worden. Außerdem hatten die Leichen Plastiktüten über dem Kopf, die mit Klebeband befestigt waren. Auf einem Klebeband fanden die Ermittler einen Fingerabdruck von Ingo P. Der Zimmermannshammer befand sich ebenfalls in dem Garagenanbau, in einer Pkw-Grube. Er war in blutverschmiertes Bettzeug eingewickelt.

Haben sich die Angeklagten zu den Anschuldigungen geäußert?

Vor Gericht schweigen beide. Stephanie P. hat sich allerdings unmittelbar nach der Verhaftung geäußert. Sowohl in einem Polizeiverhör, als auch vor einem Ermittlungsrichter. Vom Verhör der Polizei gibt es eine Videoaufzeichnung, die vor Gericht gezeigt wurde. Darin behauptet die damals 22-Jährige, sie habe im Vorfeld der Morde nichts von den Plänen ihres damaligen Verlobten gewusst. Hinterher habe er sie gezwungen, ihm bei der Beseitigung der Spuren zu helfen. Er habe sie eingesperrt und misshandelt. Ingo. P. soll gedroht haben, sie ebenfalls umzubringen, wenn sie ihm nicht hilft oder ihn verrät. Der 26-Jährige hat in einem Brief aus dem Gefängnis an seine Ehefrau geschrieben, er wolle eigentlich aussagen, aber sein Anwalt habe es ihm verboten.

Welches Motiv gibt es für die Morde?

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass Elfriede P. mit der Partnerin ihres Sohnes nicht einverstanden war. Das geht aus Zeugenaussagen von Bekannten und Nachbarn hervor. Auch Habgier steht als Mordmerkmal in der Anklageschrift. Ingo und Stephanie P. sollen Geldprobleme gehabt haben.

Wer hat bisher ausgesagt?

Als Zeugen geladen waren bisher unter anderem Nachbarn, Polizeibeamte, Rechtsmediziner, Angestellte des Marktes Schnaittach und Bürgermeister Frank Pitterlein sowie Familienangehörige. Geladen waren auch die Eltern der Angeklagten, doch sie machten von ihrem Recht Gebrauch, nicht auszusagen.

Was berichten die Nachbarn?

Elfriede P. soll einen Putzfimmel gehabt haben und sich über den mangelnden Ordnungssinn der Partnerin ihres Sohnes beklagt haben. Die Beziehung von Vater und Sohn beschreiben die Nachbarn als sehr harmonisch. Nach den Morden fiel auf, dass das Fenster im Schlafzimmer der Eltern gekippt und die Jalousien heruntergelassen waren. Einem Nachbarn erzählte Ingo P. nach der Tat, seine Eltern seien nach Kassel zu Bekannten gereist.

Was hat es mit den Giftmordversuchen auf sich?

Bereits im Herbst 2017 soll Ingo P. seiner Mutter einen mit giftigen Pflanzensamen versetzten Muffin angeboten haben. Die Frau hatte zwar Vergiftungserscheinungen, starb jedoch nicht. Am 12. Dezember, also kurz vor den Morden, soll Ingo P. mindestens seiner Mutter eine mit GBH vergiftete Tasse Kaffee angeboten haben. Der Geschmack war aber so auffällig, dass die Rentnerin davon nur einen Schluck trank.

Welche Rolle spielen das Internet und Handynachrichten?

Die Ermittler haben Chats der beiden Angeklagten und deren Browserverlauf ausgewertet. Unter anderem hat sich das Paar über giftige Pflanzensamen und GBL/GBH, besser bekannt als „Liquid Ecstasy“, informiert. Nach den Morden tauschten die Verlobten Internet-Links darüber aus, wie man am Besten Blutspuren beseitigt. Wer wann welche Reinigungsarbeiten am Tatort durchführt, wurde ebenfalls über eine Handynachricht mitgeteilt. Stephanie P. scheint in ihrer Ehe aber schon wenige Tage nach der Hochzeit nicht glücklich gewesen zu sein. Bereits an Silvester 2017 meldete sie sich bei einem Flirtforum an, kurz nach Neujahr googelte sie, wie man eine Ehe auflösen kann.

Wie verhielt sich das junge Paar nach der Tat?

Weihnachten feierten beide im Kreis der Familie von Stephanie P. in einem Burgthanner Ortsteil. Am 28. Dezember meldete Ingo P. seine Eltern als vermisst, am 29. Dezember heiratete er seine Verlobte auf dem Standesamt in Schnaittach. Laut Nachbarn schoss das Ehepaar in der Silvesternacht gut gelaunt gemeinsam Raketen in die Luft. Außerdem kauften sich die beiden zwei Hundewelpen.

Hatten Ingo und Stephanie P. nach der Festnahme noch Kontakt?

Beide saßen in Gefängnissen in verschiedenen Städten, doch das Paar hat sich Briefe geschrieben. Stephanie P. schrieb ihrem Mann beispielsweise, sie liebe ihn noch. Die Angeklagte schrieb aber auch einem anderen Mann einen romantischen Brief. In diesem versprach sie gemeinsame Unternehmungen nach ihrem Freispruch.

Welche Rolle spielen die Medien?

Ingo und Stephanie P. gaben im Januar dem Sender Franken Fernsehen ein TV-Interview in dem Schnaittacher Anwesen. Zu diesem Zeitpunkt handelte es sich noch um einen Vermisstenfall. Der Angeklagte sprach auch mit der Pegnitz-Zeitung und anderen Medien und bat um Spenden für die Suche nach seinen Eltern. Das TV-Interview wurde als Beweis vor Gericht gezeigt.

Wann geht der Prozess weiter?

Insgesamt sind 21 Verhandlungstage angesetzt. Weiter geht es am 18. März im Schwurgerichtssaal 600 in Nürnberg, letzter Termin ist der 30. April.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer