Gemeinde entfernt Ghostbike

Räder der Erinnerung

Dieses Ghost Bike stand bis vor Kurzem noch an der Unfallstelle kurz vor Pfeifferhütte. | Foto: Frank Weißenberger2021/06/Schwarzenbruck-Ghost-Bike-Pfeifferhuette-Unfall-2020.jpg

SCHWARZENBRUCK – Manch einer kennt das Bild. Man fährt durch eine Stadt oder übers Land und am Straßenrand steht ein komplett in Weiß gestrichenes Fahrrad. Es ist meist an ein Straßenschild gekettet und hat einen Text angeheftet. Dabei handelt es sich um sogenannte Ghost Bikes.

Ein Phänomen, das seinen Ursprung in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri hat. „Das sind einerseits Gedenkstätten für verunglückte Fahrradfahrer und andererseits ein Warnsignal für Gefahrenstellen“, erklärt Frank Weißenberger, passionierter Radler aus Burgthann. Er steht an der Stelle, wo bis vor kurzem auch ein Ghost Bike installiert war. Aufgestellt für eine Frau, die auch er persönlich kannte. Das ist einer der vielen Gründe, warum sich Weißenberger dafür einsetzt, dass Radfahren im Straßenverkehr sicherer wird. Auch hier an der Landstraße zwischen Burgthann und Schwarzenbruck, kurz vor Pfeifferhütte.

Frank Weißenberger kann nicht verstehen, dass das Ghost Bike an der Unfallstelle vor Pfeifferhütte abgebaut wurde. Foto: Johannes Gurguta2021/06/Schwarzenbruck-Ghost-Bike-Weissenberger-online.jpg

Aufmerksam wurde er auf die Ghost Bikes bei einem der vielen Critical Mass-Treffen, denen er regelmäßig beiwohne. „Das sind große Zusammenkünfte von Radfahrern, bei denen Präsenz gezeigt wird und der Stadt Verbesserungsvorschläge für Radwege aufgezeigt werden“, erklärt er. Das solle keineswegs gegen Autofahrer gerichtet sein, sondern habe lediglich das Ziel, den Straßenverkehr für alle sicherer zu machen. Und genau dieses Ziel verfolge man auch mit dem Aufstellen von Ghost Bikes. „Es hat Signalwirkung, weil Autofahrer langsamer fahren, wenn sie eines sehen, und Radfahrer vorsichtiger sind“, erzählt Weißenberger. Deshalb sei es nicht nur wichtig, welche aufzustellen, sondern sie auch stehen zu lassen und darauf aufmerksam zu machen.

Aus diesem Grund wird international auch der Ride of Silence veranstaltet. Diese Fahrraddemo fand dieses Jahr am 19. Mai statt und auch Frank Weißenberger fuhr durch Nürnberg. „Die Ghost Bikes werden aufgehübscht und man zeigt den Unfallopfern Respekt!“ In Nürnberg stehen schon einige weiße Fahrräder, im Nürnberger Land ist das noch nicht verbreitet. Das solle sich ändern, meint Weißenberg. Gerne würde er für einen Jungen in Feucht, der vor einigen Wochen bei einem Unfall gestorben ist, ein Ghost Bike aufstellen. „Das muss aber immer erst mit den Eltern und Angehörigen abgesprochen werden“, erklärt er.

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Aus Rücksicht auf Einsatzkräfte entfernt

Das sieht Markus Holzammer, der erste Bürgermeister von Schwarzenbruck, etwas anders. Er war als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr am Tag des Unfalls bei Pfeifferhütte vor Ort und erinnert sich noch gut daran. „Es war ein tragischer Tag und die Erinnerung daran schmerzt die Einsatzkräfte bis heute“, erklärt er. Erinnerungen an eine stundenlange Absperrung des Unfallorts, das verbogene Fahrrad der Verunglückten und die vergeblichen Wiederbelebungsversuche. Der Anblick des Ghost Bikes habe die Wunden immer wieder aufgerissen, bis es vor etwa einem halben Jahr entfernt wurde.

Für das Entfernen sei das Ordnungsamt zuständig gewesen. Niemand wusste, wer es aufgestellt hat und die Behörde habe es als unangebracht gesehen. „Die Blumen und Kerzen sind noch dort, und das reicht meiner Meinung nach als Gedenkort“, sagt Holzammer. Man müsse in diesem Fall auch an die Rettungskräfte denken, die sich nach dem Einsatz zusammensetzen mussten, um alles zu verarbeiten.

Obwohl der Unfall bei Pfeifferhütte im vergangenen Jahr bis jetzt ein Einzelfall sei, wolle man an dieser Stelle nachbessern. Es sei schließlich eine sehr beliebte und vielbefahrene Strecke, auch bei Touristen.

Warum ändert sich nichts an der Unfallstelle?

Auch Mario Rubel, Vorsitzender des Vereins Avanti aus Schwarzenbruck kennt das Phänomen Ghost Bike. „Das sind klare und sichtbare Zeichen mit Symbolkraft“, erklärt er. Er sieht diese Mahnmale als sehr wichtig an, auch wenn die Ursache dafür immer traurig sei. Er persönlich kann nicht ganz nachvollziehen, warum das Ghost Bike vor Pfeifferhütte entfernt wurde. „Es ist aber schlimm, dass sich dort an der Verkehrslage nichts ändert“, erzählt Rubel empört.

Vereinskollege Andreas Taschka kennt die Ghost Bikes vom Dutzendteich in Nürnberg. Er sehe es als eine schöne Geste zu einem leidvollen Ereignis. „Allein durch die weiße Farbe ist es weniger ein Mahnmal, als ein angenehmer Ort zum Gedenken“, erklärt er. Vor allem an Orten mit unübersichtlicher Verkehrslage, und wo es schon zu Unfällen kam, sei eine Warnung wichtig.

Verena Loibl, Radverkehrsbeauftragte des Landkreises kennt die problematische Stelle. „Es ist uns wichtig und ein Anliegen, dass das Radfahren sicherer gemacht wird“, erklärt sie. Ghost Bikes seien für sie nicht die passende Methode, da sie im Straßenverkehr auch ablenken können. „Ich habe jedoch schon Offenheit für ein Vorfahrt-gewähren-Verkehrsschild bekundet“, beteuert Loibl.

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