Altdorfer Grundschule ist nicht barrierefrei

Wenn der Weg zum Pausenhof versperrt ist

Hier gehts zum Pausenhof für die 3.- und 4.-Klässler - eine von mehrern Treppen in der Schule bzw. auf dem Schulgelände, die Luis mit seinem Rollstuhl nicht bewältigen kann. Seine Mutter Simone Kammerer weiß nun, dass die Einbauten von Aufzug und Rampen wohl erst nach dem Weggang von Luis fertigestellt sein werden. | Foto: Blinten2017/09/Luis.jpg

ALTDORF – Luis ist ein aufgeweckter fröhlicher Junge. Er hat viele Freunde in seiner Klasse an der Grundschule in Altdorf. In der Schule kann er aber nicht überall hin, nicht einmal auf den Pausenhof, auf dem die Drittklässler spielen.

Mit seinem Rollstuhl kommt er die Stufen nicht hinunter. Luis muss deshalb seine Pausen auf dem Schulhof für die Kleinen verbringen, zusammen mit seiner Klasse. Das hat Schulleiterin Carola Stöhr so angeordnet. An der Grundschule muss ganz viel umgebaut werden, damit für behinderte Kinder im Rollstuhl alle Bereiche zugänglich sind.

Rampe als Zugang

Eingebaut werden muss beispielsweise eine Rampe als Zugang zum Pausenhof für 3.- und 4.-Klässler. Die darf nicht mehr als sechs Prozent Gefälle haben und wird deshalb etwa 40 Meter lang sein – nur ein Beispiel für mehrere aufwändige Baumaßnahmen an der Schule, die demnächst anstehen.

Simone und Martin Kammerer beklagen, dass immer noch nichts unternommen wurde, um die Altdorfer Grundschule behindertengerecht umzubauen. „Man weiß doch schon lange, dass die Schule nicht barrierefrei ist,“ stellte die Mutter in Richtung Bürgermeister Erich Odörfer fest, der sich zusammen mit Bauamtsleiter Christian Konerth mit dem Elternpaar und Carola Stöhr in der Schule traf.

„Wir werden jetzt Gas geben“

Die Stadt habe nichts versäumt, erwiderte Odörfer, vielmehr sei man im vergangenen Jahr, als bekannt wurde, dass Luis auf einen Rollstuhl angewiesen sein würde, sofort tätig geworden. Wie mehrfach berichtet plant die Stadt Altdorf ohnehin eine großangelegte Sanierung und einen Umbau der Grundschule, die Arbeiten dafür müssen europaweit ausgeschrieben werden. Das ganze dauert. Als 2016 aber die Meldung von der Schule kam, dass mit Luis nun ein Kind im Rollstuhl da sei, habe die Stadt alle Baumaßnahmen im Zusammenhang mit einem barrierefreien Umbau aus der Gesamtmaßnahme herausgenommen und dafür einen Planer gesucht. Das sei nicht so einfach gewesen, weil angefragte Büros wegen Überlastung abgesagt hätten, erläuterte Odörfer. Jetzt hat man das Planungsbüro Schwarz beauftragt und hat endlich einen Zeitplan für Ausschreibungen und möglichen Beginn der Bauarbeiten. „Wir werden da richtig Gas geben“, versprach Bauamtsleiter Konerth. In den Sommerferien kommenden Jahres soll es losgehen.

„Erlebt Luis hier an der Grundschule noch die Fertigstellung?“ wollte Simone Kammerer nach der ausführlichen Erklärung von Bürgermeister Odörfer wissen. Vielleicht, so die vage Antwort des Bürgermeisters. Wegen der umfangreichen Arbeiten, für die im städtischen Haushalt 700 000 Euro bereit gestellt wurden, kann es durchaus sein, dass Luis die Grundschule bereits verlassen hat, bis man hier fertig ist. So sollen unter anderem ein Fahrstuhl und diverse Rampen eingebaut werden.

Barrierefreier Eingang

Es ist auch nicht so, dass an der Schule gar nichts geschah, nachdem Luis nicht mehr laufen konnte und auf den Rollstuhl angewiesen war. Darauf weist Schulleiterin Stöhr hin. So hat man unter anderem einen barrierefreien Seiteneingang geschaffen, der Zugang mit einem elektrischen Türöffner ermöglicht. Luis‘ Eltern haben auch ein dickes Lob für die Schule parat: „Das ist ganz toll, wie Luis hier geholfen wird“, sagt Simone Kammerer ausdrücklich.

Ihr Sohn leidet unter einer heimtückischen Krankheit, die seine Hüftknochen zerstört. Dabei sind die Ärzte bislang bei Ursachenforschung und Diagnose ratlos. Die Kammerers hatten eigentlich damit gerechnet, dass noch bis Ende dieses Jahres ein Aufzug in der Schule eingebaut werden könnte und staunten nicht schlecht, als sie vom Bürgermeister die langwierigen Abläufe von Planung, Vorlage im Stadtrat, Ausschreibung, Beauftragung usw. erfuhren. Auf den Fahrstuhl wollen die Eltern jetzt nicht mehr warten. Wäre der schnell eingebaut worden, hätten sie mit einer Operation für ihren Sohn noch einmal gewartet, jetzt melden sie ihn an einer Frankfurter Klinik an. „Es ist halt so, dass man Hüftoperationen für Kinder so weit wie möglich hinausschieben sollte“, sagt Simone Kammerer.

Luis hat zwischenzeitlich festgestellt, dass der Schulhof für die Kleinen doch eigentlich viel besser ist als der für die Dritt- und Viertklässler. Und viele in seiner Klasse, die zunächst über die ungerechte Behandlung murrten, dass sie mit den Kleinen ihre Pausen verbringen mussten, sind nun derselben Meinung. „Die Klasse hält gut zusammen“, freut sich Carola Stöhr. Sie will die Kinder demnächst darüber abstimmen lassen, welchen Pausenhof sie denn künftig benutzen wollen.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten