Einzelhandel Hersbruck

Einige bleiben für immer im Lockdown

Das Beautyhouse in der Poststraße gibt es nicht mehr. Und auch im Waffelhaus (Bild) ist Schluss. | Foto: A. Pitsch2021/04/IMG-8484.jpg

HERSBRUCK – Der Hersbrucker Teeladen hatte seine Schaufenster vor einiger Zeit verhängt, um auf die Folgen von Corona und Lockdown hinzuweisen. Bei einigen Geschäften in der Stadt werden die Scheiben nun tatsächlich dauerhaft dunkel bleiben.

So zum Beispiel beim Waffelhaus in der Poststraße. Hier hat sich Manja Fleischmann bereits Mitte Februar von ihren Kunden mit einem Zettel in der Tür verabschiedet: „Das Waffelhaus sagt Goodbye Hersbruck“, ist da noch immer zu lesen. Bestanden hatte es seit September 2019.

Nur wenige Meter weiter war das Beautyhouse“. Susanne Schulze hatte den Laden vor acht Jahren in Hersbruck eröffnet. Nun ist seit Anfang des Jahres Schluss. „Ich war 30 Jahre selbstständig, hatte teilweise zwei Geschäfte“, erzählt sie.

Langes Warten

Als der erste Lockdown kam, hatte sie zwei Mitarbeiterinnen; eine junge Frau hatte sie erst einen Monat vor der Schließung angestellt und auf eine teure Schulung geschickt, doch ein weiteres Anlernen war dann nicht mehr möglich, sagt sie. Sie habe sofort Corona-Hilfen beantragt, auch dann für November und Dezember. „Ich habe alles ziemlich spät bekommen“, aber es floss Geld. Wenn auch nicht genug. „Ich musste meine Altersvorsorge angreifen und erhalte zeitweise Grundsicherung vom Arbeitsamt.“

Doch das Finanzielle war bei Schulze nicht der ausschlaggebende Punkt, nicht mehr zu öffnen: „Bei mir war es eine psychische Sache, und ich bin zudem körperlich an meine Grenzen gekommen“, berichtet die 55-Jährige. Eine Mitarbeiterin wechselte den Beruf, weil es ihr bei Schulze zu unsicher war. Sie und die Teilzeitkraft versuchten, den Betrieb im 90 Quadratmeter großen Laden zu stemmen, aber „für eineinhalb Leute ist der zu groß“.

Angst vor dem Nochmal

Im Sommer sei sie sogar allein gewesen und habe 50 bis 60 Stunden an sechs Tagen die Woche durchgearbeitet, weil die Teilzeit-Angestellte wegen der zwei Kinder frei hatte. „Der Laden lief da richtig gut.“ Nur war damit die Arbeit nicht getan: Obendrauf kamen Büro und ein Umzug. Dazu die Frage: „Was mache ich, wenn so was nochmal ist?“ Sie habe ja eine Verantwortung für ihre Mitarbeiter und Kunden.

Denn für Letztere bedeute Beauty Entspannung. „Ich habe die Leute bei Laune gehalten und zum Lachen gebracht.“ Sie sei ja wie ein Friseur eine Art Psychologe für viele. Den Kunden nicht den gewohnten Komfort bieten zu können, belastete Schulze zusätzlich: „Ich war total am Limit.“ Für sich fand sie Stabilisierung bei energetischen Schulungen und mit der Tatsache, sich vom Laden zu trennen. Sie gibt weiterhin Schulungen, hat ein Kleingewerbe angemeldet und arbeitet regelmäßig in einem Studio in Nürnberg. „Die Verantwortung ist damit weg.“

Susanne Schulze ist froh, diesen Schritt gegangen zu sein, „auch wenn es schade ist“. Aber so ist es besser, als wenn man öffnen darf und keiner oder nur wenige kommen: „Die Politik schürt Verunsicherung.“ Und diese schlägt sich auch in Gerüchten nieder, wer noch so alles in Hersbruck wohl gar nicht mehr aufmachen wird. So steht beispielsweise am verwaisten Stadtcafé „Wir sind ab Februar im Lockdown“. Wer weiß, wie lange …

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