NÜRNBERGER LAND - Die unterschiedlichen Werte die LGL, RKI und das Landratsamt für die Sieben-Tages-Inzidenz liefern, verunsichern die Bevölkerung. Für die Diskrepanz gibt es mehrere Gründe.
Die Sieben-Tages-Inzidenz pro 100 000 Einwohner ist die wichtigste Kennzahl, wenn es darum geht, wie stark Kommunen zur Pandemie-Bekämpfung in die Freiheit ihrer Bürger eingreifen. Ausgerechnet hier kommt es laufend zu
Verwirrung, denn die
Zahlen, die das
Landratsamt, das
Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und das
Robert-Koch-Institut ausweisen, weichen zum Teil stark voneinander ab.
Auch zwischen den
Werten von vergangenen Mittwoch, 4. November, klafft eine gehörige
Lücke: Er liegt bei
105,3 (Landratsamt) beziehungsweise bei
78,5 (LGL). Der Inzidenzwert des RKI wird, Stand 5. November, 0 Uhr, mit
68,5 angegeben. Generell gilt: Die Zahlen des
Landratsamtes sind
aktueller und
spiegeln das Infektionsgeschehen vor Ort genauer wider. Die
offizielle Inzidenz, die auch
von den Kollegen der NN im Regionalteil veröffentlicht wird, ist jedoch
die des LGL beziehungsweise des RKI. Hier gilt jeweils der höhere Wert.
Zahlen des LRA sind am frischsten
Für die Daten-Diskrepanz gibt es nun
mehrere Gründe: Einer davon ist die
zeitliche Verzögerung, die bei der Übermittlung der Daten auftritt. Die
Zahlen, die das
Landratsamt Nürnberger Land täglich liefert, sind dabei am
frischsten. Das hat mit der Meldekette zu tun: Labore sind verpflichtet, bei einem positiven Coronatest das Gesundheitsamt zu verständigen. In der Fachabteilung des Landratsamts gehen die Befunde ein. Täglich um 14 Uhr stellt die Pressestelle daraufhin die Fallzahlen zusammen. „
Entscheidend ist für uns lediglich die Anzahl der Befunde“, erklärt Sprecherin Iris Bitzigeio.
Die Landratsämter sind wiederum verpflichtet,
Corona-Fälle an das
LGL zu
melden. Das geschieht elektronisch über eine Software. Die Zahlen, die das
LGL täglich um 14 Uhr veröffentlicht, bilden nur
den Stand von 8 Uhr morgens ab. Die
Infektionen, die in den
dazwischen liegenden sechs Stunden eingehen, werden somit erst wieder
am Folgetag (14 Uhr) erfasst. Aber: Bereits
am Abend zuvor gehen die zu diesem Zeitpunkt aktuellen
Zahlen vom LGL ans Robert-Koch-Institut, das wiederum den
Stand von 0 Uhr veröffentlicht. Alle Fälle, die beim Landesamt für Gesundheit eintreffen, nachdem an das RKI gemeldet wurde, tauchen nur in der LGL-Übersicht auf – aber nicht in der vom RKI.
Der Zeitpunkt ist entscheidend
Maßgeblich für die LGL-Statistik ist der Zeitpunkt, an dem der positive Laborbefund beim Gesundheitsamt aufschlägt. „
Dem LGL reichen die einfachen Befunde nicht aus, es akzeptiert Fälle nur, wenn bereits bestimmte Felder in unserem Computerprogramm ausgefüllt sind“, führt Bitzigeio aus. Die Gesundheitsämter seien gehalten, die Daten „
zeitnah“ einzugeben, meint das Landesamt.
Aber es könne auch zu
Verzögerungen kommen, wenn das
Nachverfolgen von Kontaktpersonen viele Ressourcen binde. Dieses habe Priorität. So kommt es, dass ein Fall nicht am selben Tag an das LGL weitergegeben werden kann. So ein Fall kann beim Landratsamt also in einer späteren Tageszusammenfassung landen, wird beim LGL dann aber dem tatsächlichen Meldetag zugeordnet. Damit verschiebt sich auch die Inzidenz. „
Plausibilitätsprüfung“ nennt das Landesamt diesen Vorgang, bei dem die Angabe kontrolliert und die Inzidenz berechnet wird.
Hinzu kommen immer wieder auftretende technische Schwierigkeiten, wie auch vergangenen Dienstag beim RKI.