Auftakt im Doppelmord-Prozess

Die Angeklagten schweigen

Im Schwurgerichtssaal 600: Ingo P. berät sich mit seinem Anwalt.
Im Schwurgerichtssaal 600: Ingo P. berät sich mit seinem Anwalt. | Foto: Beck2019/02/bild.jpg

NÜRNBERG/SCHNAITTACH — Unter großem Medieninteresse hat vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth der Prozess gegen ein Schnaittacher Ehepaar begonnen, dem ein blutiger Doppelmord vorgeworfen wird. Ingo P. soll seine Eltern mit einem Hammer erschlagen haben. War seine Frau die treibende Kraft dahinter?

Angeklagt sind der 26-jährige Ingo P. und seine drei Jahre jüngere Frau Stephanie wegen zweifachen Mordes. Außerdem wirft ihnen die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor.

Zum Auftakt erklärten beide über ihre Anwälte, dass sie sich nicht zu den Vorwürfen äußern werden. Das Gericht ist auf einen langen Prozess eingestellt, insgesamt sind 21 Verhandlungstermine anberaumt. Ein Urteil könnte demnach erst Ende April fallen.

Anfangs war es ein Vermisstenfall

Die Bluttat erschütterte im Januar vergangenen Jahres, als die Leichen der getöteten Elfriede (66) und Peter P. (70) gefunden wurden, nicht nur Schnaittach. Bundesweit wurde über den Fall berichtet. Dazu trug auch das Verhalten der Angeklagten bei: Sie hatten das Rentnerpaar als vermisst gemeldet. Mit einem dramatischen Appell wandte sich Ingo P. im Januar 2018 über Franken Fernsehen an die Öffentlichkeit, bat um Hinweise. „Wir vermissen sie schmerzlichst“, sagte er über seine Eltern, während seine Frau neben ihm auf dem Sofa saß. Auch der Pegnitz-Zeitung gab er ein Interview, es wurde telefonisch geführt.

Laut Staatsanwaltschaft war das vermeintlich vermisste Paar zu diesem Zeitpunkt bereits in einer Wand neben der Garage eingemauert. Die Leichen wurden schließlich bei einer Hausdurchsuchung von der Polizei entdeckt. Die Ermittler waren misstrauisch geworden, weil Spuren wohl nur recht laienhaft beseitigt wurden: Ingo und Stephanie P. sollen nach Angaben der Anklagebehörde gemeinsam Fußböden ausgetauscht, Wände und Möbel gestrichen haben.

Mitunter den Tränen nahe

Die Verlesung der Anklageschrift verfolgte Ingo P.  am Dienstagvormittag aufmerksam. Er schüttelte bei einzelnen Punkten immer wieder mit dem Kopf oder nickte, war mitunter sogar den Tränen nahe. Anders als seine Frau verbarg er sein Gesicht bei Betreten des Saals nicht hinter einem Aktenordner.

Der geschichtsträchtige Schwurgerichtssaal 600 – hier fanden die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse statt – war randvoll. Etwa 150 Zuschauer drängten sich auf den Bänken.

Stephanie P. verbarg ihr Gesicht hinter einem Aktenordner. Sie hat drei Verteidiger.
Stephanie P. verbarg ihr Gesicht hinter einem Aktenordner. | Foto: Beck2019/02/bild-2.jpg

Trotz Widerstands der Verteidigung von Stephanie P. entschied das Gericht, die Videoaufnahme einer Vernehmung bei der Polizei vorzuführen. Damals, kurz nach ihrer Festnahme, hatte sie ihren Mann stark belastet. Sie habe nur unter Zwang bei den Renovierungsarbeiten geholfen. Ingo P. habe gedroht, auch sie mit einem Hammer zu erschlagen. Schon damals hatte die Polizei Zweifel an dieser Version.

Die Anklage geht sogar davon aus, dass Stephanie P. die Taten vorangetrieben hat. Elfriede P. soll mit der Verlobung ihres Sohnes mit der Burgthannerin nicht einverstanden gewesen sein. Zudem brauchte das Paar wohl Geld, Ingo P. soll Schulden gehabt haben. In der entscheidenden Nacht war die 23-Jährige allerdings nicht in Schnaittach, sondern im Haus ihrer Eltern in Burgthann.

Zwei Mordversuche mit Gift?

Glaubt man der Staatsanwaltschaft, so stand der Entschluss zum Mord wenigstens an Elfriede P. Mitte Oktober 2017 fest. Das Internet spielte bei der Vorbereitung eine wichtige Rolle, haben die Ermittler recherchiert. Dort sollen sich die Angeklagten über die Wirkung von Giften und die Möglichkeiten, Leichen zu verstecken, informiert haben. Mit einer Mischung giftiger Pflanzensamen in einem Muffin sollte Elfriede P. Mitte November 2017 vergiftet werden. Die 66-Jährige hatte zwar Vergiftungserscheinungen, starb aber nicht.

Am 12. Dezember soll das junge Paar geplant haben, beiden Rentnern gleichzeitig eine tödliche Dosis der Chemikalie GBL/GBH („Liquid Ecstasy“) im Kaffee zu verabreichen. Die Zutaten hatte Stephanie P. am 5. Dezember bei Amazon bestellt. Elfriede P. trank von dem vergifteten Kaffee wegen des auffälligen Geschmacks aber nur einen Schluck. Als auch der zweite Giftmordversuch fehl schlug, soll ihr Sohn am Abend oder in der Nacht des nächsten Tages zu einem Zimmermannshammer gegriffen haben.

kir/as/abe

N-Land Pegnitz-Zeitung
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