Schädel zertrümmert

Todesursachen im Fall Placzek stehen fest

Schnaittacher haben Grablichter an der Gartentüre des Anwesens aufgestellt, in dem sich die Kapitalverbrechen zugetragen haben sollen. | Foto: Kirchmayer2018/01/Placzek-Haus-Grablichter-Schnaittach-Doppelmord-Vermisste.jpg

SCHNAITTACH — Das getötete Schnaittacher Ehepaar Elfriede und Peter Placzek wurde erschlagen. Die beiden Rentner starben an einem sogenannten Schädel-Hirn-Trauma aufgrund „massiver schwerer Gewalteinwirkung gegen den Kopf“. Das teilte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Mittwoch mit.

Dem 70-Jährigen und seiner 66-jährigen Frau sei mehrfach mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf geschlagen worden. Weitere Details zum Zustand der Leichen wollte Oberstaatsanwältin Anita Traud aus Pietätsgründen nicht nennen. Der weibliche Leichnam, bei dem es sich ohne Zweifel um Elfriede Placzek handelt, ist noch nicht abschließend identifiziert.

Ein Gegenstand, der von der Polizei sichergestellt worden war, kommt laut der Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, „als Tatwerkzeug in Betracht“. Ob es sich um einen Hammer handelt, wollte Traud nicht bestätigen. Aufgrund der Verletzungen könne nicht darauf geschlossen werden, wer zugeschlagen habe, so Traud.

Beschuldigte schweigen

Die beiden Beschuldigten, Ingo Placzek (25) und Stephanie Placzek (22), Sohn und Schwiegertochter der Opfer, die im gleichen Haus mit den Rentnern lebten, schweigen weiter zu den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gemeinschaftlichen Mordes in zwei Fällen gegen beide Beschuldigte. Das Paar hatte rund zwei Wochen nach dem Verschwinden der Eltern geheiratet.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die Bluttaten im Schlafzimmer der Getöteten verübt worden sind. Darauf deuteten „größere Renovierungsarbeiten“ in diesem Raum hin, die erst nach dem Verschwinden der Rentner vorgenommen worden seien, so Traud. Unter anderem sei das Schlafzimmer im Erdgeschoss neu gestrichen und Möbelstücke seien neu lackiert worden – offenbar, um Spuren zu verdecken. Der genaue Zeitpunkt der Tat steht nach wie vor nicht fest. Vermutlich geschahen die Taten bereits Mitte Dezember. Zum Motiv äußerte sich die Staatsanwaltschaft noch nicht.

Die Leichen der beiden Rentner waren nach der Tat in Folie eingewickelt und in einem Anbau der Garage auf dem Anwesen eingemauert worden. Sie waren am Montagmittag von der Polizei gefunden worden, etwa fünf Stunden nachdem das junge Paar festgenommen worden war.

Wie bereits berichtet, waren Ingo und Stephanie Placzek am Montag kurz vor acht Uhr auf dem Weg zur Laufer Polizeiinspektion. Wie die Pegnitz-Zeitung jetzt erfuhr, hatten die beiden Beschuldigten dort einen Termin mit einem Beamten der Kriminalpolizei Schwabach ausgemacht. Sie wollten sich offenbar darüber beraten lassen, wie sie gegen Anschuldigungen und Beleidigungen auf der Online-Plattform Facebook vorgehen könnten. „Den Termin hat man genutzt, um den Zugriff durchzuführen“, sagt Oberstaatsanwältin Traud. Ein Spezialeinsatzkommando hatte die beiden Beschuldigten nahe der Autobahnauffahrt Schnaittach festgenommen.

Kritik an Vorverurteilung

Unter dem Namen „Stephy Pequeña“ war Stephanie Placzek der geschlossenen Facebook-Gruppe „I Love Schnaittach“ beigetreten. Dort hatte es seit Bekanntwerden des Vermisstenfalles viele Spekulationen gegeben. Einige Mitglieder der Gruppe hatten früh den Sohn der Opfer und dessen Frau einer Gewalttat verdächtigt.

Daraufhin hatte Stephanie Placzek sich an die Gründerin und Administratorin der Gruppe, Nicole Dietrich, gewandt. Anschuldigungen in der Facebook-Gruppe seien „unerträglich und nicht gerechtfertigt“, hatte Placzek laut Dietrich geklagt. Die 22-Jährige soll in dem Chat mit der Administratorin berichtet haben, sie und ihr Mann könnten kaum noch schlafen, fühlten sich im Haus unwohl und gingen nicht zur Arbeit, weil die Situation sie so beschäftige.

Gegenüber der Administratorin der Facebook-Gruppe betonte die 22-Jährige, dass sie sich mit den Eltern ihres Partners gut verstehe. Sie habe sogar eine Eigentumswohnung aufgegeben, um mit ihrem Partner und seinen Eltern unter einem Dach in Schnaittach zu leben. Dietrich will die Chat-Protokolle jetzt den Ermittlungsbehörden zur Verfügung stellen.

Ingo Placzek hatte unter anderem der Pegnitz-Zeitung und dem TV-Sender Franken Fernsehen Interviews gegeben. Seine Frau beklagte gegenüber Dietrich daraufhin, die Medien hätten gewisse Aussagen ihres 25-jährigen Mannes falsch dargestellt.

Trauerandacht am Freitag

Anlässlich der tragischen Ereignisse findet am kommenden Freitag um 18 Uhr eine ökumenische Andacht in der evangelischen Christuskirche in Schnaittach statt. Dabei soll Elfriede und Peter Placzeks gedacht werden. Der evangelische Pfarrer Ulrich Zenker, der katholische Pfarrer Hans Eisend und die Marktgemeinde laden dazu ein. Auch der Schnaittacher Bürgermeister Frank Pitterlein will zu den Trauergästen sprechen.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer