Starkes Bier und starke Sprüche in Röthenbach

Begeisterung im Saal der SSG Röthenbach. Mäc Härder als Star und König des Bockbierfestes. Foto: Brinek2012/03/40047_bockbierfestroethkoenig_New_1332095464.jpg

RÖTHENBACH – Deftiges und Süffiges gab es auch heuer wieder beim Starkbierfest im Schützenhaus der SSG Röthenbach. Der glänzend aufgelegte fränkische Kabarettist Mäc Härder, Gewinner des Fränkischen Kabarettpreises 2011, war diesmal der Stargast. Mit seinem trockenen und hintergründigen Witz verstand er es ausgezeichnet, das Publikum auf seine Seite zu ziehen.

Bereits zum fünften Mal organisierte die SSG 1898 Röthenbach im eigenen Vereinsheim ein Bockbierfest. Der Ablauf ist bewährt. Mit kalorienreicher fränkischer Unterlage und reichlich Starkbier stimmen sich die Gäste auf den Höhepunkt des Abends, den Auftritt eines bekannten fränkisch-bayerischen Kabarettisten ein. Mit demoffiziellen Bieranstich, den in diesem Jahr der 1. Vorstand Gerhard Geuder, Röthenbachs 2. Bürgermeister Dieter Quast und Friedrich Weber von der Brauerei Simon in Lauf erfolgreich bewältigten, leiteteDieter Quast mit launigen Bemerkungen zum Bockbier und dessen süffiger Geschichte auf den Vortrag des Kabarettisten über.

Mäc Härder zeigt Facetten fränkischer Lebensformen und verbindet dabei Kabarett, Artistik und Comedy zu einer genialen Mischung. Und aus der Sicht eines Franken wird die Welt noch abstruser. Logisch, dass er mit dem Fränkischen Kabarettpreis 2011 ausgezeichnet wurde.

An diesem Abend schreitet er als Nachtwächter verkleidet mit einem „Voodoo“ bewaffnet in den Saal. Er bläst Alarm für das Seniorenland Bundesrepublik Deutschland, geht auf das Publikum zu, erspäht „Johannes Heesters-Gedächtnisgruppen“ und ruft ein herzliches Willkommen in den Saal, „soweit Sie mich noch hören können“. Das Publikum war zunächst etwas verblüfft, machte aber bald mit, zumal es Mäc Härder ausgezeichnet verstand, die Gäste intensiv in seinen Auftritt einzubinden. In seinen Zukunftsvisionen sieht er nicht Griechenland untergehen, sondern Holland aufgrund der Erderwärmung. Unsere Fußballnationalmannschaft wird vom 77-jährigen Schweinsteiger trainiert und sein Assistent ist Jogi Löw, ein Mann unbekannten Alters.

Mäc Härder ist pausenlos in Bewegung, zeigt artistische Jongliernummern und fasziniert mit seiner Sprachkunst, die es ihm ermöglicht – scheinbar ohne Luft zu holen – fast eine Stunde lang spritzige Pointen abzusetzen. Die Gags bezieht er aus dem sorgfältigen Studium seiner fränkischen Mitbürger im ganz normalen Alltag. So geht eine Frau von heute zur Wellness und nicht wie früher zum Müttergenesungswerk. Ein Rentner zählt zurSilver -Generation und auf die Frage seines Arztes „was fehlt uns denn?“, sagt er trocken „mir fehlt doch nichts, meistens habe ich was“.

Nach der Pause ging es Schlag auf Schlag weiter. Er erzählt aus seinerKindheit und auch die Politik bekommt ihr Fett ab. Als einige Zuhörer nicht aufpassen, reagierte er fränkisch-charmant: „Ruhe, Du hast in deinem Leben schon genug gesprochen“. Die Aufzählung der Lebensweisheiten aus seiner Jugend war so manchen Besucher nicht ganz unbekannt: „1. das hamma scho immer so gmacht. 2. wo kumma ma denn do hi,3. so lang du deine Füße unter mein Tisch stellst…, 4. werd du erst amol so alt wie ich und 5. Mitleid kriegt ma umsonst, Neid muss ma sich erarbeiten“. Nach kurzem Überlegen fügt er dann nachdenklich hinzu „Na ja -Bei einer Wahlbeteiligung von 56 Prozent bekommt die CSU 60 Prozent, das fällt selbst dem einfachen Franken auf – da stimmt doch was nicht“!

EineJongliernummer mit drei Kugeln, die die Regierungsparteien darstellen sollten, begeistert alle im Saal. Die Kugeln werden langsam oder schnell und hoch oder tiefso bewegt, dass die Begleittexteexakt dazu passten. Körper- und Sprachakrobatik synchron – das war wirklich sehenswert!

Und dann kommt er doch noch, der„König der Franken“. Als Zeichen seiner Würde trägt er eine Papierkrone, einen mit Hermelin besetzten Krönungsmantel und anstelle eines Zepters die Frankenfahne. Mäc Härder – ein König der Bürger, eben ein „Burger-King“, der seine Untertanen vor der drohenden Demokratisierung der Gesellschaft warnt: „Wenn Wahlen wirklich etwas bewirken würden, wären sie längst verboten. Schon alleine der Begriff ,Wahlurne´ klinge doch nach Leichenverbrennung oder Urinal“.

Mit seiner Persiflage über die Problembuchstaben der Franken, das P, das T und das K, und dem Vorschlag, diese Buchstaben beim Sprechen einfach weg zu lassen, setzt er dem Abend die Krone auf. Es kann gar nicht beschrieben werden, welche Wortkombinationen und Wortspiele entstehen. Das Publikum im Saal jedenfalls lachte Tränen und die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt.

Mäc Härders Show begeistertddurch die geniale Verbindung von Kabarett, Artistik und Spontaneität. Er reagiert auf Zurufe des Publikums und machte aus jeder Erwiderung ein kabarettistisches Meisterstück.

Viele Zuschauer erlebten Mäc Härder zum ersten Mal und zeigten sich überraschtund begeistert darüber, dass sein Programm so einfallsreich, originell und kurzweilig war. Der Beifall war riesig und natürlich gab es eine Zugabe. Vier „Akrobaten“ aus dem Publikum mussten unter Anleitung des Kabarettisten auf vier Stühlen Platz nehmen, wo sie so verschlungen saßen, dass ihnen Mäc Härder die Stühle wegziehen konnte und das so entstandene „Kunstwerk“ erhalten blieb. Schwierig wurde dann das Auseinandersortieren und Aufstehen – ein letzter gelungener Angriff auf die Lachmuskeln.

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