Pressekonferenz nach Leichenfund

Ermittler gehen von Totschlag aus

Sonntagmittag im Wald zwischen Lauf und Schönberg: Die Leiche des jungen Laufers wird in die Rechtsmedizin gebracht. | Foto: Andreas Kirchmayer2019/07/IMG-20190714-WA0015.jpg

LAUF/SCHWABACH — Nach dem Leichenfund im Wald bei Lauf haben sich heute die Ermittler bei einer Pressekonferenz in Schwabach zu den Hintergründen des Gewaltverbrechens geäußert. Sie gehen demnach von Totschlag, nicht von Mord aus.

Bei den beiden Festgenommenen handelt es sich um einen 31-jährigen Laufer und seine 29-jährige Ehefrau. Sie ist inzwischen wieder auf freiem Fuß, während gegen ihren Mann ein Haftbefehl wegen Totschlags erlassen wurden. Er ist dringend verdächtig und sitzt nun in Untersuchungshaft.

Auch die 29-Jährige gilt weiterhin als Beschuldigte, aufgrund ausgewerteter Spuren geht die Staatsanwaltschaft in ihrem Fall von Beihilfe zum Totschlag aus. Der Haftrichter sah jedoch keinen dringenden Tatverdacht.

Tatort ist noch unklar

Das Motiv dürfte im privaten Bereich zu suchen sein, so die Ermittler. Ihnen zufolge starb das Opfer, ein 27-jähriger Kroate aus Lauf, nicht in dem Waldstück, in dem später die Leiche gefunden wurde. Dort wurde diese nur abgelegt. Der genaue Tatort sei bisher nicht eindeutig feststellbar.

Der 27-Jährige wurde in der Nacht auf Sonntag getötet. Nach der Obduktion steht fest: Er starb durch „massive Gewalteinwirkung gegen den Kopf und Oberkörper“. Die Leiche wies Stichverletzungen auf. Der Verbleib der Tatwaffen ist im Augenblick unklar, die Polizei hat diese noch nicht gefunden. Gesucht werden ein stumpfer und ein spitzer Gegenstand.

Widersprüche in den Vernehmungen

Die beiden Tatverdächtigen hätten sich in Vernehmungen in Widersprüche verwickelt, zudem stellten die Ermittler in deren Wohnung und Auto „aussagekräftige“ Spuren sicher, hieß es bei der Pressekonferenz. Das Ehepaar habe wohl noch versucht, das Fahrzeug zu reinigen.

Während die Wohnung als Tatort momentan unwahrscheinlich erscheint, richtet die Polizei ihr Augenmerk auf das Auto. Dort gebe es „ein hohes Aufkommen von Blutspuren“, trotz der Reinigungsarbeiten.

Verdächtiger war letzter Kontakt

Das Ehepaar geriet in den Fokus der Kripo, weil der 31-Jährige der letzte Kontakt des späteren Opfers war.

Beide Tatverdächtige bestreiten die Tat. Die 29-Jährige machte vor dem Haftrichter keine Angaben, der 31-Jährige äußerte sich zu den Vorwürfen. Die genaue Motivlage ist dennoch vorerst eines der größten Rätsel für die Polizei.

Pilzsammler fand die Leiche

Ein Pilzsammler hatte die Leiche des jungen Laufers am Sonntagmorgen gegen 7.20 Uhr im Wald zwischen Lauf und Schönberg gefunden, nicht weit von der Stelle, an der der neue Laufer Bauhof entstehen soll. Schnell stand ein Gewaltverbrechen im Raum. Darauf schloss die Polizei wegen der Verletzungen.

Am Montagmittag bereits vermeldete die 25-köpfige Sonderkommission „Pilz“, die umgehend gegründet worden war, einen Ermittlungserfolg: Die beiden Tatverdächtigen wurden festgenommen.

Totschlag vs. Mord

Auch wenn das oft kolportiert wird: Totschlag und Mord unterscheiden sich nicht durch den Vorsatz. Beides sind Taten, die vorsätzlich begangen werden, also mit der Absicht, jemandem das Leben zu nehmen. Es gibt aber auch den bedingten Vorsatz – hier nimmt es der Täter schlicht in Kauf, dass sein Opfer stirbt, um ein anderes Ziel zu erreichen.

Die Tötung eines Menschen wird dann als Mord eingestuft, wenn mindestens ein Mordmerkmal vorliegt. Dabei geht es um die Beweggründe des Täters, um die Art, wie er vorgeht, also besonders grausam, heimtückisch oder gemeingefährlich, und schließlich um seine Absichten: Will er eine andere Tat verdecken, geht er sprichwörtlich über Leichen? Beweggründe, die juristisch einen Mord kennzeichnen, sind zum Beispiel Habgier oder Befriedigung des Geschlechtstriebs.

Totschlag wird mit mindestens fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet, auf Mord steht zwangsläufig lebenslange Haft.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel