Lauf-Süd: Kritik an Nähe des BN zu Laufs Bürgermeister

Haben die Naturschützer Beißhemmung?

Für einen Teil des Gewerbegebiets Lauf-Süd – es liegt direkt der A 9, die man hier im Hintergrund erkennen kann – mussten im Frühjahr Bäume fallen. Dagegen regte sich kaum Protest.  Foto: PZ-Archiv2013/06/wald_rodung_freileitung_autobahn_1.jpg

LAUF — Schont der Bund Naturschutz (BN) den Laufer Bürgermeister Benedikt Bisping, weil dieser ein Grüner ist und jahrzehntelang aktiv für den Umweltverband gearbeitet hat? Kritiker unterstellen dies, nachdem im Frühjahr ohne jeden öffentlichen Protest an der A 9 über vier Hektar Wald für ein Gewerbegebiet gerodet wurden. Auf Kosten der Natur, so die Ansicht einer Bürgerinitiative, sollen nun weitere Unternehmen unterhalb des Letten angesiedelt werden.

Bisher besteht das Gewerbegebiet Lauf-Süd aus zwei Teilarealen, ein drittes ist bereits seit 2008 im sogenannten Flächennutzungsplan vorgesehen. Nun soll es Realität werden: Lauf-Süd III würde vom Fuß des Hangs am Letten bis zur Parallelstraße entlang der S-Bahn reichen, diesmal müssten Wiesen und Kleingärten weichen. Die Stadt begründet das mit ständigen Nachfragen nach Gewerbegrundstücken.

Erwin Salomon, der Sprecher der Bürgerinitiative, meint dagegen: Eine Vergrößerung des Gewerbegebiets „vernichtet nachhaltig die grüne Lunge im stadtnahen Bereich“. Bereits jetzt müsse man auf die „so wichtige Abgas-Filterfunktion von Hunderten von Bäumen“ verzichten. Und das unter einem Grünen-Bürgermeister, da reibe man sich schon die Augen.

Wo bleibt der BN? Diese Frage stellen nicht zuletzt die Befürworter des Sandabbaus in der Nähe des Birkensees. In diesem Fall würde der Umweltverband scharf gegen die Rodung eines zehn Hektar großen Waldstücks protestieren, aber in Lauf äußere er sich nicht, sagt unter anderem Hannes Zapf, der Geschäftsführer der Behringersdorfer Zapfwerke, die es auf den Rohstoff abgesehen haben. Auch wenn das Gebiet am Birkensee einige gefährdete Arten beheimatet, was bei den Laufer Kleingärten eher nicht der Fall ist, schwingt da der Vorwurf mit, dass die Naturschützer bei einem Grünen-Politiker an der Stadtspitze mit einem anderen Maß messen.

Tatsächlich kann man dem BN eine gewisse Nähe zum Laufer Bürgermeister nicht absprechen: Bisping war schon als Jugendlicher dort aktiv, 1997 gründete er laut seiner eigenen Internetseite die Bund Naturschutz Service GmbH, eine Tochter des Bund Naturschutz, die unter anderem ökologische Reisen anbietet. Nach seiner Wahl hat er sich allerdings aus dem Unternehmen zurückgezogen, darüber berichtete 2008 auch die Pegnitz-Zeitung.

Heide Frobel, die Vorsitzende des BN im Nürnberger Land, die für die Bund Naturschutz Service GmbH arbeitet, wehrt sich gegen die Kritik: „Ich trenne das ganz strikt. Bei uns gilt: Nur aufgrund der sachlichen Situation soll entschieden werden, allein der Eingriff soll beurteilt werden.“ Und den Eingriff unterhalb des Lettens hat der Umweltverband bereits im Blick, auch wenn er bisher noch nicht aktiv geworden ist: „Wir haben uns nur kurz dazu verständigt“, sagt Frobel, mit der Bürgerinitiative wolle sie erst noch „das Gespräch suchen“.

Die Position des BN lautet: Wenn der Bedarf für Gewerbeflächen nicht nachgewiesen ist, darf die Natur nicht geopfert werden. Frobel: „Und aus meiner Sicht ist der Bedarf nicht nachgewiesen“. In Lauf-Süd I, dem ersten Teil des Gewerbegebiets, gebe es zumindest noch Lücken.

Tatsächlich haben die Naturschützer nicht gegen die Rodung im Frühjahr demonstriert, als ein ganzes Wäldchen für die künftigen Gelände des Laufer Bauhofs und des Schmuckherstellers Thomas Sabo weichen musste. Aber die Kreisvorsitzende gibt auch zu bedenken, dass der BN bereits Ende der neunziger Jahre Widerstand angemeldet habe.

Damals war ein Teil der Fläche aus der sogenannten Bannwaldverordnung, die besonders strengen Schutz garantiert, herausgenommen worden.  „Der Bund Naturschutz hat sich dagegen bemüht, aber es gab keine Unterstützung von anderer Seite“, sagt Frobel. 1999, als die Verordnung geändert wurde, regierte in Lauf aber auch noch CSU-Bürgermeister Pompl.

Was sagt Bisping selbst dazu? Das Stadtoberhaupt hat momentan einen vollen Terminkalender – unter anderem war am Donnerstag die Verhandlung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs wegen des geplanten Windrads bei Neunhof. Aber er hat versprochen, sich noch zu äußern.

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