Hersbruck und Halloween – passt das zusammen?

Zeit zum Gruseln

HERSBRUCK – Entgegen der landläufigen Meinung, Halloween stamme aus Amerika und verdränge deutsche Riten, hat Halloween europäische, genau genommen keltische Wurzeln. Einwanderer aus zum Beispiel Irland und Schottland nahmen den heidnischen Brauch mit in die USA, von wo aus er seinen Siegeszug zurück über den großen Teich antrat und mittlerweile in Deutschland nicht mehr wegzudenken ist. Inzwischen gehört es zum guten Ton, sich am 31. Oktober als Skelett, Hexe, Vampir oder Zombie-Prinzessin zu verkleiden sowie für die Kinder nach amerikanischem Vorbild von Haus zu Haus zu ziehen und um Süßigkeiten zu bitten.

Insbesondere das heutige Irland und Schottland waren vor rund 2000 Jahren von keltischen Nationen bevölkert. Diese feierten den Übergang vom Sommer auf den Winter – in ihrer Zeitrechnung gab es nur diese beiden Jahreszeiten – im Rahmen des Samhain-Festes. Laut dem keltischen Kalender stellte Samhain, was im Englischen „Summers End“, also Ende des Sommers, bedeutet, den Beginn des neuen Jahres dar.

Nach Meinung der Kelten traf an diesem Tag die Welt der Lebenden und die der Toten zusammen. Die Nacht von Samhain war die einzige Möglichkeit für die Toten, für ein Jahr zurück ins Leben zu kommen, indem sie die Seele eines Lebenden raubten. Um dies zu verhindern, entstellten sich die Kelten, um die Untoten zu vertreiben. Einer anderen Überlieferung nach wollten die Menschen es den Geistern schwer machen, die Lebenden von den Toten zu unterscheiden – und verkleideten sich entsprechend selbst als Geister.

Wer hat’s erfunden?

Nachdem die Römer das damalige Britannien ab 43 nach Christus für rund 400 Jahre als Provinz eingenommen hatten, mischte sich der heidnische Brauch der Kelten mit den Traditionen der Römer. Diese feierten das römische Erntefest am 1. November zu Ehren der Pomona, Göttin der Baumfrüchte und Verkörperung des Herbstes. Irische Einwanderer brachten den Brauch schließlich in den 1840er Jahren nach Amerika, wo dieser immer noch von Jung und Alt zelebriert wird: Aus fast jedem Haus lugt mindestens eine Spinne; und die Begeisterung kennt keine Grenzen: Viele Amerikaner bieten ihren Besuchern aufwendige Haus- und Gartendekorationen als gruseligen Hingucker.

Aus amerikanischen Filmen kennt man verkleidete Kinder, die „Trick or Treat” fordernd von Haus zu Haus gehen und so auf eine stattliche Ansammlung von Süßigkeiten kommen. Dahinter steckt eine religiöse Gepflogenheit aus dem neunten Jahrhundert, als europäische Christen als Gegenleistung für einen „Seelenkuchen”, ein quadratisches Brot mit Johannisbeeren, versprachen, für die verstorbenen Seelen der Schenkenden zu beten. Diesen Hintergrund haben die Kinder heute sicher nicht, wenn sie in Hersbruck „Süßes, oder es gibt Saures“ fordern.

Der Name Halloween setzt sich übrigens zusammen aus dem englischen „All Hallows Eve“, dem Vorabend von Allerheiligen. Irische Immigranten brachten die Tradition in die USA, wo der in Amerika beliebte und im Herbst geerntete Kürbis seitdem als Körper für die Laterne herhält. In Hersbruck finden die Kunden vor allem die deutsche Variante, den Gemüsekürbis, mit zirka fünf bis zehn Kilogramm – zusätzlich zum Hokkaido und zum grünlichen Muskatkürbis.

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