Ehemaliges Bandmitglied Tony Currenti kommt nach Hersbruck

Im AC/DC-Fieber

HERSBRUCK – Weltberühmt ist die Band „Stinger“ bisher noch nicht. Das könnte sich aber bald ändern, denn bei der Aufnahme des neuen Albums spielen hochkarätige und weltberühmte Rockmusiker mit. Vier ehemalige AC/DC-Bandmitglieder konnte der Bandgründer Matthew Sting aus Lauf unter anderem dafür gewinnen. Einer von ihnen, Tony Currenti, war Schlagzeuger bei der australischen Version von „High Voltage“. Um am „Stinger“-Album „Disadvantaged“ mitzuarbeiten, ist er extra nach Hersbruck gekommen. Für ein Interview mit der HZ hat sich der charmante Australier mit italienischen Wurzeln nur zu gerne Zeit genommen.

Als AC/DC dich 1974 gefragt hat, ob du mit ihnen zusammenarbeiten willst, war die Band noch lange nicht so bekannt wie heute. Wie war damals deine Reaktion – „Wow, super“ oder „naja, ganz nett, da verdiene ich mal wieder Geld“?

Tony Currenti: Die beiden Produzenten George Young (älterer Bruder von Malcolm und Angus) und Harry Vanda haben mich an Bord geholt. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, mit AC/DC zu spielen – auch, wenn sie erst angefangen hatten. Es war ihr erstes Jahr.

Ich habe gelesen, dass AC/DC dich auf der anschließenden Tournee dabeihaben wollte. Aber aus zwei Gründen bist du nicht mitgereist. Warum nicht?

Tony Currenti (links) albert 1974 bei den Aufnahmen von „High Voltage“ mit dem Produzenten George Young herum. (Foto: privat)
Tony Currenti (links) albert 1974 bei den Aufnahmen von „High Voltage“ mit dem Produzenten George Young herum. (Foto: privat)2016/10/Tony-2.jpg

Ich habe gleichzeitig ein Album mit meiner damaligen Band Jackie Christian & Flight aufgenommen und ich fand es nicht angemessen, meine Band für eine andere zu verlassen. Der andere Grund: Ich hatte einen italienischen Pass und konnte damit nicht einfach überall hinreisen.

Jackie Christian & Flight hat sich kurz darauf getrennt.

Ja, sie hat sich 1975 aufgelöst. Ich bin dann zu einer anderen Band gegangen.

Aber du hast AC/DC für Jackie Christian & Flight einen Korb gegeben. Hast du dich deswegen in den Hintern gebissen?

Ich könnte mich selbst treten (lacht).

Damals habe ich glaube ich die richtige Entscheidung getroffen.  Vanda & Young haben mich als Session Drummer (temporärer Schlagzeuger, der Bands bei Bedarf aushilft) eingesetzt. Ich habe mit John Paul Young und Stevie Wright andere Stücke aufgenommen.

1976 wollte ich nicht schon wieder mit einer neuen Band anfangen. Ich habe geheiratet und ’77 habe ich das alles aufgegeben für einen Job, den ich gerne mache: Ich habe eine Pizzeria eröffnet. Und das war das Ende meiner Musikkarriere.

Hast du es je bereut, die Drumsticks gegen den Pizzaschieber eingetauscht zu haben?

Nein, ich liebe Essen – ich bin Italiener (lacht)! Vor zwei Jahren hatte ich die Chance, über den Autor Jesse Fink zurück ins Musikbusiness zu kommen (In Finks Buch „The Youngs: The Brothers Who Built AC/DC“ sind neun Seiten Tony Currenti gewidmet, dadurch stieg die Nachfrage nach Tony wieder immens). Jetzt passiert 40 Jahre später das, was ich 1976 tun wollte. Das ist gut!

Tony Currenti in Aktion: Für einen guten Zweck wie das Charity-Projekt von der lokalen Band „Stinger“ hat er nur zu gerne den Pizzaschieber gegen die Drumsticks eingetauscht. (Foto: D. Kaiser)
Tony Currenti in Aktion: Für einen guten Zweck wie das Charity-Projekt von der lokalen Band „Stinger“ hat er nur zu gerne den Pizzaschieber gegen die Drumsticks eingetauscht. (Foto: D. Kaiser)2016/10/AC_DC.jpg

 

Lass uns über Bon Scott reden. Das Bild, das ich aus der Ferne von ihm habe, ist, dass er bis zu seinem Ende extrem viel getrunken und das Rock‘n‘Roll-Leben gelebt hat. Welchen Bon Scott hast du kennengelernt?

Den Johnnie Walker-Bon (lacht). Wir sind oft an der Bar gelandet und haben den Alltag hinter uns gelassen. Wir haben versucht, das Leben zu genießen. Offenkundig hat sich das auf ihn ausgewirkt. Ich habe deswegen (wegen seines Todes 1980) das Trinken aufgegeben.

Seine Ex-Frau Irene Thornton hat in einem Interview gesagt, Bon hatte auch eine softe, eine traditionelle Seite. Kannst du das bestätigen?

Ja, er war ein sehr sanftmütiger Mensch – nach einigen Drinks zumindest. Er hat nie über seine Probleme geredet.

Erzähl uns von Skandalen von damals.

Nach einigen Drinks haben wir nach den schönsten Frauen im Haus Ausschau gehalten (lacht).

Wer war der Wildeste in der Band – oder in AC/DC-Worten: Wer von euch hatte die größten Eier? (Angelehnt an den Song „Big balls“)

Das war Bon. Er war der Älteste und Erfahrenste, jeder von uns hat zu ihm aufgeschaut.

Hast du den Ruhm mitbekommen? Haben Menschen dich auf der Straße erkannt, haben die Frauen dir ihre BHs hinterhergeworfen, geschrien oder sind in Ohnmacht gefallen?

(lacht) Nun, das kam etwas später. Die Leute haben uns damals gekannt, zum Beispiel in Nachtklubs. Aber der Ruhm kam erst dann, als ich schon Pizza gebacken
habe.

In letzter Zeit war es sehr unruhig bei AC/DC. Malcom Youngs Demenz und Phil Rudds üble Machenschaften im Jahr 2014; heuer Brian Johnson, der um sein Gehör bangt. Ist das das Ende von AC/DC?

Ich glaube, Angus macht etwas Neues – das hoffe ich zumindest. Und die anderen: Nun, das liegt an ihnen selbst.

Was hältst du von Axl Rose als Brian Johnsons Vertretung?

Ich finde, er macht einen fantastischen Job. Ich weiß, nicht jeder war mit ihm einverstanden, aber es gibt auch viele Leute, die ihn zu schätzen wissen. Meiner Meinung nach hat AC/DC mit ihm eine gute Wahl getroffen. Ich weiß nicht, wie es mit der Band weitergeht, aber ich bin mir sicher, Angus wird etwas einfallen.

Was wäre ein angemessener AC/DC-Rock’n’Roll-Abschied gewesen? Sicherlich nicht so etwas wie „war nett, mit dir zu plaudern, lass uns mal wieder einen Tee zusammen trinken“?

Mein Rock’n’Roll-Goodbye wäre es, mich nach 40 Jahren mit Angus zu treffen. Auf einen Tee oder Kaffee.

Das neue „Stinger“-Album „Disadvantaged“ erscheint im Januar 2017, Infos unter www.stingerrocks. com.

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin