Schulze als Zugpferde beim Jahresempfang

Mit den richtigen Antworten

Lebhaft und voller Ideen: Katharina Schulze bei ihrer Rede zum Neujahrsempfang im Zeidlerschloss. | Foto: Gisa Spandler2020/01/Feucht-Katharina-Schulze-Gruene.jpg

FEUCHT – Die bayerische Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze kommt zum Neujahrsempfang  des Ortsverbands nach Feucht und thematisiert Klimakrise, Mobilitätsgarantie, Rechtsextremismus und Gleichberechtigung.

„Du kriegst die Welt nicht besser gemeckert, du musst sie besser machen.“ Das scheint tatsächlich der Lieblingssatz von Katharina Schulze, Fraktionschefin der bayerischen Grünen, zu sein, die auf Einladung des Ortsvereins zum Jahresempfang ins Zeidlerschloss kam. Und dass sich das blonde Energiebündel dieses Statement auch tatsächlich auf die Fahnen geschrieben hat, erläutert es in ihrer gut 30 Minuten andauernden, kämpferischen Ansprache, in der es kaum um Ideologie oder Theorie geht, sondern um sehr praxisnahe Herausforderungen und wie man sie annehmen und bewältigen kann.
Zunächst gratuliert sie den Feuchter Grünen, die seit 36 Jahren bereits im Marktgemeinderat vertreten sind, wie Hermann Weichselbaum vom Ortsvorstand in seiner Begrüßung erwähnt. Leuten, die schon vor Jahrzehnten so mutig und engagiert waren, sei es zu verdanken, dass die Grüne Partei insgesamt nun schon 40 Jahre existiere. Denn die stellten die richtigen Fragen und gäben die richtigen Antworten.

Klimakrise im Zentrum
Die wichtigste Aufgabe sieht die 34-Jährige in der Bekämpfung der Klimakrise.  „Die Klimakrise ist menschengemacht, aber wir Menschen haben auch Mittel, sie zu bekämpfen.“ Die Klimaziele von Paris seien endlich einzuhalten, fordert sie. Für Bayern stellt sie drei Ansätze in den Fokus des Handelns: die CO2-Reduzierung, die Mobilitätspolitik und die Energiewende. Ausgehend vom erfolgreichen Artenschutz-Volksbegehren resümiert sie, dass Bayern gezeigt habe, dass die Bürger eine andere Umweltpolitik wollen, was insbesondere Landwirtschaft und Verkehr betreffe. Um die kleinen bäuerlichen Betriebe zu unterstützen, sollte man hier die Subventionspraxis in der EU ändern.

Engmaschigerer Busverkehr
Im Bereich der Mobilität müsse man zur Minderung von CO2 die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, so dass im ländlichen Raum das Zweitauto in den Familien überflüssig werde. Die „grüne Mobilitätsgarantie“ fordere daher, dass jeder Ort in Bayern mit mindestens 200 Einwohnern stündlich zwischen 5 und 24 Uhr an den ÖPNV angebunden werde.

Beim Thema Energiewende nimmt sie Ministerpräsident Söder aufs Korn, der zwar neuerdings „jeden Baum, den er findet, umarmt“, aber bei der richtigen Klimawende versage. Hier hat sie die 10 H-Regelung im Blick, die aus ihrer Sicht natürlich so schnell wie möglich abgeschafft werden müsste.
Vom Klima auf der Erde schlägt sie die Brücke zum Klima in der Gesellschaft und geißelt Aggression, Hass und Hetze. „Wieso gibt es in Bayern 191 Rechtsextremisten, die eine Waffenerlaubnis haben?“, will sie wissen.
Der CSU, die seit Jahrzehnten den Innenminister in Bayern stellt, erspart sie den Vorwurf der Untätigkeit nicht. „Der Fahndungs- und Ermittlungsdruck auf Rechtsextreme muss erhöht werden“, fordert sie und stellt die Frage, wie es denn sein könne, dass es 91 offene Haftbefehle gegen Rechte gebe, die nicht vollzogen werden können.

Benachteiligung von Frauen
Letzter Schwerpunkt in ihrer vollkommen frei vorgetragenen Rede ist das Thema Gleichberechtigung. Hier prangert sie die Benachteiligung der Frauen in vielen Bereichen an: Nur 27 Prozent der Abgeordneten im Landtag seien weiblich und sogar nur fünf von 71 Landräten. Gewaltakte gegen Frauen seien beschämend, aber auch Ungleich- und Unterbezahlung, wie sie noch gang und gäbe seien.

Zum Ende ihrer Ansprache erhält sie lang anhaltenden Applaus vom Publikum, darunter zahlreiche Parteikollegen aus Nachbarkommunen und auffallend viele Mitglieder anderer Parteien sowie die Ortsgeistlichen beider Konfessionen und Kulturschaffende aus der Region.

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