80 Fichten müssen nahe Feucht gefällt werden

Massiver Borkenkäfer-Befall im Reichswald

Der Harvester bei der Arbeit: Der Holzvollernter fällt etwa 80 Fichten, die von Borkenkäfern befallen sind. Fotos Kappes2013/08/borkenkaefer_befall_feucht_harvester.jpg

FEUCHT – Die bayerischen Staatsforsten müssen im Lorenzer Reichswald 0,7 Hektar Wald fällen. Der Grund: Massiver Borkenkäferbefall in diesem Gebiet.

„Wir waren von den Ausmaßen überrascht“, sagt Florian Krüger, Forstanwärter im Revier Feucht. Er steht in einem Waldstück südlich der A6. Hinter ihm erstreckt sich fast ein drei Viertel Hektar Wald, in dem jeder Baum mit roter Farbe markiert ist. Das Zeichen dafür, dass diese Fichten gefällt werden müssen. Insgesamt 80 Stück. 20 Meter lang. Bis zu 50 Jahre alt. An dieser Stelle hat der Borkenkäfer zugeschlagen. Und das auch schon in den Jahren zuvor. Der Wind hat zudem bereits Schneisen in das Areal geschlagen.

Joggern und Spaziergängern dürfte die Lücke im Wald auffallen, schließlich liegt das Gebiet auf einer viel benutzten Strecke nahe dem Markt Feucht. 80 Bäume sind eine Menge Holz und der Befall durch das kleine schwarze Insekt ist enorm, dennoch ist der Borkenkäfer im Reichswald nichts ungewöhnliches. Er taucht fast jedes Jahr auf. Doch in diesem Jahr hat die Trockenheit dem Tier in die Hände gespielt: Das Fichtenholz, in das das Insekt seine Eier legt, leidet unter der Hitze. Bei kühlerer Witterung bilden diese Bäume Harz, mit denen sie die Käfer verkleben. Dazu fehlt ihnen momentan allerdings die Feuchtigkeit.

Bis Ende nächster Woche fällt der Holzvollernter, auch Harvester genannt, die Fichten, entrindet sie und entfernt die Äste. Diese Teile bleiben im Wald liegen, damit die Nährstoffe in den Boden übergehen können. Das Holz kommt nächste Woche in ein Sägewerk. Wird ein Baum gefällt, trocknet das Holz aus, dadurch haben auch die Larven des Borkenkäfers im Inneren keine Überlebenschance. Die Fachleute müssen dadurch keine Pestizide einsetzen. „Das machen wir grundsätzlich nicht“, sagt Horst-Dieter Fuhrmann, stellvertretender Fostbetriebsleiter. Die beste Prävention gegen den Insektenbefall sei ein Mischwald, erläutert Andreas Böllet, Revierleiter in Feucht. Denn die Tiere befallen ausschließlich Fichten. Gibt es in dem Gebiet noch andere Baumarten, kann der Käfer sich nicht so schnell ausbreiten, weil es weitere Strecken zur nächsten Fichte überwinden muss. Die Bäume nahe Feucht sind teilweise seit dem Frühjahr befallen, bei anderen hat sich das Insekt erst kürzlich einen Platz für seinen Nachwuchs gesucht. „Der Befall ist bereits auf die andere Wegseite übergesprungen“, berichtet Fuhrmann. Schnelles Handeln war also nötig. Die Stelle eignet sich nicht sonderlich für Fichten. Es liegt über dem Grundwasser, das flache Wurzelwerk erhält zu oft zu wenig Feuchtigkeit. Deshalb pflanzen die Bayerischen Staatsforsten im Herbst Erlen an diese Stelle. Etwa 2500 Setzlinge werden in die Erde versenkt, das Stück für etwa 1,20 Euro. Das Setzen der Fichten an dieser Stelle vor einigen Jahrzehnten hat sich also nicht gelohnt: Das Holz wächst zwar schnell, ist aber allzu anfällig für Wind und Borkenkäfer.

N-Land Kai Mirjam Kappes
Kai Kappes