Vor 50 Jahren in Hersbruck

Die heutige „Lossiemouth-Brücke“ – eine Flutbrücke mit langer Geschichte

Zwischen 5. und 7. Februar 1909 stürzte die damalige „Flutbrücke“ein. | Foto: Geng2022/05/a462449347i0013_max1024x.jpeg

HERSBRUCK – Vor 50 Jahren wurde die Flutbrücke gebaut, die seit 1982 „Lossiemouth-Brücke“ heißt. Unter der Überschrift „Schlagaderoperation“ konnte man im Frühjahr 1972 in der HZ über den Bau der neuen Flutbrücke lesen, der einzigen Verkehrsverbindung von der Altstadt zum Ostbahnstadtteil. Während dieser Bauarbeiten wurde damals der Verkehr über den Schießanger, durch die Happurger Straße und die Eichelgasse umgeleitet.

Verfolgt man die Geschichte, dann war es bis zum Jahr 1868 unmöglich, bei Pegnitz- oder Krebsbachüberflutungen von der Stadt zu den südlich der Pegnitz gelegenen Äckern, Wiesen und Wäldern oder nach Ellenbach und Happurg zu gelangen. Für Fußgänger gab es damals zwar einen 300 Meter langen Steg, weshalb die Wiese zwischen „Michael-Roiger-Weg“ und Minigolfplatz heute noch „Steech“ genannt wird. Dieser Steg stand allerdings schon bei mittlerem Hochwasser selbst unter Wasser. In seiner Chronik schrieb Wilhelm Ulmer: „Bis 1868 führte ein steinerner gewölbter Steg, 900 Fuß lang, an die Brücke (Pegnitz-Brücke) sich anschließend, nur für Fußgänger bestimmt, nach dem jenseitigen Thale.“

Durch den Bau der linken Bahnlinie und dem damit verbundenen Beginn zur Besiedelung des Ostbahnstadtteiles, wurde dieser Zustand allmählich unerträglich und die Stadt musste einen hochwasserfreien Verbindungsweg schaffen. Diese erste Überbrückung des Pegnitztales bei Hersbruck erfolgte dann 1867/68 und wurde im Oktober 1868 unter Bürgermeister J.G. Langguth dem Verkehr übergeben.

Bauwerk mit „Trottoir“

Nach Planung der Techniker, von der Cramer/Klett’schen Maschinenfabrik, der späteren MAN, wurden damals zwei Flutbrücken und zwei Fahrdämme für die Abzweigung zum Plärrer und zur Happurger Straße errichtet. Das gesamte Bauwerk, mit beiderseits vier Fuß breitem Trottoir, hatte eine Breite von 32 Fuß (zirka 10 Meter) und eine Gesamtlänge von 2200 Fuß.

Die Sandsteine zum Bau der beiden Brücken kamen aus Rudolfshof bei Lauf. Die erste Brücke, von der Pegnitz aus, hatte vier und die nach Abzweigung der Happurger Straße sechs Bögen. Die einzelnen Pfeiler waren zirka einen Meter stark und davor waren sie noch mit einem halbrunden senkrechten Wellenbrecher verstärkt. Das Geländer bestand aus 96 gusseisernen Säulen die mit eisernen Stäben verbunden waren.

Drei Bögen des nördlichen Brückenteils (zwischen Schießhaus und Gärtlein, heute Allianz) brachte das Hochwasser zwischen 5. und 7. Februar 1909 zum Einsturz und wurden dann nicht mehr mit Sandsteinbögen, sondern mit schweren Eisenträgern neu errichtet.

Einsturz wegen Panzer

Beim Herbstmanöver „Reforger II“ mit Panzern der Bundeswehr und alliierten Verbänden wurde auch Hersbruck zum „Kampfgebiet“ und damals musste die südliche Flutbrücke daran glauben. Ein US Panzer, der am 14. Oktober 1971 abends die altersschwache Brücke befuhr, brachte 20 Meter, vom Gehsteig an der Westkante, zum Einsturz. Dadurch wurde ein rascher Brücken-Neubau nötig und schon Ende November 1971 wurde mit dem Abriss des westlichen Teils der Flutbrücke zum Straßendamm, von der Abzweigung Happurger Straße bis zum „Brendels-Bader“ vor der Bleistiftfabrik, begonnen.

Die Brücke wurde später erneuert, wie in diesem Foto zu sehen. /Foto: Geng2022/05/a462449347i0018_max1024x.jpeg

Im Jahr 1972 folgte der Bau des großen Teils der Brücke, mit dem Schulwegdurchlass und den breiten Brücken für den Krebsbach und die Fußgänger vom Plärrer aus. Dieses Bauwerk heißt seit Juli 1982 „Lossiemouth-Brücke“. Die Namensgebung erfolgte durch Bürgermeister Hans Endres, anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Städtepartnerschaft, es sollte die Hersbrucker täglich an ihre schottische Partnerstadt erinnern.

Autor: Albert Geng

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