LAUF — Für viele Hobby- und Vereinsfußballer ist zurzeit die Industriestraße 32 in Lauf die angesagteste Adresse: Dort hat vor wenigen Tagen die Soccerhalle Lauf eröffnet, wo über 30 Jahre lang Tennis gespielt wurde. Hier können jetzt auf drei Plätzen die Kicker ihrer Leidenschaft frönen, ohne weite Fahrten etwa nach Nürnberg in Kauf nehmen zu müssen.
Die Zeit zwischen Ende November und Anfang März ist für Fußballer vor allem eine lästige Zwangspause, in der selbst ein Training im Freien oft nicht möglich ist – vom Spielen ganz zu schweigen. Das Ausweichen in eine Halle ist schwierig: Spielzeiten in notorisch ausgebuchten Schulturnhallen sind selbst für Sportvereine Mangelware, die nächst gelegenen privaten Hallen befinden sich in Nürnberg oder Erlangen – viel Aufwand für ein Abendtraining oder eine Stunde Kicken. Obendrein haben viele Spieler und vor allem Vereinstrainer Angst vor der Verletzungsgefahr auf dem ungewohnten Hallenboden.
So ist es kein Wunder, dass das neue Freizeitangebot in Lauf vom Eröffnungstag an sehr gut ankommt und die Betreiber mit der ersten Woche mehr als zufrieden sind. Hinter der Betreibergesellschaft „Soccerhalle Lauf“ steht mit Peter Hammer, Matteo Sidiropoulos und Ersoy Üçüncü ein Trio, dass neben der Autobranche, in der alle drei im Hauptberuf ihr Geld verdienen, vor allem die Leidenschaft für den Fußball verbindet.
Kein „harter“ Hallenboden
Peter Hammer, der auch als Spielerberater – etwa von Marek Mintal – bekannt ist, hat mit seinen Mitstreitern vor allem auf die Qualität der jeweils 30 mal 15 Meter messenden Spielflächen Wert gelegt. So bilden auf der Asphalt-Grundlage eine besondere Elastik-Schicht, Quarzsand und ein Spezial-Granulat den Boden unter einem Kunstrasen der neuesten Generation, der Bänder, Muskeln und Knochen nicht so belasten soll wie ein herkömmlicher Hallenboden. Dazu sind alle Felder durch umlaufende Banden und Netze von oben und der Seite begrenzt, so dass der Ball ständig im Spiel gehalten werden kann.
Dabei hatten die drei Betreiber den Vorteil, dass sie ihre Investitionen auf die eigentlichen Spielfelder konzentrieren konnten, da die Halle in Sachen Beleuchtung, Lüftung und Heizung bereits auf dem neuestem Stand war. Doch neben den Umgestaltungen der Spielfelder war im Umfeld viel zu tun; vor allem, um die erforderlichen Parkflächen zu bekommen.
Dem Trend voraus
Die Halle war 1979 — sechs Jahre, bevor sich Tennis nach dem ersten Wimbledon-Sieg von Boris Becker zum Trendsport Nr. 1 in Deutschland entwickelte – als Tennishalle von der Laufer Elektrokeramikfirma Purucker gebaut worden. Treibende Kraft hinter dem Bau war Rudolf Kainz, einer der damaligen Geschäftsführer. Der begeisterte Leichtathlet hat sich sowohl selbst als Bayerischer Meister über 100m, vor allem aber als Trainer des Laufers Martin Jellinghaus sportliche Meriten erworben. Jellinghaus hatte bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko mit der 400m-Staffel Bronze gewonnen.
Aus der eigenen Leidenschaft für Tennis entwickelte Kainz die Idee einer Halle in Lauf, die jahrelang auch als Geschäftsmodell funktionierte. 1989 wurde die Laufer Halle um Squash-Courts erweitert. Trotzdem liefen wegen des im Laufe der Jahre nachlassenden Interesses am Tennissport auch die Geschäfte mit der Halle Lauf-Süd immer schlechter, erinnert sich Rudolf Kainz. Selbst ein für einige Jahre in der Halle bestehendes Golf-Angebot änderte daran nichts.
So kam den Eigentümern das von Hammer, Sidiropoulos und Üçüncü vorgelegte Konzept sehr entgegen. Mit diesem Konzept – das Kicker bis aus Pegnitz anlocken soll – setzte sich das heimische Trio gegen ein Erlanger Fußballcenter durch, das in Lauf gerne eine weitere Filiale eröffnet hätte.
Obwohl die Tennishalle in einem guten Zustand war, mussten die Eigentümer trotzdem rund 150 000 Euro investieren, um die nötigen Genehmigungen der Behörden zu bekommen, berichtet Rudolf Kainz. Knackpunkt waren vor allem die zusätzlich geforderten Parkplätze. Schließlich befinden sich nun nicht mehr wie bei drei Tennis-Doppeln zwölf Sportler in der Halle, sondern bei drei Fußballspielen 30 bis 40. Deshalb wurde ab Februar vergangenen Jahres die angebaute Squash-Halle abgerissen, um Parkplätze zu schaffen. Auch die erweiterten Umkleiden sind jetzt dem Ansturm mehrerer Fußballteams gewachsen.
Vereine nutzen neues Angebot
Dass die Betreiber mit ihrem neuen Angebot eine Marktlücke gefunden haben, sehen sie mit der Nachfrage der ersten Tage bestätigt. Auf Anhieb bestritten auch viele Vereinstrainer ihre Übungseinheiten in der Soccerhalle. Beispielsweise bereitete am Dienstagabend Werner Kirchhoff vom SV Achteltal seine Truppe ebenso auf das Ende der Winterpause vor wie Thomas Ziemer die Bezirksliga-Kicker des SK Lauf; daneben spielten Akteure des Türk. SV Röthenbach und eine Privatmannschaft.
Besonders der Bodenbelag wird gelobt: „Darauf sprechen uns viele an“, weiß Sidiropoulos, „weil der eben nicht so hart, sondern richtig gut zu bespielen ist“. Der ultimative Belastungstest steht dem Belag und der Halle an diesem Wochenende bevor: Bei einem privat organisierten Jugendturnier treten am Sonntag ab 14 Uhr 16 Mannschaften gegeneinander an.
Mit solchen Veranstaltungen will das Betreiber-Trio auch in den Sommermonaten bestehen, wenn die Nachfrage nach Hallenspielzeit nicht mehr so groß ist. Dazu kann sich Peter Hammer Techniktraining für Vereinsspieler genauso gut vorstellen wie einen Kindergeburtstag in der Sky-Bar der Halle, wo sonst Fußballspiele übertragen werden.
